Startseite
Icon Pfeil nach unten
Kultur
Icon Pfeil nach unten

So haben die Gladiatoren wirklich gelebt: neue Sonderausstellung in den Ärchäologischen Staatssammlungen

Geschichte

Das Leben als Gladiator versprach Geld, Essen und Unterkunft – und einen sozialen Abstieg

  • |
  • |
  • |
  • |
    Die Ausstellung zeigt anhand von Filmen und Nachbildungen, wie Gladiatoren damals gekämpft haben.
    Die Ausstellung zeigt anhand von Filmen und Nachbildungen, wie Gladiatoren damals gekämpft haben. Foto: Archäologische Staatssammlung, Stefanie Friedrich

    Trompeten ertönen, eine Wasserorgel von der Lautstärke eines heutigen Flugzeugs erschallt und herein schreiten sie: Würdenträger, Tänzer, Elefanten und Helfer mit der Ausrüstung der Gladiatoren – ein wahres Spektakel. Eines, das sich so im alten Rom abgespielt hat, aber nicht nur dort, sondern – wenn auch nicht ganz so groß – bei uns in Bayern. Und eines, über das man mehr in der neuen Sonderausstellung der Archäologischen Staatssammlung in München erfährt, die in Kooperation mit dem Archäologischen Nationalmuseum Neapel entstand: „Gladiatoren – Helden des Kolosseums.“

    Gladiatoren sind meist durch Filme wie „Spartacus“ oder die Gladiator-Reihe bekannt, viel mit der Realität haben diese allerdings nicht gemein. „Das war kein wildes Gemetzel“, erklärt Bernd Steidl von der Archäologischen Staatssammlung. Stattdessen gab es feste Regeln und es kämpfte immer nur ein Paar gleichzeitig. Doch wer wurde überhaupt ein Gladiator? Die meisten von ihnen waren Sklaven, Kriegsgefangene oder Verbrecher – von Freiwilligkeit konnte also kaum die Rede sein. Dazu kamen diejenigen, die sich aus der Not heraus meldeten: Das Leben als Gladiator versprach Geld, Essen, Unterkunft und ärztliche Versorgung. Dafür verlor man allerdings alle bürgerlichen Rechte und stand auf der untersten hierarchischen Stufe. Zudem sahen die Kämpfer nicht viel von den Einnahmen: Das meiste ging an Wettbüros, die Veranstalter und diverse andere Akteure. Die Gladiatoren erhielten nur bei Sieg eine Prämie, wobei diese je nach Freiwilligen und Unfreien unterschiedlich hoch ausfielen.

    Gladiatoren in der archäologischen Staatssammlung: Schwerter und Helme zum Anfassen

    Die Ausstellung veranschaulicht das Leben der Gladiatoren auf vielfältige Weise. So gibt es Filme, die einzelne Kämpfe darstellen oder einen Raum, in dem zu Geräuschen eines vollen Amphitheaters Wandgemälde gezeigt werden, die früher die Gebäude Pompejis schmückten. Eindrucksvoll sind auch die zur Schau gestellten Originalhelme und Teile der Ausrüstung, die in Pompeji gefunden wurden. Obwohl es laut Harald Schulze von der Archäologischen Staatssammlung „fast genau 700 Jahre Gladiatorenspiele gab“, sind heute nur rund 62 Fundstücke der Gladiatorenausrüstung erhalten geblieben.

    Daneben haben Besucher die Möglichkeit, Helme und Schwerter einmal selbst in die Hand zu nehmen, wobei gleich klar wird, dass die Gladiatoren viel Gewicht mit sich schleppen mussten. Um genau zu sein, konnte so manche Ausrüstung bis zu 20 Kilogramm wiegen. Dabei kam es aber darauf an, zu welchem der insgesamt zehn Kämpfertypen der Gladiator gehörte. Zu den Schwergepanzerten zählte beispielsweise der „Murmillo“, leichter unterwegs war etwa der Netzkämpfer, genannt „Retiarius“. In Kämpfen traten oft unterschiedliche Typen gegeneinander an, denn das versprach Spannung. Würde der schwere Murmillo mit seinem Schild gewinnen oder doch der leichtfüßige Retiarius mit seinem Netz, Dreizack und Dolch? Zum Schluss entschied das Publikum, ob der Verlierer überleben durfte, was meist der Fall war, wenn er zuvor gut gekämpft hatte. Zudem wäre es „für die Beteiligten schlicht ökonomisch nicht wertvoll gewesen, wenn immer ein Gladiator gestorben wäre“, ergänzt Schulze.

