Irgendwie erscheint es nur folgerichtig, dass ausgerechnet Dr. Christoph Kern der neue Leiter des Nördlinger Amtsgerichts ist. Denn der Familienvater hat zwei Leidenschaften: den Richterberuf und den Fußball. Beide haben ihn schon in der Vergangenheit ins Ries geführt und bei einer Gegebenheit hat Gerd Müller, Fußball-Weltmeister von 1974, eine nicht unwesentliche Rolle gespielt.
Es ist ein regnerischer Herbsttag, Kern sitzt in seinem neuen Büro im Amtsgericht am Nördlinger Tändelmarkt. Vor ihm arbeitete in der Position des Direktors Helmut Beyschlag, eine Nördlinger Institution, wenn man so will. Beyschlag verabschiedete sich im Februar 2018 in den Ruhestand, auf ihn folgte Dieter Hubel. Kern wiederum kennt beide, weil er zwischen 2016 und 2018 bereits in Nördlingen als Richter arbeitete. Dass es Helmut Beyschlag war, der ihm als einer der Ersten zur neuen Position gratuliert hat, freut Kern ganz besonders. Es seien doch „große und tiefe“ Fußstapfen, in die er nachfolge, sagt der 41-Jährige. Und doch hat er ein klares Ziel vor Augen, was er in dieser neuen Position erreichen will.
Amtsdirektor will Digitalisierung voran bringen
Das Amtsgericht Nördlingen, das für den gesamten Landkreis zuständig ist, soll digitaler werden. Kern zeigt auf eine Akte, die auf einem Beistelltisch seines Schreibtisches liegt. Viele Blätter Papier, aufeinander aufgetürmt und mit Umschlägen zusammengehalten. Das, was auf den Blättern steht, sollen Richter künftig auf einem Bildschirm lesen können. Das Nördlinger Amtsgericht habe bereits mit der Digitalisierung der Akten begonnen, berichtet Kern. Doch der Prozess solle weitergehen. Digitale Akten, so argumentiert der neue Amtsgerichtsdirektor, ermöglichen den Mitarbeitern mehr Flexibilität. Zum anderen seien sie schlicht zeitgemäß. Jungen Leuten brauche man heutzutage keinen Brief mehr zu schreiben, meint Kern, die hätten ganz andere Zugänge.
Kern selbst ist in Aschaffenburg aufgewachsen, seine Frau hat er beim Studium in Würzburg kennengelernt. Danach wollten die beiden eigentlich in eine Großstadt, nach München - geworden sind es Aschaffenburg, Kempten oder Augsburg und schließlich jetzt wieder Nördlingen. Doch der Riesmetropole kann Kern so einiges abgewinnen. Genauso wie seine Familie, mit der er kürzlich in Nördlingen war, mit seinem Sohn sei er die mehr als 300 Stufen des Daniels hochgelaufen: „Ich finde die Stadt sehr schön.“
Christoph Kern: Ansprechpartner für das Amtsgericht Nördlingen
Als Direktor wird Kern zu einem Teil als Richter arbeiten. Schnelle Entscheidungen zu treffen, das habe ihm schon als Jugendlicher, als Schiedsrichter auf dem Fußballplatz, Spaß gemacht. Doch Kern sieht sich auch als Ansprechpartner: „Grundsätzlich halte ich für alles den Kopf hin.“ Es gebe Berührungspunkte mit den Kommunen, beispielsweise, wenn neue Schöffen für das Jugendschöffengericht gesucht werden. Dass der Chef des Amtsgerichts auch mit den Justizvollzugsanstalten - etwa denen in Niederschönenfeld oder Kaisheim - zu tun hat, liegt in der Natur der Sache. Ähnlich sieht es bei der Polizei aus. In Nördlingen ist Andreas Schröter seit Januar dieses Jahres Chef der Polizeiinspektion. Und abseits von Straftaten und Ordnungswidrigkeiten gäbe es da mit Kern sicher noch ein weiteres Gesprächsthema.
So prominent feiert Nördlingen die Enthüllung der Gerd-Müller-Statue
Schröter engagiert sich bekanntlich für die Fußballabteilung des TSV Nördlingen, Kern ist der Präsident des Bayerischen Fußballverbandes. Was aber kein zweiter Job sei, sondern ein Ehrenamt, betont Kern, und deshalb erst nach Feierabend ausgeübt werde. 120 hauptamtliche Beschäftigte habe der Bayerische Fußballverband, dazu kämen 850 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - und nur dank denen laufe alles. Kern ist in dieser Funktion auch Mitglied des Vorstandes des Deutschen Fußballbundes. Was wiederum alles erklärt, warum er im November 2022 in Nördlingen war.
Damals wurde bekanntlich die Gerd Müller-Statue eingeweiht. Und neben Ministerpräsident Markus Söder, Sepp Maier oder Uli Hoeneß war auch Kern mit dabei: „Das war eine tolle Veranstaltung.“ Wo Christoph Kern wohl bei schönem Wetter seine Mittagspausen in Nördlingen verbringt?
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