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Wiedergeltingen: Voll ins Schwarze beim Gauschießen in Wiedergeltingen

Wiedergeltingen

Voll ins Schwarze beim Gauschießen in Wiedergeltingen

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    Elena und Sebastian Kugelmann beim Gauschießen in Wiedergeltingen.
    Elena und Sebastian Kugelmann beim Gauschießen in Wiedergeltingen. Foto: Benedikt Dahlmann

    In der Reihe "Ihr Unterallgäu" stellen Vertreterinnen und Vertreter aus Kultur, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ihr persönliches Unterallgäu vor. Heute geht es weiter mit dem Schützenverein Wiedergeltingen.

    Einatmen, ausatmen, Luft anhalten, zielen und – abdrücken. Mit einer 5,0 ist der erste Schuss meines Lebens sicherlich keine Meisterleistung, aber die fallen ja bekanntlich auch nicht vom Himmel. Immerhin ins Schwarze habe ich getroffen. Der neunte Schuss meiner ersten Serie wird sogar eine 9,7. Besser soll es danach auch nicht mehr werden, doch die grobe Streuung wird nachlassen. Ich bin beim Gauschießen in Wiedergeltingen und lasse mir von Marianne Wiethüchter zeigen, wie man richtig schießt.

    Marianne Wiethüchter ist erste Schützenmeisterin des Schützenvereins 1883 Wiedergeltingen: "Das wichtigste sind Ruhe und volle Konzentration. Dazu kommen ein sicherer Stand und im Bestfall eine gute Ausrüstung." Zur Ausrüstung gehören unter anderem eine Jacke, die den Oberkörper stabilisiert, eine Hose sowie ein Handschuh und Schützenschuhe. Jacke und Handschuh habe ich an. Die erste Serie ist allerdings noch ausbaufähig: Ich schieße eine 43. "Eines habe ich noch vergessen", sagt Wiethüchter, "wenn man die Hüfte vorschiebt und den Ellbogen darauf abstützt, geht es noch leichter." Diesen Unterschied merke ich sofort. Die Schüsse gehen immer zielgenauer in Richtung schwarze Mitte. Die zweite Serie wird immerhin eine 57. Zwei Nuller sind trotzdem noch dabei.

    Benedikt Dahlmann bei seinem ersten Gauschießen in Wiedergeltingen
    Benedikt Dahlmann bei seinem ersten Gauschießen in Wiedergeltingen Foto: Marianne Wiethüchter

    Sebastian Kugelmann ist Deutscher Meister an der Luftpistole

    Einer, der solche Tipps schon lange nicht mehr braucht, ist Sebastian Kugelmann. Er ist Vorsitzender des Schützenvereins 1883 Wiedergeltingen und zugleich amtierender deutscher Meister in der Disziplin mehrschüssige Luftpistole Standard. Sein Geheimnis ist kontinuierliches und intensives Training: "Wenn andere Anfang der Woche ins Training kommen, habe ich häufig schon meine ersten drei Einheiten gemacht." Dazu komme natürlich eine Spur Talent und genügend Kraft im Schussarm. Den hat Kugelmann früher auch mit extra Krafteinheiten trainiert. Mittlerweile ist er davon aber wieder abgerückt, weil damit immer auch die Gefahr von Muskelkater einhergeht, den man an Wettkampftagen natürlich überhaupt nicht gebrauchen kann.

    Ebenso wichtig wie der sportliche Wettkampf ist für Kugelmann das Zusammengehörigkeitsgefühl im Verein. "Das macht es am Ende aus", sagt er, "ohne den tollen Zusammenhalt könnten wir das Gauschießen gar nicht stemmen." Gemeinsam mit der Schützenlust Amberg richtet der Verein das Schießen im Gau Türkheim aus. Erstmals wird dabei nicht auf Papier-, sondern auf elektronische Zielscheiben geschossen. Während die Scheiben früher über eine Seilzuganlage immer wieder eingeholt und ausgefahren werden mussten, können die Schützinnen und Schützen nun viel schneller hintereinander wegschießen. Auch die Messtechnik ist genauer. "Das Niveau ist dadurch deutlich höher als sonst. Mit einem 7-Teiler ist man aktuell nicht einmal unter den besten Zehn", sagt Sebastian Kugelmann. Seine Frau Elena ergänzt: "Grade ältere Schützen waren am Anfang noch etwas skeptisch, aber wenn sie erst mal geschossen haben, taugt es ihnen schon."

    Elena Kugelmann hatte lange mit dem Schießsport nichts am Hut. Erst ihr Mann hat sie dafür begeistert. Seine Wettkämpfe haben ihr immer besonders viel Spaß gemacht: das Mitfiebern und Zittern, das gemeinsame Jubeln nach einem guten Schuss. Und auch das Schießen an sich macht Kugelmann Freude: "Wenn man die ersten Scheiben trifft und schnell besser wird, macht es auch immer mehr Spaß." 

    Noch bis Sonntag kann am Gauschießen in Wiedergeltingen und Amberg teilgenommen werden

    Mir geht es bei meinem ersten Schießen ähnlich. Als gebürtiger Wuppertaler bin ich hier und da auf Mittelaltermärkten mit Pfeil und Bogen oder einer Armbrust in Berührung gekommen, aber nie mit moderner Schusstechnik. Schützenvereine, "das ist bayerische Tradition", sagt Sebastian Kugelmann. Im Rest von Deutschland gibt es häufig Vorurteile dem Schießsport gegenüber. "Das ist auch ein mediales Problem. Wenn zum Beispiel nach einem Amoklauf ein Luftgewehr abgebildet wird, da fasse ich mir an den Kopf", sagt er, "für uns ist das ein Sportgerät wie für andere ein Fußball." Die Zahlen geben ihm recht. Seit 2020 verzeichnet der Schützenverein Wiedergeltingen 25 neue Mitglieder. Beim Gauschießen erwartet der Verein 700 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

    Ein schöner Anreiz beim Gauschießen, gerade für Neulinge, ist die Tatsache, dass potenziell wirklich jede und jeder gewinnen kann. "Am Ende entscheidet ein Duseltreffer", sagt Elena Kugelmann. Das macht auch die Spannung für erfahrene Schützen aus, wenn sie gemeinsam mit Anfängern schießen. Jeder will den perfekten 10er treffen. Allein dadurch entsteht ein Wettkampfdruck, der das Schießen im Vergleich zum Training erschwert. Meistens setzen sich am Ende trotzdem die Favoriten durch. Darauf setzen kann aber niemand. Denn, wie Sebastian Kugelmann sagt, "der perfekte 10er fällt, den schießt man nicht".

    Wer selbst den großen Duseltreffer landen möchte, kann noch bis einschließlich Sonntag, 7. Mai, am Gauschießen in Wiedergeltingen oder Amberg teilnehmen. Als Hauptgewinn wartet das Luftgewehr Walther LG400 Expert im Wert von 3700 Euro. 

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