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Rente als „Basisabsicherung“: Braucht Deutschland die 401k-Altersvorsorge aus den USA?

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Rente als „Basisabsicherung“: Braucht Deutschland die 401k-Altersvorsorge aus den USA?

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    In den Diskussionen um die deutsche Rente wird häufig auch das 401(k)-System aus den USA erwähnt. Was hat es damit auf sich und wäre das Modell auch etwas für Deutschland?
    In den Diskussionen um die deutsche Rente wird häufig auch das 401(k)-System aus den USA erwähnt. Was hat es damit auf sich und wäre das Modell auch etwas für Deutschland? Foto: pressmaster, stock.adobe.com (Symbolbild)

    Die Debatte um die Zukunft der Rente in Deutschland gewinnt an Schärfe. Bundeskanzler Friedrich Merz hat jüngst davon gesprochen, die gesetzliche Rente entwickele sich perspektivisch zu einer „Basisabsicherung“. Damit rückt eine Frage stärker in den Mittelpunkt: Wie soll die Altersvorsorge künftig organisiert sein? In politischen und wirtschaftlichen Diskussionen wird dabei immer häufiger das US-amerikanische 401(k)-Modell als möglicher Orientierungspunkt genannt. Doch wie tragfähig ist dieser Vergleich – und würde ein solcher Systemwechsel die Probleme tatsächlich lösen?

    Rente: Was ist die 401(k)-Altersvorsorge – und wie funktioniert sie konkret?

    Die 401(k) ist in den USA ein arbeitgebergestütztes Altersvorsorgekonto, in das Beschäftigte einen Teil ihres Gehalts einzahlen können. Diese Beiträge werden direkt vom Gehalt abgezogen und in ein Investmentkonto überführt, schreibt die U.S. Bank auf ihrer Website.

    Kernmechanismen der 401(k) sind:

    • Beschäftigte entscheiden, wie viel sie vom Gehalt einzahlen
    • Das Geld wird in Kapitalmarktprodukte wie Fonds investiert
    • Beiträge können steuerlich begünstigt sein, etwa durch Steuerstundung
    • Arbeitgeber können zusätzliche Beiträge leisten („Matching“)

    Das Investment Company Institute (ICI) fasst zusammen, dass es sich um ein System handelt, bei dem ein Teil des Lohns in ein individuelles Konto umgeleitet wird, das dem Beschäftigten gehört. Die spätere Rente hängt damit direkt von der Höhe der Einzahlungen und der Entwicklung der Kapitalmärkte ab. Typisch ist außerdem die steuerliche Logik: Beiträge werden häufig vor Steuern eingezahlt und erst im Ruhestand versteuert, während Kapitalerträge während der Ansparphase steuerlich begünstigt sind.

    Die 401(k) ist heute eines der zentralen Elemente der privaten Altersvorsorge in den USA. Sie gilt als das am weitesten verbreitete arbeitgeberfinanzierte Vorsorgemodell im privaten Sektor und hat sich seit den 1980er-Jahren stark ausgebreitet. Laut Angaben des ICI werden Milliardenvermögen in diesen Plänen verwaltet, und sie stellen einen wesentlichen Bestandteil des gesamten US-Rentenmarktes dar.

    Ist die 401(k) mit dem deutschen System vergleichbar?

    Der Verweis auf die US-amerikanische 401(k)-Vorsorge dient in der Debatte in Deutschland oft als Argument für einen Systemwechsel. Doch wie tragfähig ist dieser Vergleich tatsächlich? Nach Einschätzung des Ökonomen Axel Börsch-Supan, Leiter des Munich Research Institute for the Economics of Aging (MEA), greift er zu kurz. „Das ignoriert die derzeit immerhin bei über 50 Prozent der Beschäftigten verbreitete deutsche Betriebsrente. 401k ist am ehesten mit dem Durchführungsweg einer Direktversicherung zu vergleichen“, ordnet er auf Anfrage unserer Redaktion ein.

    Damit verschiebt sich der Blick: Die 401(k) ist weniger ein komplett neues Modell als vielmehr ein Pendant zu bereits existierenden kapitalgedeckten Elementen im deutschen System. Der Unterschied liegt vor allem im Gewicht dieser Säule – während sie in den USA zentral ist, bleibt sie in Deutschland eher eine Ergänzung zum Umlageverfahren.

    Welche Vorteile sehen Befürworter eines kapitalgedeckten Systems?

    Gerade an diesem Punkt setzen Befürworter einer stärkeren Kapitaldeckung an. Sie argumentieren, dass das bestehende Umlagesystem durch den demografischen Wandel zunehmend unter Druck gerät. Das Deutsche Aktieninstitut sieht deshalb deutliche Vorteile in kapitalmarktbasierten Lösungen. Norbert Kuhn, Leiter des Think Tanks des Deutschen Aktieninstituts, formuliert es auf Anfrage unserer Redaktion so: „Wer langfristig, breit diversifiziert und kontinuierlich anlegt, kann jährliche Erträge von sechs bis neun Prozent erwirtschaften. […] Eine Kapitaldeckung mit Aktien ist der Ausweg aus dem Demografieproblem.“ Die Argumentationslinie ist hierbei klar: Während das Umlagesystem von der Bevölkerungsstruktur abhängt, soll die Kapitaldeckung über Renditen an den Finanzmärkten zusätzliche Stabilität schaffen.

