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Dramatische Folge des Pflegenotstands: Abwanderung von Pflegekräften kostet Leben

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Dramatische Folge des Pflegenotstands: Abwanderung von Pflegekräften kostet Leben

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    Fehlen in Krankenhäusern Pflegekräfte, weil sie ins Ausland abwandern, leidet die Gesundheitsversorgung der Patienten messbar.
    Fehlen in Krankenhäusern Pflegekräfte, weil sie ins Ausland abwandern, leidet die Gesundheitsversorgung der Patienten messbar. Foto: Oliver Dietze, dpa (Symbolbild)

    Das deutsche Gesundheitssystem leidet unter einem erheblichen Personalnotstand in der Pflege: Nach Angaben des Statistischen Bundesamts steht eine wachsende Anzahl an pflegebedürftigen Personen in Krankenhäusern und Pflegeheimen einem Rückgang an Pflegekräften gegenüber. So geben laut aktuellen Berechnungen des Deutschen Krankenhausinstituts 72 Prozent der Kliniken an, offene Pflegestellen auf Allgemeinstationen nicht besetzen zu können.

    Die Ursachen für den Fachkräftemangel in der Pflege sind vielfältig. Ein Grund: Deutsche Pflegekräfte wandern ins Ausland ab, weil dort höhere Löhne gezahlt oder bessere Arbeitsbedingungen geboten werden. Welche fatalen Konsequenzen diese Abwanderung für Patienten in deutschen Krankenhäusern hat, zeigt nun eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und des ifo Instituts auf.

    Neue Studie zu Folgen des Pflegenotstands: Worum geht es?

    Die Studie nimmt speziell deutsche Krankenhäuser nahe der Grenze zur Schweiz in den Blick, da dort aufgrund von Wechselkursschwankungen hohe Fluktuationen im Personalbestand üblich sind. So wanderten beispielsweise im Jahr 2011 infolge einer Aufwertung des Schweizer Frankens und der Einführung eines Mindestwechselkurses innerhalb kurzer Zeit zwölf Prozent des Pflegepersonals aus deutschen Krankenhäusern im Grenzgebiet in die Schweiz ab. Daher lassen sich laut der Studie in diesen Kliniken die Auswirkungen des Pflegefachkräftemangels auf die Sterblichkeit und Lebenserwartung von Patienten besonders gut erforschen.

    Untersucht wurden alle stationären Krankenhausfälle zwischen 2006 und 2017 in 277 nahe der Schweizer Grenze gelegenen Krankenhäusern. Als Datengrundlage dienten administrative und regionale Datensätze, unter anderem der statistischen Bundesämter Deutschlands und der Schweiz, der Schweizer Grenzgänger-Statistik und der deutschen Krankenhausstatistik.

    Wie wirkt sich das Fehlen von Pflegekräften auf die Gesundheit von Patienten aus?

    Aufgrund des starken Pflegepersonalrückgangs ab 2011 standen in den untersuchten Krankenhäusern weniger Pflegekräfte für eine gleichbleibende Anzahl an stationären Patienten zur Verfügung. Die Arbeitsbelastung für das Personal stieg in der Folge an, während die Pflegeintensität pro Patient um etwa zehn Prozent abnahm. Zudem wurden in den betroffenen Kliniken weniger Operationen durchgeführt. Besonders hoch war dieser Rückgang bei planbaren und weniger zeitkritischen Eingriffen, doch auch dringende OPs wurden seltener durchgeführt. Im Schnitt verringerte sich die Wahrscheinlichkeit einer chirurgischen Behandlung für Patienten um circa fünf Prozent.

    Die Abwanderung von Pflegekräften wirkte sich dementsprechend auch auf die Gesundheit der Patienten aus. In den betroffenen Kliniken nahm die Sterblichkeitsrate signifikant zu – die Wahrscheinlichkeit, im Krankenhaus zu versterben, stieg durchschnittlich um knapp fünf Prozent. Insbesondere bei älteren Patienten und medizinischen Notfällen schlug sich der Pflegeengpass deutlich in den Zahlen nieder. Bei Herzinfarktpatienten erhöhte sich die Sterbewahrscheinlichkeit sogar um rund 18 Prozent.

    Diese Negativentwicklung spiegelte sich auch in der allgemeinen Lebenserwartung der untersuchten Grenzregionen wider: Im Vergleich zu ähnlichen Kreisen im Landesinneren ging diese um 0,3 statistische Lebensjahre – also circa zehn Tage – zurück. Im deutschen Bundesdurchschnitt nahm die Lebenserwartung im Untersuchungszeitraum ab 2011 um 0,3 bis 0,5 Prozentpunkte zu, während sie in den betroffenen Grenzregionen zur Schweiz hingegen stagnierte.

    Wie Studienautor Oliver Schlenker in einem Bericht des ifo Instituts zusammenfasst, verdeutlichen diese Ergebnisse, wie bedeutend die Arbeit von Pflegefachkräften für die Gesundheit der Bevölkerung ist, und wie sehr diese tatsächlich unter dem Personalmangel in der Branche leidet. Dabei sind vulnerable Patientengruppen wie ältere Menschen und Notfallpatienten besonders stark betroffen.

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