Die Rente ist seit Jahren ein politisches Dauerthema in Deutschland. Kontrovers diskutiert werden sowohl das Rentenniveau als auch ein mögliches späteres Renteneintrittsalter. Bei jungen Menschen wächst zudem die Sorge vor einer zunehmenden finanziellen Belastung durch steigende Beiträge. Doch jenseits dieser Debatten stellt sich eine zentrale Frage: Wie ist die tatsächliche Einkommenssituation von Seniorinnen und Senioren in Deutschland?
Einkommenssituation von Rentnern: im Durchschnitt gut
Wer herausfinden möchte, wie es um die Einkommenssituation von Rentnerinnen und Rentnern in Deutschland steht, kann einen Blick in den aktuellen Alterssicherungsbericht der Bundesregierung werfen. Der Bericht erscheint alle vier Jahre und gibt, vereinfacht gesagt, einen genauen Überblick darüber, wie es um die finanzielle Absicherung von Seniorinnen und Senioren steht. Die letzte Ausgabe stammt aus dem Jahr 2024 und zieht ein durchaus positives Fazit: „Insgesamt ist die heutige Rentnergeneration überwiegend gut abgesichert.“
In Zahlen:
- Das durchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen von älteren Paaren liegt bei 3759 Euro pro Monat,
- bei alleinstehenden Männern sind es 2213 Euro,
- und bei alleinstehenden Frauen 1858 Euro.
Damit zeigt sich trotz der hohen Inflation ein realer Einkommenszuwachs. Gründe dafür sind laut dem Bericht unter anderem:
- hohe Rentenanpassungen
- höhere eigene Alterssicherungsleistungen von Frauen
- Erwerbseinkommen im Alter
Übrigens: Die Regierung hat beschlossen, dass die Doppelbesteuerung der Rente vermieden werden soll.
Private und betriebliche Vorsorge: Mehr als die Hälfte der Rentner bezieht zusätzliches Einkommen
Über 50 Prozent der Seniorinnen und Senioren haben laut dem Bericht zusätzliche Einkommen aus der betrieblichen und privaten Vorsorge, etwa in Form von Lebensversicherungen.
Darüber hinaus beziehen rund 22 Prozent der Paare und 14 Prozent der Alleinstehenden Zinseinkünfte. Allerdings sind diese Einkünfte oft niedrig:
- Die Zinseinkünfte von Paaren betragen 280 Euro pro Monat in den alten Bundesländern und 134 Euro in den neuen.
- Bei Alleinstehenden sind es 231 Euro in den alten Ländern und 119 Euro in den neuen.
Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung beziehen 19 Prozent der Paare ab 65 Jahren sowie 10 Prozent der Alleinstehenden. Die erzielten Beträge aus diesen Einkünften liegen deutlich über den jeweiligen Zinseinnahmen. Im bundesweiten Durchschnitt belaufen sich die monatlichen Einnahmen bei Paaren auf 1030 Euro und bei Alleinstehenden auf 794 Euro.
Ein Vergleich zwischen alten und neuen Bundesländern zeigt höhere Beträge in den westdeutschen Ländern mit 1082 Euro für Paare und 849 Euro für Alleinstehende, während sie in den ostdeutschen Ländern mit 561 Euro beziehungsweise 349 Euro deutlich niedriger ausfallen.
Gut abgesichert trotz niedriger Rente
Besonders interessant: Laut dem Bericht sind viele Menschen mit einer niedrigen gesetzlichen Rente im Alter trotzdem gut abgesichert. Denn: Geringe Renten werden in der Regel durch zusätzliche Einkünfte oder durch das Einkommen der Partnerin beziehungsweise des Partners ausgleichen. So verfügen Paare mit einer gesetzlichen Rente unter 500 Euro über ein überdurchschnittliches Bruttoeinkommen von 5310 Euro. Oder einfach gesagt: Die meisten Menschen mit einer sehr niedrigen gesetzlichen Rente haben anderweitig vorgesorgt.
Schon gewusst? Die Aktivrente ist Teil der Rentenreform von Union und SPD und gilt offiziell seit dem 1. Januar 2026.
Arbeiten trotz Rente: Erwerbstätigkeit unter Älteren nimmt zu
Auch das geht aus dem Bericht hervor: Immer mehr Menschen arbeiten im Alter. Aktuell beziehen insgesamt 13 Prozent der über 65-Jährigen ein Erwerbseinkommen. Bei den Männern ist der Anteil mit 17 Prozent höher als bei den Frauen mit elf Prozent. Der Großteil der Erwerbstätigen findet sich laut dem Bericht in der Altersgruppe der 65- bis 69-Jährigen. Deren Erwerbstätigenquote hat sich von rund fünf Prozent im Jahr 2000 auf etwa 21 Prozent im Jahr 2023 mehr als vervierfacht.
Aus einem ersten Reflex heraus könnte man meinen, dass die Seniorinnen und Senioren damit ihre Rente aufbessern wollen. Doch das ist nicht so. Die Hauptgründe für die Erwerbstätigkeit sind dem Bericht zufolge Spaß an der Arbeit und soziale Aspekte.
Allerdings sollte man bei all den Zahlen und Daten eine Sache beachten: Es handelt sich hierbei um Durchschnittswerte, die wenig über die individuelle Situation von Menschen aussagen. Tatsächlich hat die Altersarmut in Deutschland sogar einen neuen Höchststand erreicht. Für immer mehr ältere Menschen reicht die Rente nicht aus, um den Lebensunterhalt zu sichern.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren