Die Berge sind Helmut Kaumeiers (65) Leidenschaft – und in den Bergen konnte er viel fürs Leben lernen. Viele erklommen mit ihm als Tourenführer ihre höchsten und anspruchsvollsten Gipfel, was sie alleine nicht geschafft hätten. Seit 39 Jahren ist er im Deutschen Alpenverein (DAV), neun Jahre war er Zweiter Vorsitzender, 18 Jahre lang im Beirat, bis 2021. Jetzt lädt er in seine Wohnung in Nördlingen ein, um über Höhen und Tiefen seines Lebens für die Berge zu erzählen.
Zahlreiche Tourenfotos mit bedeutsamen Erlebnissen hängen an der Wand im Flur: Wie er mit seinem besten, bereits verstorbenen Bergkameraden vor dem Gipfelkreuz des Weisshorns (4505 Meter) in den Walliser Alpen steht – ein Berg, den er besonders schön findet. Wer auf einer seiner Hochtouren dabei war, weiß, wie unaufgeregt und souverän er als Tourenführer ist. „Das Wichtigste war für mich immer das gesunde Heimkommen“, erklärt er, „mit allen Gliedmaßen“.
Anderl Heckmairs Rat: „Bua, als Bergsteiger musst du alt werden.“
So musste er 2002 eine Expedition auf den Aconcagua (6959 Meter) wegen der Wetterverhältnisse auf 6200 Meter abbrechen – es war sein höchstes Ziel, das er sich vorgenommen hatte. Seine drei höchsten Gipfel: der Sajama (6542 Meter), der Parinacota (6348 Meter, beide Bolivien) und der Chimborazo (6263 Meter, Ecuador). Er stand auf dem höchsten Berg des geographischen Europa, dem Elbrus (5642 Meter). Helmut Kaumeier ist besonnen. Anders als die draufgängerischen jungen Wilden, die es schon immer gab: „Bua, als Bergsteiger musst du alt werden!“, hat Anderl Heckmair einmal gesagt, der Erstbesteiger der Eiger-Nordwand, den er mit 89 Jahren kennenlernte.
Bei dem Wort „Vorbilder“ zögert Helmut Kaumeier, aber wen er in der Szene sehr schätzt, sind der bodenständige Hans Kammerlander und Gerlinde Kaltenbrunner. Seine eigene Hochzeit beim Bergsteigen lag zwischen 1990 und 2010: Fast jedes Jahr war er da mindestens eine Woche in den Walliser Alpen und unternahm als Tourenführer rund 60 Gipfeltouren auf 4000er. Mit Gehzeiten von 12 Stunden und mehr.
Bergsteiger Helmut Kaumeier ist in Munningen aufgewachsen
Aufgewachsen ist Helmut Kaumeier in Munningen, er stammt aus einer Landwirtschaft. In den Urlaub fuhr die Familie nicht, im Sommer arbeitete man auf dem Feld. Seinen ersten Berg bestieg er mit 25 Jahren, die Reither Spitze bei der Nördlinger Hütte. „Ich habe gemerkt - das wird eine Leidenschaft von mir“, sagt er. 1987 trat er dem DAV bei. Seine erste Hochtour ging auf den Großvenediger. Da ging es etwas chaotisch zu.
Bald hatte er „das Bedürfnis, dass ich selber vorneweggehen kann“. Im Sommer 1991 absolvierte er eine Eis-Ausbildung für Hochtouren. Kurz darauf führte er seine erste Hochtour: auf den Mont Blanc. Aber auch an leidvolle Momente erinnert er sich. So musste er seinem besten Bergkameraden auf einer Berghütte die Nachricht vom Tod seines Sohns überbringen, der in der Heimat verunglückt war. Eine Familienangehörige hatte ihn auf der Hütte angerufen und gebeten, die Nachricht dem Vater persönlich mitzuteilen.
Die gute Zusammenarbeit mit der Sektion Donauwörth ist ihm ein Herzensanliegen
Besonders eng verbunden ist Helmut Kaumeier der Nördlinger Hütte, rund 60 Mal war er dort. Er initiierte den Bau von Leitungen aus dem Tal (Wasser, Abwasser, Gas, Strom, Glasfaser); die Umsetzung managte Bernd Lasser. Auch die Jugendarbeit war ihm ein Anliegen: das Klettern im Cowabanga und die jährliche Wanderung mit Kindern und Jugendlichen zur Nikolausfeier auf die Pleisenhütte. Jahrelang organisierte er die Berggottesdienste auf der Nördlinger Hütte. Auf einer Fahrt dorthin lernte er seine Partnerin Sandra Dollmann kennen.
Zahlreiche Kurse gab er: von Knotenkunde bis zum Grundkurs Eis. Auch die Edelweißabende schätzt er. Ein anderes Herzensanliegen ist ihm die gute Zusammenarbeit mit der Sektion Donauwörth – die alten Landkreis-Rivalitäten wollte er immer überwinden: Im Jahr 2000 gab es die erste gemeinsame Hochtour der beiden Sektionen. Sportlich schon immer breit interessiert, ist in den letzten Jahren das Rennradfahren in den Vordergrund gerückt; gesegelt ist er auch eine Zeit lang.
Beruflich hat Helmut Kaumeier auf dem zweiten Bildungsweg Heizungs- und Klimatechnik studiert und die Weiterbildung zum technischen Betriebswirt absolviert. Er arbeitet als Leiter des Kommunalkundenmanagements bei Energie Schwaben. Seit zwei Jahren engagiert er sich bei der PWG in Nördlingen. „Ich habe im Leben viel Glück gehabt“, sagt er, weshalb er der Gesellschaft etwas zurückgeben möchte: Für das Projekt „1000 Schulen für unsere Welt“ spendete er 50.000 Euro für den Bau einer Schule in Tansania. Wenn er mal dorthin reist, würde er auch gerne auf den Kilimandscharo steigen.
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