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Neuburg/Augsburg

07.05.2020

Reisebüros fordern Unterstützung in der Corona-Krise

Margarete und Thomas Felbier vom Touristikunternehmen Spangler sind nach Augsburg gefahren, um dort an einer Demo auf dem Rathausplatz teilzunehmen. In der Tourismus-Branche arbeiten in Deutschland fast drei Millionen Menschen.
Bild: Schulte

Plus Auch Mitarbeiter eines Neuburger Reisebüros demonstrieren in Augsburg. Sie fürchten um ihre Existenz. Was sie sich von der Politik erhoffen.

Die Demonstration ist ein Akt der Verzweiflung. „Hilfe!“ steht auf dem kleinen blauen Reisebus aus Papier, den Thomas Felbier in der rechten Hand trägt. „Rettet örtliche Reisebüros!“ ist auf dem Banner zu lesen, das er mit seiner anderen Hand festhält. Felbier ist Reiseverkehrskaufmann im Reisebüro und Busunternehmen Spangler, das in Neuburg, Schrobenhausen, Karlskron, Ingolstadt und Pöttmes mit Büros vertreten ist. „Wir brauchen einen sofortigen Rettungsfonds mit Geld, das wir nicht wieder zurückzahlen müssen!“, fordert Felbier. Er sieht durch die Corona-Pandemie seine Existenz bedroht – und die aller Reisebüros. Die Politik müsse dringend handeln, findet er.

Die rund 50 Demonstranten – auf diese Anzahl ist die Veranstaltung wegen der Ansteckungsgefahr begrenzt – auf dem Augsburger Rathausplatz sind an diesem sonnigen Tag nicht die einzigen, die protestieren. In mehreren deutschen Städten wie Dortmund, Bonn, Bremen und Ludwigshafen gehen Vertreter der Reisebranche auf die Straße und fordern finanzielle Hilfen der Politik. Unter ihnen sind zahlreiche Inhaber und Mitarbeiter von Reisebüros. Wegen der Corona-Krise sorgen sie sich um ihre Jobs – wie Thomas Felbier. Wie er erzählt, habe er zwar nach wie vor viel Arbeit, aber die bestehe vor allem aus Krisenmanagement. „Wir sind weiterhin für unsere Kunden da. Die Leute stornieren ihre Reisen und wir müssen alles rückabwickeln.“ Dabei verdient der Reiseverkehrskaufmann aber kein Geld. Hinzu kommt, dass die Provisionen der Reiseveranstalter ausbleiben oder sogar zurückerstattet werden müssen. Davon werden in einem Reisebüro normalerweise Gehälter und Mieten bezahlt.

Trotz Corona: Das Reisebüro Spangler will schnell wieder aktiv werden

Auch die Spangler-Busse stehen derzeit still und bringen kein Geld ins Unternehmen. „Es ist alles abgesagt: Klassenfahrten, Ausflüge von Vereinen...“, klagt Felbier. „Es bringt nichts, wenn die Hotels und Museen aufmachen. Ohne uns kriegen sie keine Gäste.“ Dabei möchten die Menschen durchaus wieder reisen, ist sich Felbier sicher. „Wir hoffen, dass wir bald wieder fahren dürfen. Wir wollen wieder auf die Straße!“

Reisebüros fordern Unterstützung in der Corona-Krise

Andere Inhaber von Reisebüros sehen die Situation ähnlich wie Thomas Felbier. Seit März habe sie keine Einkünfte mehr, sagt zum Beispiel Heike Wehmeyer-Reiner aus Schwabmünchen. „Wir brauchen dringend staatliche Unterstützung!“ Sie befürchtet, dass auch wenn die Reisebüros wieder öffnen dürfen, nicht gleich Geld verdient werden könne, denn: Bis mindestens 14. Juni hat das Auswärtige Amt eine Reisewarnung für alle Länder der Welt ausgesprochen. Wann Menschen wohl wieder so richtig in den Urlaub fahren? „Absehbar ist in unserer Branche gar nichts“, sagt Wehmeyer-Reiner. Diese Krise sei heftiger als die Zeit nach dem 11. September 2001. Die Reisebüroleiterin hat Angst, dass viele ihrer Kollegen ihre Läden dichtmachen müssen.

Applaus und Trillerpfeifen sind Mittwochmittag in Augsburg zu hören. Die Demonstranten tragen Strohhüte und Urlaubsklamotten – doch die Stimmung ist alles andere als entspannt. Sie fordern nicht nur rückzahlungsfreie Finanzhilfen, sondern auch, dass die Regierung das Kurzarbeitergeld rückwirkend erhöht. Die Demo in Augsburg wird für Thomas Felbier wohl nicht die letzte sein. Er will weiter ums Überleben kämpfen. Mitte Mai plant er, mit Kollegen an einer großen Demonstration der Omnibus-Branche in Berlin teilzunehmen.


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