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Die CSU braucht neue Ideen – und Markus Söder sollte vorerst nicht mehr singen

Kommentar

Warum Markus Söder vorerst nicht mehr singen sollte

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    Ideen für die Zukunft gesucht: Markus Söder, Chef der CSU.
    Ideen für die Zukunft gesucht: Markus Söder, Chef der CSU. Foto: Sven Hoppe, dpa

    Wenn sich Markus Söder trösten will ob seines mauen Ergebnisses bei der Wiederwahl zum CSU-Chef, dann muss er nicht weit schauen. Sein SPD-Partner Lars Klingbeil wurde von den Genossen regelrecht abgewatscht und dem erst im zweiten Wahlgang gewählten Kanzler Friedrich Merz sind wiederholt Abstimmungen im Bundestag zur Zitterpartie geraten. Es darf eigentlich niemanden wundern.

    Andere hat es schlimmer erwischt als Söder

    Die Koalition in Berlin regiert nur mit hauchzarter Mehrheit, da wird schon eine Handvoll Unzufriedener zum Problem. Und auf dem zentralen Feld der Wirtschaftspolitik regieren Glaube, Liebe, Hoffnung. Die nüchternen Fakten indes lassen weitere bittere Monate befürchten. Der Grat, auf dem Union und SPD wandeln, ist schmal, die Last auf ihren Schultern schwer. Es ist nur folgerichtig, wenn sie stolpern und es im eigenen Anhang rumort.

    Söder und seine CSU stehen dabei sogar vergleichsweise gut da. In Bayern ist ihre Vormachtstellung (noch) unangefochten, der Einfluss im Bund ist groß wie lange nicht. In Europa sitzt der Parteivize Manfred Weber als EVP-Chef in einer Schlüsselposition und Ilse Aigner ist sogar als künftige Bundespräsidentin im Gespräch. Das ist ganz schön viel für eine Partei, die nur in einem von 16 Bundesländern zur Wahl steht und deutschlandweit zuletzt auf sechs Prozent der Stimmen kam. Doch die 80 Jahre alte CSU muss feststellen: Die jahrzehntelang verlässliche Basis für diese Erfolge bröckelt.

    Im Stammland Bayern blieb man – mit Ausnahme der Europawahlen – zuletzt deutlich unterhalb der 40 Prozent hängen. Söder und die Seinen haben mit einer grenzwertigen Kampagne vielleicht die Grünen gestutzt, aber gegen die AfD ist ihnen außer markigen Sprüchen nichts eingefallen. Allen internen Streitereien und Skandalen zum Trotz ist die extrem rechte Partei auch im Freistaat weiter auf dem Vormarsch. Das ist sicherlich nicht allein die Schuld der CSU. Aber als mit Abstand stärkste politische Kraft in Bayern kommt ihr in diesem Punkt die größte Verantwortung zu. Am meisten zu verlieren hat sie sowieso.

    Mangelnden Fleiß werfen Parteichef Söder ja nicht einmal seine ärgsten Gegner vor. Unter ihm ist die CSU eine gut geölte Wahlkampf- und Schlagzeilen-Maschine. Söder ist viel unterwegs und ständig auf Sendung. Er reißt Termine ab am laufenden Band, auf Social Media ist er zu seiner eigenen Marke geworden. Söder kocht, Söder isst, Söder singt und so langsam haben auch treue CSU-Fans ein Gefühl des Überdrusses. Spätestens seine Intonation des Wiesn-Hits „Sweet Caroline“ brachte das Fass zum Überlaufen.

    Was Söder Zustimmung gekostet hat

    Der Vorsitzende hat in seiner Parteitagsrede darauf reagiert, auf klamaukige Einlagen verzichtet, die Grünen diesmal ungeschoren gelassen, sich betont seriös gegeben. Söder wollte der Partei in schwierigen Zeiten Orientierung geben und hat dafür im Wesentlichen bekannte Positionen aneinander gereiht. Da war wenig, was in die Zukunft wies, und es war auch dieses Gefühl für die inhaltlichen Leerstellen, das Markus Söder in seiner Partei Zustimmung gekostet hat. Deutschland und Bayern stehen inmitten einer Zeitenwende und man wüsste zu gerne, welche Ideen eine der wichtigsten Parteien des Landes dazu hat. Ein singender Parteichef setzt in dieser Diskussion nicht den richtigen Ton.

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