    Allerdings zeigen Studien, dass die Vorteile der 401(k)-Systeme in den USA ungleich verteilt sind. So profitieren vor allem Beschäftigte mit höheren Einkommen, da sie stärker am System teilnehmen und aufgrund der steuerlichen Förderung größere Anreize haben, Beiträge zu leisten. Schätzungen zufolge entfällt ein Großteil der steuerlichen Vorteile auf die oberen Einkommensgruppen.

    Gleichzeitig beteiligen sich Geringverdienende deutlich seltener oder können nur geringe Beträge sparen, da kurzfristiger Konsumbedarf oft Vorrang hat. Vor diesem Hintergrund kann die stärkere Ausrichtung auf kapitalgedeckte Vorsorge bestehende Ungleichheiten eher verstärken. Dies fügt sich in eine breitere Entwicklung in den USA ein, in der die Einkommensungleichheit seit Jahrzehnten tendenziell zunimmt und trotz staatlicher Umverteilung hoch bleibt, wie der Wirtschaftsdienst in einem Beitrag schreibt.

    Welche Voraussetzungen bräuchte ein 401(k)-Modell in Deutschland?

    Zudem zeigt sich, dass ein Umbau des deutschen Systems nicht ohne tiefgreifende Änderungen möglich wäre. Kuhn nennt mehrere Voraussetzungen, die eng miteinander zusammenhängen. Zentral sei dabei die Abkehr von klassischen Garantien. „Die Zusage, dass beispielsweise mindestens die eingezahlten Beiträge […] wieder ausgezahlt werden, ist unnötig“, sagt Kuhn. Der Grund: Solche Garantien müssten über sichere, aber renditeschwache Anlagen finanziert werden und würden damit die Ertragschancen deutlich senken. Hinzu kommen strukturelle Anforderungen: Produkte müssten einfacher und verständlicher werden, um breite Bevölkerungsschichten zu erreichen. Gleichzeitig wäre eine stärkere staatliche Förderung notwendig, um Anreize für die private Vorsorge zu schaffen.

    Ganz neu wäre dieser Weg allerdings nicht. Tatsächlich lassen sich in Deutschland bereits erste Annäherungen an kapitalgedeckte Modelle erkennen. So soll ab 2027 ein Altersvorsorgedepot eingeführt werden, das die Riester-Rente ablöst. Nach Einschätzung des Deutschen Aktieninstituts weist es Parallelen zu US-Systemen wie den Individual Retirement Accounts (IRA) auf. Auch dort werden individuelle Vorsorgekonten genutzt, in die Kapitalmarktanlagen fließen.

    Welche Alternativen fordern Sozialverbände zur Stabilisierung der Rente?

    Während wirtschaftsnahe Akteure also auf mehr Kapitaldeckung setzen, verfolgt der Sozialverband VdK Deutschland einen anderen Ansatz – und stellt die Systemfrage gar nicht erst in den Mittelpunkt. Stattdessen plädiert der Verband für eine Stabilisierung und Ausweitung der gesetzlichen Rente. Dazu gehören unter anderem die Einbeziehung weiterer Berufsgruppen wie Beamte und Selbstständige, eine stärkere Beteiligung von Gutverdienenden sowie eine Finanzierung gesamtgesellschaftlicher Leistungen über Steuern.

    Zugleich verwies der VdK auf Anfrage auf strukturelle Schwächen des Arbeitsmarkts: Ein erheblicher Teil der Menschen erreiche die Regelaltersgrenze nicht gesund oder ginge vorzeitig in Rente. Verbesserte Arbeitsbedingungen, flexiblere Modelle und höhere Erwerbsbeteiligung seien daher zentrale Stellschrauben.

    Würde eine 401(k)-ähnliche Lösung die Probleme wirklich lösen?

    Damit stellt sich die entscheidende Frage: Kann ein stärker kapitalgedecktes System die Probleme tatsächlich lösen – oder greift diese Debatte zu kurz? Auch hier dämpft Axel Börsch-Supan die Erwartungen. Die Ursachen der aktuellen Herausforderungen sieht er weniger im System selbst als in politischen Entscheidungen der vergangenen Jahre: „Die strukturellen Probleme war die Politik der letzten 12 Jahre: Rente mit 63, Haltelinie und Mütterrente.“ Sein Fazit impliziert: Ein Systemwechsel hin zu einem 401(k)-ähnlichen Modell würde diese Probleme nicht automatisch beheben. Vielmehr geht es um die Ausgestaltung der bestehenden Strukturen – unabhängig davon, ob Umlage oder Kapitaldeckung im Vordergrund stehen.

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