In knapp drei Monaten soll es so weit sein: Am 15. August will die Stadt Nördlingen feierlich die Statue zu Ehren Gerd Müllers einweihen – jedenfalls wenn alles nach Plan läuft. Doch das könnte sich möglicherweise ändern. Denn eine Initiative stellt sich gegen den künftigen Standort am Berger Tor und will einen Bürgerentscheid herbeiführen.
Seit einigen Wochen ist die Initiative regelmäßig mit einem kleinen Stand auf dem Nördlinger Wochenmarkt vertreten. Auf einem Plakat haben die Initiatoren die Aufschrift "Gerd-Müller-Denkmal in die Nördlinger Altstadt" gedruckt. Einer, der sich für einen neuen Standort starkmacht, ist der Nördlinger Rudolf Backof. Er kritisiert, dass der Standort am Berger Tor nicht gut sei, die Stadt diesen "durchgepeitscht" habe. Backof schlägt den Pausenhof der früheren Volksschule-Mitte vor, wo Gerd Müller zur Schule gegangen sei.
Früh wurde über die Lage der Gerd-Müller-Statue in Nördlingen diskutiert
Als klar wurde, dass die Stadt eine Statue errichten möchte, wurden viele Möglichkeiten diskutiert. Zu Beginn war der Platz am Stänglesbrunnen im Fokus, immerhin steht dort Müllers Geburtshaus, an der Berger Straße liegt das Haus, in dem der Fußballer aufwuchs. Doch schon im November 2021 kritisierte Peter Jackwerth, der Gerd Müller kannte, diesen Vorschlag. Der Vorstandvorsitzende des FC Ingolstadt plädierte für einen zentraleren Ort: den Marktplatz.
Damals entgegnete Oberbürgermeister David Wittner, dass man Gerd Müller nicht nach seinem Tod vermarkten wolle. Es solle ein authentischer Ort gewählt werden, an dem ein Bezug zu Müller da sei.
Ende Januar traf der Bauausschuss schließlich die Entscheidung für das Berger Tor: Dort, wo Gerd Müller täglich mit seinen Freunden Fußball gespielt haben soll. Auch das Gremium war gespalten, mit 9:7 Stimmen fiel die Entscheidung denkbar knapp aus. Jugendfreunde von Gerd Müller waren davon weniger begeistert: Direkt neben der Statue sollen die Lkw vorbei brettern, die nicht durch das Tor fahren können?
Wie könnte es zum Bürgerentscheid in Nördlingen kommen?
Schließlich kam jene Initiative zustande und sammelte Unterschriften. Wie Backof unserer Redaktion per Mail mitteilt, sei nun die notwendige Anzahl an Stimmen zusammengekommen, für ein ausführlicheres Statement stand Backof unserer Redaktion aber zunächst nicht zur Verfügung. Er wolle eine erste Stellungnahme der Stadt abwarten, unsere Redaktion sei ausreichend informiert.
Aber wie sind die Voraussetzungen dafür, dass es zu einem Bürgerentscheid kommt und die Nördlingerinnen und Nördlinger über den künftigen Standort der Statue abstimmen dürfen?
Bevor es dazu kommt, braucht es ein Bürgerbegehren, das bei der Kommune eingereicht werden muss. Die gestellte Frage zu den gesammelten Unterschriften muss mit Ja oder Nein beantwortet werden können. Damit das Bürgerbegehren eingereicht werden kann, ist eine bestimmte Anzahl an Unterschriften nötig, für die Stadt Nördlingen sind es acht Prozent der Wahlberechtigten.
Rund 1400 Unterschriften braucht das Bürgerbegehren in Nördlingen
Die Sprecherin der Stadt, Christina Atalay, schildert, dass Stand Montag 1417 Unterschriften für ein Bürgerbegehren nötig sind. Das Wählerverzeichnis werde aber erst angelegt, sollte es einen Termin für einen möglichen Bürgerentscheid geben, entsprechend seien leichte Schwankungen möglich. Laut Initiator Backof sollen 1600 Unterschriften vorliegen, somit sei selbst ein Anteil an ungültigen Unterschriften berücksichtigt.
Auch die Stadt möchte derzeit keine ausführlichere Stellungnahme abgeben. Wenn das Begehren eingereicht werde, prüfe die Stadt das, so Atalay. Derzeit sei die Haltung klar, der Stadtrat habe sich eingehend damit beschäftigt und abgestimmt. Dieser Beschluss sei für die Verwaltung bindend.
Ob das Bürgerbegehren zulässig ist, entscheidet der Stadtrat nach Einreichen innerhalb eines Monats. Sollte das der Fall sein, muss dann in spätestens drei Monaten an einem Sonntag ein Bürgerentscheid stattfinden. Eine Mehrheit von mindestens 20 Prozent der Stimmberechtigten muss sich für die gestellte Frage aussprechen. Auf Grundlage oben genannter Zahlen bedeutet das: Rund 3540 Stimmen sind nötig, damit es einen neuen Standort gibt. Denn ein Bürgerentscheid hat dieselbe Wirkung wie ein Stadtratsbeschluss.