Die finanzielle Belastung durch staatliche Rentensysteme ist in vielen westlichen Ländern hoch: Einem OECD-Bericht zufolge wenden etwa Griechenland und Italien mit rund 16 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) den größten Anteil des Nationaleinkommens für staatliche Renten auf. Österreich, Frankreich und Portugal folgen mit 13 bis 14 Prozent ihres BIP. In Deutschland sind es knapp zwölf Prozent des BIP.
Zudem wird der Alterungsprozess der Bevölkerung zukünftig weiter voranschreiten: Die Anzahl älterer Menschen steigt, während die Zahl der jüngeren, erwerbsfähigen Menschen sinkt. Dies stellt ein Problem dar, da in den meisten EU-Ländern die staatlichen Renten nach dem Umlageverfahren finanziert werden, wie Euronews informiert. Das bedeutet, dass die heutigen Arbeitnehmer die Renten der aktuellen Rentner finanzieren. In mehreren Mitgliedstaaten haben Bürgerinnen und Bürger daher nicht die Sicherheit, künftig eine Rente zu erhalten, die ihren Lebensunterhalt deckt.
In der Bevölkerung einiger europäischer Länder wächst die Sorge über die Zukunft der staatlichen Rentensysteme. Eine neue Umfrage in sechs Ländern zeigt, dass die Mehrheit der Befragten die Systeme als gegenwärtig oder künftig unerschwinglich ansieht. Viele empfinden ihre Rentenzahlungen als zu niedrig, lehnen aber gleichzeitig Reformvorschläge zur Sicherung der Systeme ab.
Rente: Wie pessimistisch blicken Europäer auf die Zukunft ihrer Rentensysteme?
Das internationale Marktforschungsunternehmen YouGov hat im November und Dezember 2025 eine Umfrage unter sechs europäischen Staaten sowie den USA durchgeführt. Die Ergebnisse der Vereinigten Staaten von Amerika werden im Folgenden nicht weiter betrachtet. Zu den Stichproben gehörten jeweils rund 1000 bis 2000 Erwachsene aus den folgenden europäischen Ländern:
- Deutschland
- Großbritannien
- Frankreich
- Spanien
- Italien
- Polen
Offenbar erkennen viele Bürgerinnen und Bürger Europas die finanziellen Probleme, mit denen die Rentensysteme konfrontiert sind.
- In Frankreich, Deutschland, Spanien und Italien glaubt die Mehrheit der Befragten, dass das staatliche Rentensystem ihres Landes bereits zum jetzigen Zeitpunkt unbezahlbar ist. In Polen liegt dieser Anteil bei 45 Prozent und in Großbritannien bei lediglich 32 Prozent.
- In Bezug auf die zukünftigen Kosten des Rentensystems, wenn heute 30- und 40-Jährige in den Ruhestand gehen, steigt der Anteil derjenigen, die das System dann für unbezahlbar halten, in allen Ländern auf knapp oder mehr als die Hälfte (zwischen 49 und 66 Prozent).
- Befragte, die aktuell schon in Rente sind, sind insgesamt optimistischer bezüglich der Fähigkeit ihres Landes, das staatliche Rentensystem zu finanzieren. Besonders britische Rentner heben sich ab, da 62 Prozent von ihnen glauben, dass die britische staatliche Rente bezahlbar ist, im Vergleich zu 27 Prozent bei den Nicht-Rentnern.
Gleichzeitig herrscht bei der Mehrheit der Befragten (zwischen 53 und 83 Prozent) in jedem Land die Meinung vor, dass die staatlichen Renten zu niedrig ausfallen. Insbesondere aktuelle Rentnerinnen und Rentner empfinden so (72 bis 88 Prozent). Folglich ist es laut YouGov vielleicht kein Wunder, dass die meisten Europäer, die noch nicht im Ruhestand sind, wenig Vertrauen darin haben, nach dem Ausscheiden aus dem Arbeitsmarkt komfortabel leben zu können. Der Anteil reicht von rund 57 Prozent in Deutschland und Großbritannien bis zu 72 Prozent in Italien.
