Senden, die „Einkaufsstadt mit Herz“
Der Bauantrag von Schmid ist genehmigt und noch gültig
Das ist eine gute Nachricht.
Claudia Schäfer-Rudolf, Erste Bürgermeisterin
Vor zwei Jahren schlug es ziemlich große Wellen, als die Firma Schuh Schmid ankündigte, ihren Standort an der Berliner Straße aufgeben zu wollen. Wie es damals aus Kreisen der Stadtverwaltung hieß, sei die 13.000-Quadratmeter-Verkaufsfläche, die nun verlassen werden soll, offenbar betriebswirtschaftlich nicht mehr darstellbar. Jetzt hat offenbar ein Umdenken eingesetzt.
Denn wie Peter Schorr, der Chef des Inhabers des Gebäudes, der „August Inhofer Immobilien GmbH & Co. KG“ auf Nachfrage sagt, könne von einem geplanten Auszug keine Rede mehr sein. „Da wird nicht geräumt, da wird investiert.“ Nachdem die Thematik im September 2023 im Sendener Bauausschuss gewesen war, wurde der Mietvertrag „für mehrere Jahre verlängert“, sagt Peter Schorr. Wie viele Jahre will der Inhofer-Mann nicht verraten. „Wenn das in der Zeitung steht, rufen gleich die Leute an: Da läuft das und das aus.“ Aber es sind mehrere Jahre und es wird in das Gebäude investiert.
Wie im September 2023 im Sendener Bauausschuss bekannt wurde, wollte Schmid das kleinere Geschäft gegenüber, das sich auf Sport fokussiert, komplett abreißen und durch einen Neubau ersetzen. Dieser sollte dann zukünftig mit rund 4800 Quadratmetern etwas größer sein als das bisherige Sportfachgeschäft mit seinen etwa 3000 Quadratmetern. Die Folge wäre gewesen, dass Schmid aus seinem Hauptgeschäft mit 13.000-Quadratmetern ausgezogen wäre.
Für die „Einkaufsstadt mit Herz“, wie sich Senden gerne nennt, wäre das ein schwerer Schlag gewesen. Denn es wäre nicht leicht gewesen, einen Mieter für eine so große Fläche zu bekommen. Das hat sich mit der Verlängerung des Mietvertrags erledigt. Das legt den Verdacht nahe, dass Schmid womöglich die Pläne genutzt hat, um bei Inhofer bessere Konditionen zu bekommen. Vermutlich ist dies gelungen.
Wie Claudia Schäfer-Rudolf, Sendens erste Bürgermeisterin (CSU), auf Nachfrage sagt, wurde die endgültige Genehmigung im Februar 2024 erteilt, sodass die Baugenehmigung für dieses Vorhaben bis 15. Februar 2028 Bestand hat. „Was er in der Zwischenzeit macht, geht uns als Verwaltung nichts an“, sagt die Bürgermeisterin.
„Im Falle einer Realisierung des beantragten Vorhabens beabsichtigt der Bauherr, den bisherigen SCHMID Textilfachmarkt am derzeitigen Standort Berliner Straße 7 mit rd. 13.000 m² Verkaufsfläche komplett aufzugeben“, ist im Bauantrag zu lesen, der einstimmig beschlossen wurde. „Ob auf dieser Fläche durch den Eigentümer eine Neustrukturierung zu erwarten ist, ist nicht bekannt“, heißt es weiter. Nachdem Schmid nun den Mietvertrag verlängert hat, ist möglicherweise der Abriss und Neubau eines Verkaufsgebäudes mit Lager vom Tisch. Eine Neustrukturierung nicht notwendig. Ob dem tatsächlich so ist, bleibt unklar. Eine Anfrage bei Schmid in Augsburg, dem Stammsitz des Modehändlers, der neben Senden 54 weitere Filialen betreibt, blieb zunächst unbeantwortet.
Das ist eine gute Nachricht.
Claudia Schäfer-Rudolf, Erste Bürgermeisterin
Sendens Stadtspitze ist erfreut, dass in Senden gegenüber von Inhofer an der Berliner Straße kein riesiger Leerstand entsteht. „Das ist eine gute Nachricht“, sagt Claudia Schäfer-Rudolf. „Das bedeutet vermutlich schon, dass die Firma Schmid den Standort in der jetzigen Stärke behalten will. Das ist gut für uns.“ Eine Nachnutzung der Immobilie wäre sonst zum Problem geworden. „Ein Kaufhaus in dieser Größenordnung zu beleben, ist eine Herausforderung.“
In Senden an der Berliner Straße hängt ein großes Banner: „Großer Räumungsverkauf wegen Umbau“. Von einer vor Jahren diskutierten Teil-Schließung, und einem Wegzug hat hier am großen Standort niemand etwas mitbekommen, mit dem wir gesprochen haben. Die Sitzung des Bauausschusses in Senden aus dem September 2023 hat freilich niemand mehr im Kopf. Auch nicht der Filialleiter, der nichts dazu sagen will. Eine Schließung sei „Oberquatsch“ und verweist bei Fragen zum Umbau an die Geschäftsführung nach Augsburg.
Ein Einzelhandelsexperte, der seinen Namen nicht veröffentlichen will, sagt, dass Schmid in der Branche bekannt dafür sei, vergleichsweise niedrige Mieten zu zahlen. Mit Blick auf die vielen Filialen in der weiteren Region, etwa Günzburg, Giengen, Heidenheim bis Memmingen, könnte sich der Experte auch eine geplante Konzentration von Filialen in Senden vorstellen. Vielleicht werde auch das Sporthaus in das große Haus geholt. „Das wäre eine logische Schlussfolgerung.“ Senden ist deutlich der größte aller Märkte.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren