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Landkreis Landsberg: Theater auf einem Seegrundstück in Schondorf

Landkreis Landsberg

Theater auf einem Seegrundstück in Schondorf

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    Das Projekt „Immersives Stationen-Theater am Ammersee – Das Meditier“ erhält heuer 20.000 Euro aus dem Kulturfonds. Unser Foto zeigt (von links) Louis Panizza, Gregor Netzer, Elke Jordan, Elisabeth-Marie Leistikow und Luis Lüps.
    Das Projekt „Immersives Stationen-Theater am Ammersee – Das Meditier“ erhält heuer 20.000 Euro aus dem Kulturfonds. Unser Foto zeigt (von links) Louis Panizza, Gregor Netzer, Elke Jordan, Elisabeth-Marie Leistikow und Luis Lüps. Foto: Julian Leitenstorfer

    „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“, sagte schon Karl Valentin. Diese Arbeit bezieht sich aber nicht nur auf den künstlerisch-kreativen Prozess, sondern auch auf die Finanzierung der Projekte. Einer, der sich mit Fördergeldern für Kunstprojekte beschäftigt, ist Gregor Netzer aus Landsberg. Er ist Kunstschaffender und Kunstorganisator, tritt als Schauspieler auf oder Organisator wie bei den Biennale Blau-Ausstellungen in Dießen. Mit dem LT spricht er über ein Stationen-Theater am Ammersee.

    In Landsberg kennt man Netzer durch den 2015 initiierten Kunstautomaten, und überhaupt ist er im Straßenbild eine wohltuende Erscheinung – stets hervorragend gekleidet mit Hut, Anzug, Krawatte und Einstecktuch bringt er Noblesse zwischen all die Jeans, Anoraks und Turnschuhe. Seine Fähigkeit, Fördertöpfe aufzuspüren, sich in die damit verbundenen Formalien reinzufuchsen und an der Bürokratie nicht zu verzweifeln, bringt er in den Kultur und Kunst Förderverein kunstjetzt ein, den er zusammen mit der Künstlerin Elke Jordan auch vertritt. „Fördertöpfe zu finden ist mühevolle Recherchearbeit, aber ich mach’ das gern“, sagt der 56-Jährige. Viele Künstler jedoch hätten ein Marketingproblem und wüssten nicht, wie sie an Fördergelder kommen könnten. Kunstjetzt gibt Tipps, wie man sich und sein Projekt in der Öffentlichkeit vorstellen und eine Finanzierung auf die Beine stellen kann und vernetzt auch Kunstschaffende. Mit Erfolg, wie nun die Mittelvergabe des Bayerischen Kulturfonds über einen Antrag von kunstjetzt für das Projekt „Immersives Stationen-Theater am Ammersee – Das Meditier“ in Höhe von 20.000 Euro zeigt.

    Gregor Netzer (rechts Wolfgang Weiser) ist Initiator des Kunstautomaten in Landsberg.
    Gregor Netzer (rechts Wolfgang Weiser) ist Initiator des Kunstautomaten in Landsberg. Foto: Julian Leitenstorfer (Archivfoto)

    Von den Mitteln profitiert nun das Elle Kollektiv, 2017 am Ammersee gegründet und bestehend aus Elisabeth-Marie Leistikow, Luis Lüps, Louis Panizza und Erwin Kloker. „Das Meditier“ ist der letzte Teil einer Trilogie, die 2017 in den Glashäusern der ehemaligen Gärtnerei Dumbsky in Schondorf mit „Erleuchthund“ begann, sich 2019 mit „Die blondierte Stierin“ mit Spielstationen in Schondorf und Utting fortsetzte und coronabedingt 2020 vorerst im kleinen Format des „Prolog“ endete.

    Dass „Das Meditier“ auf 2021 verschoben werden musste, lag nicht nur an „Corona“, sondern auch an der mangelnden Finanzierung, wie Luis Lüps sagt. „Die Fördergelder, um die sich Elle Kollektiv bemüht hatte, waren schon zugesagt. Da wir aber kein gemeinnütziger Verein sind, sondern eine freie Gruppe, konnten sie nicht an uns ausbezahlt werden.“ Mit der Beantragung über kunstjetzt konnten die Mittel nun fließen, was Lüps sehr freut. „Viele Projekte finden trotz fehlender Mittel statt, sind aber unterfinanziert. Oft sind nur die Sachkosten gedeckt, aber Honorare können sich viele nicht auszahlen“.

    Teil Zwei der Trilogie, "Die blondierte Stierin", war 2019 zu sehen.
    Teil Zwei der Trilogie, "Die blondierte Stierin", war 2019 zu sehen. Foto: Julian Leitenstorfer (Archivfoto)

    Dieser Selbstausbeutung will sich das Elle Kollektiv nicht unterwerfen, sondern auch seine Angestellten angemessen bezahlen. 14 Schauspieler werden dabei sein, geprobt wird ab 21. Juni, die Premiere soll am 5. August stattfinden. Gespielt wird im Freien, als Spielort dient ein privates Seegrundstück in Schondorf. Insgesamt sind neun Vorstellungen an drei Wochenenden geplant. Und wenn es regnet? „Es wird Ausweichtermine geben“, verspricht Lüps. Auch wer die ersten beiden Stücke der Trilogie nicht gesehen hat, wird auf seine Kosten kommen, so Schauspieler Lüps. „Die Stücke funktionieren auch unabhängig voneinander.“ Neben der Wahrheit wird auch das Wasser eine Rolle spielen, denn das Elle Kollektiv sieht darin Gemeinsamkeiten. „Sie sind beide tief, unstet und haben viele Gesichter.“ Durch ein Arbeitsstipendium zum Thema „Wasser und Wahrheit“ konnten die Künstler zwischenzeitlich viele neue Erkenntnisse in Interviews mit Personen aus den Bereichen Theologie, Wirtschaft, Kunst und Wissenschaft gewinnen, die in das neue Stück miteinfließen werden.

    Gregor Netzer wünscht sich mehr Unterstützung

    Auch Gregor Netzer hat die pandemiebedingte Kulturpause für die Vorbereitung neuer Projekte genutzt, so ein Filmprojekt, ein Kunst- sowie ein Bilderbuch. Auch für die Biennale hat er bereits neue Visionen - sie wird in den Braunviehstall nach Achselschwang umziehen. Für die Kunstschaffenden wünscht sich Netzer mehr Unterstützung vor Ort. Dabei geht es ihm weniger ums Geld als ums Know How. So könnten beispielsweise bei Stadt oder Landkreis angestellte Juristen Künstler in der Vorbereitungsphase von Projekten beraten oder auch eine stets aktualisierte Zusammenstellung von Fördertöpfen würde helfen.

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