Eine zu kurze Nacht hat bei den meisten ähnliche Folgen: Die Konzentration lässt nach und die Reizschwelle sinkt. Man fühlt sich erschöpft, unausgeglichen und körperlich weniger leistungsfähig. Ausreichender Schlaf ist entscheidend für das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit. Dabei spielt vor allem das Gehirn eine wichtige Rolle: In der Nacht laufen dort zentrale Prozesse ab, die uns auf den nächsten Tag vorbereiten. Doch was genau passiert im Gehirn, wenn man schläft?
Schlaf: Warum ist er so wichtig?
Etwa ein Drittel unseres Lebens verbringen wir im Schlaf – darauf weist die Stiftung Gesundheitswissen hin. Und diese Zeit ist alles andere als verloren. Während wir schlafen, laufen im Körper wichtige Prozesse ab, die für unsere Gesundheit unverzichtbar sind. So werden etwa Hormone ausgeschüttet, die das Wachstum unterstützen und die Regeneration von Knochen, Muskeln und inneren Organen fördern.
Wie viel Schlaf ein Erwachsener braucht, ist dabei unterschiedlich. Meist werden sieben bis neun Stunden pro Nacht empfohlen. Manche Menschen sind laut der Stiftung Gesundheitswissen auch schon nach sechs Stunden Schlaf fit, während andere manchmal zehn Stunden benötigen, um sich wirklich ausgeruht zu fühlen. Für Menschen ab 65 Jahren liegt die optimale Schlafdauer in der Regel zwischen fünf und neun Stunden – sie benötigen häufig etwas weniger Schlaf als Jüngere.
„Gehirn räumt auf“: Was passiert im Gehirn beim Schlafen?
Während wir schlafen, ist das Gehirn keineswegs inaktiv – im Gegenteil: Es arbeitet auf Hochtouren. Laut der Stiftung Gesundheitswissen wird im Schlaf nämlich verarbeitet, was wir tagsüber erlebt haben. Eindrücke werden sortiert, bewertet und im Gedächtnis gespeichert. So ist das Gehirn am nächsten Tag wieder aufnahmefähig für neue Informationen. Doch wie genau funktioniert das?
Um am nächsten Tag neue Informationen aufnehmen zu können, fährt das Gehirn über Nacht bestimmte Aktivitäten herunter. Dabei wird, wie das Universitätsklinikum Freiburg in einer Pressemitteilung zu einer Studie beschreibt, die Aktivität der sogenannten Synapsen – also der Verbindungen zwischen Nervenzellen – reduziert. Tagsüber entstehen durch das Lernen und Erleben ständig neue Verknüpfungen, wodurch die synaptische Aktivität ansteigt. Im Schlaf wird diese Aktivität jedoch wieder abgesenkt: Manche Verbindungen werden geschwächt, andere sogar ganz abgebaut. Nur die wichtigsten bleiben bestehen.
Dadurch schafft das Gehirn Platz, spart Energie und verhindert gewissermaßen eine Überladung an Informationen. „Das Gehirn räumt also im Schlaf auf“, sagt der Studienleiter und ärztliche Leiter des Schlaflabors an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg, Dr. Christoph Nissen.
Wie reinigt sich das Gehirn im Schlaf?
Neben dieser Art innerer Ordnung spielt noch ein weiteres System eine zentrale Rolle: das sogenannte glymphatische System. Dieses ist laut dem Portal alzheimer-deutschland.de sozusagen das „Müllentsorgungsprogramm“ des Gehirns. Da unser Denkorgan als Steuerzentrale des Körpers sehr viel Energie verbraucht, entstehen dabei zahlreiche Stoffwechselprodukte. Diese müssen regelmäßig abgebaut werden, um Schäden zu vermeiden.
Hier kommt das glymphatische System ins Spiel. Über ein Netzwerk feiner Kanäle werden Abfallstoffe wie Beta-Amyloid oder Tau-Proteine aus dem Gehirn gespült. Besonders im Tiefschlaf scheint dieses „Reinigungsprogramm“ aktiv zu sein.
Schlafmangel: Wie wirkt sich zu wenig Schlaf auf das Gehirn aus?
Wer dauerhaft zu wenig schläft, bringt zentrale Abläufe im Gehirn aus dem Gleichgewicht. Laut dem Schlafforscher Dr. Christoph Nissen gerät das Gehirn bei Schlafmangel in eine Art „Sättigungszustand“. Normalerweise sorgt der Schlaf dafür, dass die Stärke der synaptischen Verbindungen, die tagsüber zugenommen haben, wieder abgesenkt wird. Ohne ausreichende Erholung bleibt diese Gesamtaktivität jedoch auf einem hohen Niveau. Die Folge: Am nächsten Tag fühlt man sich unkonzentriert, erschöpft und das Lernen fällt deutlich schwerer.
Auch das glymphatische System – also die „Reinigungsfunktion“ des Gehirns – kann durch Schlafmangel beeinträchtigt werden. Arbeitet dieses System nicht effizient genug, etwa durch chronischen Schlafmangel oder im höheren Lebensalter, werden Stoffwechselprodukte weniger effektiv abtransportiert. Das kann nach Angaben der AOK das Risiko für bestimmte Erkrankungen erhöhen, etwa Migräne, Epilepsie oder Schlafstörungen. Zudem könnte es neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer begünstigen. Wer also ausreichend schläft, kann gleichzeitig seine Gehirngesundheit schützen.
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