Mit dem Ende des Berufslebens beginnen für viele Menschen in Deutschland finanzielle Sorgen. Laut dem Statistischen Bundesamt (Destatis) sind derzeit fast 20 Prozent der Personen über 65 Jahre armutsgefährdet. Die gute Nachricht: Die Betroffenen können berechtigt sein, Sozialleistungen zu erhalten. Eine davon ist das Wohngeld. Eine Kleine Anfrage im Bundestag hat nun offengelegt, dass die Zahl der Rentnerinnen und Rentner, die Wohngeld erhalten, in den letzten Jahren rapide angestiegen ist. Ist das ein Hinweis auf eine Verschärfung der Altersarmut?
Wie viele Rentner beziehen Wohngeld?
Knapp 700.000 Rentnerinnen und Rentner bezogen Ende 2024 Wohngeld. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage des Bundestagsabgeordneten René Springer (AfD) hervor. Der Anteil der Wohngeld-Bezieherinnen und -Bezieher an der Gesamtzahl der Rentenempfangenden liegt demnach bei knapp drei Prozent.
2020 soll die Anzahl an wohngeldberechtigten Rentnerinnen und Rentnern noch bei etwa 300.000 gelegen haben. Demnach hat sich die Personengruppe innerhalb von vier Jahren mehr als verdoppelt.
„Die stark steigende Zahl von Rentnern, die auf Wohngeld angewiesen sind, zeigt, wie dramatisch sich die Altersarmut in Deutschland entwickelt“, zitiert der Stern den Anfragesteller Springer. So einfach kann die Sachlage allerdings nicht dargestellt werden, wie ein genauer Blick auf die Entwicklung der Wohngeld-Bezieherinnen und -Bezieher zeigt.
Mehr Rentner beziehen Wohngeld: Welche Gründe gibt es für die Entwicklung?
Der Anstieg der Rentnerinnen und Rentner, die den Anspruch auf Wohngeld geltend gemacht haben, wirkt auf den ersten Blick zwar erstaunlich, allerdings muss man diesen einordnen. Wenn man sich die absoluten Zahlen ansieht, erkennt man schnell, dass sich auch die Gesamtzahl der Wohngeldempfangenden zwischen 2020 und 2024 deutlich erhöht hat. Am Jahresende 2020 erhielten laut Destatis 618.200 Haushalte Wohngeld. Ende 2024 waren es demnach 1.193.360 Haushalte, an die Wohngeld ausgezahlt wurde.
Der starke Anstieg ist auch auf eine gesetzliche Änderung im Wohngeldrecht zurückzuführen. Zum 1. Januar 2023 trat eine Wohngeldreform in Kraft, die laut dem Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) vor allem zwei Ziele hatte:
- Die Erhöhung der Anzahl von Wohngeldberechtigten.
- Steigerung des durchschnittlichen Wohngeldbetrags.
Laut dem BMWSB sollen durch das Wohngeld-Plus, so heißt die Leistung seit der Reform, „zwei Millionen Haushalte dauerhaft, zielgenau und verlässlich unterstützt“ werden. Bislang liegt die Zahl der Wohngeld-Haushalte zwar lediglich bei 1,2 Millionen, die Reform hat aber zu einem deutlichen Anstieg geführt. Außerdem nehmen Hunderttausende ihren Wohngeld-Anspruch bislang nicht wahr, glaubt die Verbraucherzentrale.
Der Anstieg der Rentnerinnen und Rentner, die Wohngeld erhalten, muss also in die allgemeine Entwicklung eingeordnet werden. Die Zahlen zeigen allerdings, dass beim Wohngeld seit 2020 überdurchschnittlich viele Rentenempfangende hinzugekommen sind. Zudem machen Rentnerinnen und Rentner weit mehr als die Hälfte der Wohngeldempfangenden aus.
Auch interessant: Die Wohngeld-Ausgaben teilen sich der Bund und die Länder.
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