    Gladiatorenkämpfe: Von fanatischen Fans zu römischen Merchandise-Artikeln

    Wie bei vielen Sportarten gab es strenge Regeln und sogar Schiedsrichter. Dazu kamen die Fans, die regelrecht fanatisch waren und oft in Schlägereien ausbrachen – man mag Parallelen zur heutigen Zeit erkennen. Eine dieser Unruhen artete 59 n. Chr. in Pompeji allerdings so aus, dass es zu Toten kam, was auf einem reproduzierten Wandgemälde in der Archäologischen Staatssammlung zu sehen ist. Daneben kann man in der Ausstellung sogar damalige „Fanartikel“ betrachten: Egal ob Öllampe oder Gewandverschlüsse, damit konnte Geld verdient werden.

    Wo genau fanden die Gladiatorenkämpfe statt? „Es heißt, alle Wegen führen nach Rom. Hier gilt das für ein ganzes Reich“, erklärt Carlotta Caruso, eine der Kuratorinnen der Ausstellung. Durch die römischen Legionen wurden die Gladiatorenspiele im ganzen Imperium bekannt, auch an dessen Rändern. Stellvertretend für die Spektakel steht aber in erster Linie das Kolosseum in Rom, das von Kaiser Vespasian und seinen Söhnen erbaut wurde und für eine neue Nähe zum Volk stand. Dort trafen sich Menschen aller Klassen und nahmen am selben Event teil, wobei die Sitzordnung streng hierarchisch war. Vorne saßen die Senatoren, ganz oben auf unbequemen Holzstühlen der „Pöbel“.

    Gewandschließen wie diese konnten als Fanartikel gekauft werden. Auf dieser hebt der Untergebene die Hand und bittet um Gnade.
    Gewandschließen wie diese konnten als Fanartikel gekauft werden. Auf dieser hebt der Untergebene die Hand und bittet um Gnade. Foto: Archäologische Staatssammlung, Gerhard Schwabe

    Amphitheater für Gladiatorenkämpfe: Auch in Bayern gab es welche

    Ein Modell des Kolosseums findet sich in der Ausstellung, gegenüber der Nachbildung eines weiteren Amphitheaters, das 2003 in Künzing in Niederbayern entdeckt wurde. Dieses war aus Holz und konnte mindestens 500 Personen fassen, was in etwa der dort damals stationierten Militäreinheit entspricht. Daneben wurden auch Arenen aus Stein in Deutschland gefunden, die größten in Trier und in Xanten. Vermutet werden allerdings noch mehr, besonders in großen Römerstädten wie etwa der „Augusta Vindelicum“ – also in Augsburg – oder in der Colonia Claudia Ara Agrippinensium – dem heutigen Köln.

    So groß wie das römische Reich war, kamen die Gladiatoren aus verschiedenen Ländern wie Ägypten, Griechenland oder Spanien. Einige gingen im Rahmen ihrer Schulen auf Tour, was sie natürlich noch mehr entwurzelte. Diejenigen, die nicht reisen mussten oder irgendwann sogar freikamen, konnten dagegen manchmal sogar Familien gründen. Liebschaften hatten sie so oder so, denn Gladiatoren wurden mit ihren muskulösen Körpern verehrt. Getroffen wurde sich abseits der Ausbildungsstätten und manche dieser Affären führten sogar zu Skandalen. Doch Frauen gingen nicht nur Beziehungen zu Gladiatoren ein, in manchen Fällen waren sie selbst die Kämpferin. So heißt es in der Ausstellung, dass verschiedene Autoren von Gladiatorinnen berichteten, die selbst an den Spielen teilnahmen.

    Besucher können das Amphitheater aus Künzing in einer Nachbildung genauer betrachten.
    Besucher können das Amphitheater aus Künzing in einer Nachbildung genauer betrachten. Foto: Archäologische Staatssammlung, Stefanie Friedrich

    Die Ausstellung „Gladiatoren – Helden des Kolosseums“ der Archäologischen Staatssammlung München geht noch bis zum 3. Mai 2026. Zudem gibt es ein Begleitprogramm aus Workshops und Vorträgen, sowie eine Kampfszene mit Reenactment-Spielern am 23. November.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren