München gilt gemeinhin als Stadt der schnellen und großen Autos. Geländewagen, die in Wohnvierteln den Gehweg als Parkstreifen nutzen, und stromlinienförmige Flitzer, die hinter dem Siegestor beschleunigen, um am Odeonsplatz mit quietschenden Reifen abzubremsen, gehören zum Stadtbild wie der süße Senf zur Oktoberfest-Weißwurst. Wenn man dem Vergleichsportal „Compare the Market“ glauben mag, sind diese Zeiten vorbei. Das Portal hat München nämlich jüngst zur fußgängerfreundlichsten Stadt ausgezeichnet – weltweit. Das berichtet das Münchner Magazin für Englischsprachige, The Munich Eye.
Um die „Walkability“, also Fußgängerfreundlichkeit festzustellen, hat das Portal rund 53 Städte anhand verschiedener Kriterien unter die Lupe genommen: Gehwege, Sicherheit, öffentlicher Nahverkehr, Infrastruktur. Beeindruckende 86 Prozent der Münchnerinnen und Münchner leben demnach innerhalb einer Meile – also 1,6 Kilometer – zur nächstgelegenen autofreien Zone. Mehr als eine Million Kilometer Radwege ergeben das zweitgrößte Radnetz der Welt, was der Bewertung ebenfalls zugutekam. Bei der Sicherheit der Fußgänger rangiert München auf Platz vier. Auch beim Zugang zu wichtigen Dienstleistungen schnitt die Stadt gut ab: 85 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner wohnen im Umkreis von einem Kilometer von Gesundheits- und Bildungseinrichtungen. Das ist weltweit der zweithöchste Wert. In der Gesamtwertung ließ München die Städte Mailand, Warschau, Helsinki und Paris auf den Plätzen zwei bis fünf hinter sich. Abgeschlagen auf Platz 34 landete New York, obwohl es sich gerne als „Walking City“ präsentiert.
Fußgängerfreundlichkeit: Nehmt euch die Walkability in München zu Herzen!
In München, wo auch das Granteln zum Selbstbild gehört, wird gemunkelt, dass die Walkability eher eine Notwendigkeit darstellt, die den vielen Baustellen in der Stadt geschuldet ist. 80 Stunden verbrachten die Münchnerinnen und Münchner laut dem Navigationssystem-Hersteller TomTom 2024 im Stau. Auch der öffentliche Nahverkehr kostete im Vorjahr baustellenbedingt Geduld. Bleiben am Ende die Füße, um einen zuverlässig von A nach B zu bringen.
So oder so: Wer München zu Fuß entdeckt, tut der eigenen Gesundheit etwas Gutes, lernt neue Ecken der Stadt kennen, schont die Umwelt. Und entschleunigt. Das kann schließlich auch den stromlinienförmigen Flitzern am Siegestor wärmstens empfohlen werden: Nehmt euch die Walkability zu Herzen!
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