Lösungsansätze für Rentensysteme in Europa: Wenig Bereitschaft zu Reformen
Trotz der Anerkennung der Herausforderungen, vor denen die staatlichen Rentensysteme stehen, gibt es nur begrenzte Unterstützung für Maßnahmen, die zur Behebung des Problems beitragen könnten. In allen befragten Ländern gibt es eine mehrheitliche Ablehnung gegenüber folgenden Vorschlägen:
- Erhöhung des Rentenalters,
- Steuererhöhung für erwerbstätige Menschen,
- Einführung einer gesetzlichen Verpflichtung für erwerbstätige Kinder, ihre rentenberechtigten Eltern finanziell zu unterstützen,
- Kürzung der Mittel für Dienstleistungen für ältere Menschen sowie
- eine Kürzung der staatlichen Rentenzahlungen.
Die beiden beliebtesten Vorschläge sind hingegen:
- die Einführung einer gesetzlichen Verpflichtung für Erwerbstätige, zusätzlich in eine private oder betriebliche Altersvorsorge oder ein Sparkonto einzuzahlen, sowie
- die Förderung von Maßnahmen, die älteren Arbeitnehmern ermöglichen, länger im Beruf zu bleiben, anstatt in den Ruhestand zu gehen.
In Deutschland ist eine solche Maßnahme zum 1. Januar 2026 in Kraft getreten: Mit der sogenannten Aktivrente werden Personen belohnt, die das gesetzliche Rentenalter erreichen und freiwillig weiterarbeiten. Sie können bis zu 2000 Euro im Monat steuerfrei hinzuverdienen. So soll laut der Webseite der Bundesregierung dem Arbeitskräftemangel und den demografischen Herausforderungen begegnet werden.
Vergleicht man insgesamt die Antworten von Rentnern und Nicht-Rentnern in Europa, spiegeln sie laut der YouGov-Auswertung typische Eigeninteressen wider: Rentner lehnen tendenziell Kürzungen der Rentenzahlungen oder der staatlichen Leistungen für ältere Menschen ab. Nicht-Rentner sind mehrheitlich gegen die Erhöhung des Rentenalters, Steuererhöhungen für Erwerbstätige oder Kürzungen von staatlichen Leistungen für Arbeitskräfte.
Rentenpaket und Renten-Reform: Was wurde in Deutschland schon geändert und welche Pläne gibt es noch?
Bundestag und Bundesrat haben im vergangenen Jahr das sogenannte Rentenpaket 2025 verabschiedet, informiert die Bundesregierung. Dieses ist Teil eines ersten Gesamtpakets einer Renten-Reform und ist zum 1. Januar 2026 in Kraft getreten. Zu den Maßnahmen gehören:
- Die Verlängerung der Haltelinie für das Rentenniveau: Das Rentenniveau wird bis 2031 bei 48 Prozent stabilisiert.
- Die sogenannte Vollendung der Mütterrente: Für vor 1992 geborene Kinder werden ebenfalls drei Jahre Kindererziehungszeit angerechnet – wie es zuvor bereits für später geborene Kinder üblich war.
- Die Aufhebung des Anschlussverbots: Menschen, die die Regelaltersgrenze erreicht haben und freiwillig weiterarbeiten wollen, können jetzt leichter zum bisherigen Arbeitgeber zurückkehren. Dies ist eine arbeitsmarktrechtliche Grundlage für die Aktivrente.
Weitere Bestandteile sind laut Bundesregierung das Zweite Betriebsrentenstärkungsgesetz und die Aktivrente. Zudem hat das Bundeskabinett eine grundlegende Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge sowie Eckpunkte für eine Frühstart-Rente beschlossen. Im Dezember 2025 stimmte das Bundeskabinett außerdem der Einsetzung einer Rentenkommission zu, die bis Mitte 2026 Vorschläge für Reformen der Alterssicherung vorlegen soll.
Übrigens: Die Europäische Union (EU) plant, bei der Gestaltung nationaler Rentensysteme künftig direkt mitzuwirken – und härter durchzugreifen, wenn Länder ihre Renten nicht reformieren. Für Deutschland könnten dadurch drastische finanzielle Folgen drohen, da Länder bei zögerlichen Umsetzungen weniger Geld aus dem EU-Haushalt erhalten.
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