Noch sind die Tage des ehemaligen Offizierscasinos in Neu-Ulm nicht endgültig gezählt. Zuvor sollen die Bürger gehört werden, und es wird einen Architektenwettbewerb geben. Doch die Zeichen stehen auf Abriss. Wie berichtet, möchte Gastronom Eberhard Riedmüller auf dem früheren Barfüßer-Areal an der Donau einen mehrstöckigen Neubau mit Hotel und Gaststätte errichten. Bis dahin wird noch einige Zeit vergehen. Deshalb berät der Neu-Ulmer Stadtrat nächste Woche über eine mögliche Zwischennutzung des bestehenden Gebäudes. Dabei geht es auch um die Frage, ob und unter welchen Bedingungen ein Teil der Räume in ein Kulturcasino verwandelt werden kann.
Das Nuißlheim in Neu-Ulm ist zum Teil marode
Der Beschlussvorschlag, der nächsten Mittwoch auf dem Tisch liegt: „Der Stadtrat stimmt im Grundsatz zu, das Gebäude bis zu einem Abriss und einer Neubebauung, zunächst aber längstens für ein Jahr mit einer Zwischennutzung zu belegen.“ Die Verwaltung soll die finanziellen, technischen, sicherheits- und haftungsrechtlichen Voraussetzungen für verschiedene Optionen prüfen. Unter anderem will die Stadt in den 18 Hotelzimmern des Barfüßers Obdachlose unterbringen. Der Bedarf ist hoch, da mehrere Gebäude des Nuißlheims in der Leibnitzstraße so marode sind, dass dort niemand mehr wohnen kann. Das führte dazu, dass mehrere Bedürftige bereits auf einer Warteliste stehen, weil die Stadt sie nicht anderswo unterbringen konnte oder vorübergehend in Hotelzimmern einquartieren musste.
Eberhard Riedmüller würde gerne einen Teil der Räume weiter nutzen
Der bisherige Barfüßer-Pächter Eberhard Riedmüller würde gerne den Brauereibereich im Untergeschoss und Teile des Erdgeschosses bis Oktober weiter nutzen. Dazu müsste die Stadt einen neuen befristeten Pachtvertrag mit ihm abschließen. Riedmüller würde die Einrichtung weitgehend in den Räumen belassen, wenn er im Gegenzug Pachtzins- und Nebenkostenforderungen mit dem Wert der Gegenstände verrechnen könnte. Laut Verwaltung gibt der Gastronom den Wert des noch vorhandenen Mobiliars mit etwa 50000 Euro an. Davon entfallen etwa 30000 Euro auf die Gaststätteneinrichtung, der Rest auf das Hotelinventar. Die Stadt muss das allerdings noch im Detail bewerten.
Die Ideen für das Kulturzentrum reichen vom Tanztee bis zum Hafenfest
Eine weitere mögliche Nutzung wäre ein Kulturcasino, das eine Gruppe engagierter Bürger gerne in der ehemaligen Gaststätte eröffnen würde. Dort sollen Begegnung, Kommunikation, Bildung und Kultur von, mit und für Neu-Ulmer im Vordergrund stehen. Ideen für das soziokulturelle Zentrum gibt es viele: von Konzerten und Lesungen über Tanztee und Reparaturcafé bis zum Hafenfest und Business-Speeddating. Knackpunkt ist allerdings das Geld. „Voraussetzung zur Umsetzung des Konzepts ist eine mietkostenfreie Nutzung“, heißt es in dem Papier zum Kulturcasino. Die Stadtverwaltung schreibt aber in der Beschlussvorlage: „Die o. g. Zwischennutzungen sollen nicht unentgeltlich erfolgen.“ Mit den möglichen Nutzern sollen die üblichen Miet- und Pachtentgelte sowie die Übernahme von Neben- und Zusatzkosten verhandelt werden.
Aus der Initiative soll ein Verein für das Kulturcasino in Neu-Ulm werden
Christina Richtmann, FWG-Stadträtin und Mitinitiatorin des Kulturcasinos, glaubt aber, dass sich die Ehrenamtlichen und die Stadtverwaltung bei den Verhandlungen annähern können. „Es ist nicht so, dass alles umsonst sein soll, aber es muss im Rahmen sein“, sagte sie. Vielleicht könne man sich darauf einigen, dass die Initiative das Mobiliar von Eberhard Riedmüller mietet. Wie die Abrechnung der Nebenkosten funktionieren soll, sei noch unklar, da es in dem Gebäude keine Zwischenzähler für Heizung, Warmwasser und Strom gibt. Die Aussage, dass das Kulturcasino seiner Konzeption nach in vielen Bereichen kommerziell tätig wäre, ist aus Sicht von Richtmann „völlig daneben“. Ein gemeinnütziger Verein sei schließlich per se nicht kommerziell. Allerdings muss der Kulturcasino-Verein erst noch gegründet werden. Das soll geschehen, sobald eine klare Zusage für die Umsetzung des Konzepts vorliegt. Die Kulturcasino-Macher würden gerne bereits im März loslegen.
Möglicherweise bleibt das Barfüßer-Gebäude ja bestehen
Was die Zwischennutzung angeht, sind sie jedenfalls zuversichtlich: „Die Beschlussvorlage ist positiv, und wir haben einen Etappensieg erreicht, wenn es denn so kommt“, sagte der Architekt Stephan Keppler. Er geht aber noch einen Schritt weiter und fordert, dass das Barfüßer-Gebäude erhalten bleiben soll: „Wir brauchen solche Identifikationspunkte in der Stadt. Ich bin noch nicht bereit, das aufzugeben.“ Auch Richtmann hält den Zug noch nicht für abgefahren. Möglicherweise entscheide der neue Stadtrat ganz anders, wenn sich das Kulturcasino etabliere. Mitinitiator Benjamin Gasser sagte: „Wenn es dort nicht weiter geführt werden kann, soll es so erfolgreich sein, dass es anderswo funktioniert.“
Lesen Sie auch:
So lief die Debatte um den Barfüßer in Neu-Ulm
Barfüßer in Neu-Ulm: Weg frei für den Abriss
"Barfüßer" in Neu-Ulm: Es gibt eine Alternative zum Abriss
Barfüßer-Areal: Initiative macht der Stadt Druck
Der Wasserturm im Wiley muss stehen bleiben
- So lief die Debatte um den Barfüßer in Neu-Ulm
- Barfüßer in Neu-Ulm: Weg frei für den Abriss
- "Barfüßer" in Neu-Ulm: Es gibt eine Alternative zum Abriss
- Barfüßer-Areal: Initiative macht der Stadt Druck
- Der Wasserturm im Wiley muss stehen bleiben