Fritz Appel: Film „Der Bildwerfer“ erinnert an Dorfkino in Rennertshofen
Rennertshofen
Zum 15. Todestag von Fritz Appel: "Der Bildwerfer" kommt wieder ins Kino
Die Dokumentation "Der Bildwerfer" kehrt nach Rennertshofen zurück. Der Film, der 2010 erstmals gezeigt wurde, beleuchtet den legendären Betreiber des Dorfkinos und die Kinokultur vergangener Jahrzehnte.
Fritz Appel in seinem Kassenhäuschen bei der Premiere der Doku "Der Bildwerfer".Foto: Claudia Stegmann
Es war einer der letzten Filme, den Fritz Appel vor seinem Tod in seinem Dorfkino in Rennertshofen zeigen durfte - und er selbst war Hauptprotagonist des Films. „Der Bildwerfer“ heißt die Dokumentation, die am 18. September 2010 Premiere feierte und zu der damals sogar Bernd Eichinger nach Rennertshofen kam. Dieser Film wird am Sonntag, 1. Februar, erneut gezeigt: Anlässlich des 15. Todestages von Fritz Appel am 27. Januar erinnert der Kulturtreff Rennertshofen an den früheren Betreiber des Kinos, das heute ein zweites Leben als Kulturstätte erfährt.
"Der Bildwerfer" ist eine Hommage an das Dorfkino und seinen Betreiber Fritz Appel. "Wir haben nichts beschönigt, nichts umgeräumt oder inszeniert", sagte Filmemacherin Alice Hübner damals über ihr Erstlingswerk. Die gebürtige Rennertshofenerin hatte nichts mit der Filmbranche zu tun, sondern arbeitete als Erzieherin in Hamburg, und zwar bis heute. Doch auch ohne filmische Erfahrung packte die damals 31-Jährige der Ehrgeiz und die Ambition, über den Appel Fritz und sein Kino einen Film zu machen. Mithilfe von Elmar Podlasly, einem befreundeten Kameramann aus Hamburg, hat sie schließlich ein paar freiwillige Idealisten um sich geschart, die von der Idee mindestens genauso begeistert waren wie Alice Hübner selbst. Im Sommer 2009 hat sie sich schließlich mit ihrem kleinen Team ins Auto gesetzt und eine Woche lang in Rennertshofen gedreht.
Bernd Eichinger und Fritz Appel: Begegnung im Rennertshofener Kino
Dabei ist aber nicht nur Betreiber Fritz Appel zu Wort gekommen. Eine Reihe von alteingesessenen Rennertshofenern haben vor der Kamera erzählt, wie es damals war, das Kino vor der eigenen Haustüre zu haben. Neben Friseurmeister Horst Metzker hat auch die Familie Buchhard aus dem Nähkästchen geplaudert. Die Buchhards kennen sich schließlich aus, denn in den 50er/60er-Jahren haben sie damals ein weiteres Kino in Rennertshofen betrieben.
Bernhard Eichinger, seine Frau Katja und Mutter Ingeborg wurden vom damaligen Bürgermeister Ernst Gebert begrüßt.Foto: Claudia Stegmann
Wenn man einen Film über Rennertshofen macht, kommt man nicht an Bernd Eichinger vorbei. Der wohl berühmteste Bürger der Gemeinde hat Alice Hübner damals zu sich nach München eingeladen und ihr nicht nur von seinen Erinnerungen an das "Wohnzimmer" erzählt, in dem er einst selbst gesessen war, sondern auch generell über das Kinosterben gesprochen.
In 43 Minuten zeigt der Film, wie die Rennertshofener ihr Dorfkino anno dazumal erlebt haben. An die 20 Zeitzeugen hat Alice Hübner dafür vor die Kamera geholt. Von der fox tönenden Wochenschau über Knutschereien auf dem Balkon bis zum Sterben der kleinen Kinos erzählen die Protagonisten, welche persönlichen Erinnerungen sie mit dem Appel Fritz und seinem Kino verbinden. Die Doku verschönert und verheimlicht nichts. Weder Fritz Appel noch die "Dorfpunks", acht Rennertshofener Rebellen der 70er- und 80er-Jahre, haben sich für den Auftritt vor der Kamera fesch gemacht. Der Film lebt von seiner Authentizität und ehrlichen Art. Und so erzählt Fritz Appel, dass er sonntagnachmittags Oswald-Kolle-Filme schon ab 16 gezeigt hat - obwohl die Filme erst ab 18 Jahren freigegeben waren. Sein Trick: An den pikanten Stellen hat Appel die Hand vor die Linse gehalten, sodass es zwar Ton, aber kein Bild gab. Eine herbe Enttäuschung für die jungen Kinogäste - zumal Appel selbst zugab: "Da hast wirklich was lernen können!"
Kulturtreff Rennertshofen zeigt "Der Bildwerfer" zum 15. Todestag von Appel
Über 200 Gäste waren damals zur Vorführung gekommen - so viele wie schon lange nicht mehr. Der zu diesem Zeitpunkt 77-jährige Fritz Appel konnte den Ansturm kaum glauben - und noch viel weniger, als plötzlich Bernd Eichinger, seine Frau Katja und Mutter Ingeborg vor ihm standen. Sein Besuch war für ihn „die größte Ehre“, wie er immer wieder sagte. Damals konnten beide nicht ahnen, wie wenig Leben ihnen noch bleiben sollte: Eichinger starb vier Monate später am 24. Januar 2011 an den Folgen eines Herzinfarkts, nur drei Tage später folgte ihm Fritz Appel.
Fritz Appel zusammen mit Alice Hübner, die die Doku "Der Bildwerfer" produziert hat.Foto: Claudia Stegmann
46 Jahre hatte Appel für sein Kino gelebt und zuletzt auch dessen Untergang erleben müssen. Obwohl nach der Bilderwerfer-Vorstellung so mancher Besucher versprach, wieder öfter ins Rennertshofener Cinema zu gehen, blieben die Gäste weiterhin aus und die Sitzreihen leer. Ein "Freundeskreis Kino Rennertshofen" sollte dem Kino finanziell unter die Arme greifen. Doch kurz vor Weihnachten 2010 verließ Appel der Mut und er sperrte das Kino zu. Nur wenige Tage später erlitt er einen Herzinfarkt, von dem er sich nicht mehr erholte.
„Der Bildwerfer“ wird am Sonntag, 1. Februar, um 15 Uhr im Kino des Kulturtreffs Rennertshofen gezeigt. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. Kostenlose Karten können ab sofort online reserviert werden unter www.kulturtreffrennertshofen.de/tickets.
Waren bei der Premiere von "Der Bildwerfer" dabei: Bernd Eichinger, seine Frau Katja und Mutter Ingeborg.Foto: Claudia Stegmann
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