Bei allem Respekt: Städtebaulich wird Frankfurt am Main sicher keine Perle mehr. „Tatort“-technisch dafür umso mehr. Seit Melika Foroutan und Edin Hasanovic im vergangenen Herbst die im Krimi-Kosmos gerne mal vernachlässigte Abteilung für Altfälle übernahmen, hat der Sonntagabend im Ersten neue Würze bekommen. Die jetzige Episode, diesmal um 20.20 Uhr, ist schon die dritte binnen fünf Monaten für die neu formierten Cold-Case-Schnüffler. Der Titel folgt einem aus ostfriesischen wie skandinavischen Kriminalroman-Reihen bekannten Konzept: Nach „Dunkelheit“, für den es auf Anhieb den Grimme-Preis gab, und „Licht“ kommt nun „Fackel“. Und was soll man sagen: Wieder ist dieser „Tatort“ sehenswert.
Nicht, weil er besonders spektakulär, filigran oder avantgardistisch wäre. Die Autoren Tom Schilling und Sebastian Heeg sowie Regisseur Rick Ostermann haben es schlichtweg geschafft, das zu erzeugen, was vielen „Tatort“-Produktionen heute abgeht: Spannung. Ostermann, das nur am Rande, hat auch schon zwei Ostfriesenkrimis von Erfolgsautor Klaus-Peter Wolf verfilmt. Hinzu kommt, dass sich da mit Maryam Azadi (Foroutan) und Hamza Kulina (Hasanovic) ein tolles Duo gefunden hat; sie kühl und überlegt, er emotional und voller Zweifel.
Je tiefer das „Tatort“-Duo Azadi und Kulina nach der Wahrheit bohrt, umso gefährlicher werden die Ermittlungen
In „Fackel“ trifft Kulina seine verzweifelte Ex-Freundin Almila (Seyneb Saleh) wieder. Sie bittet ihn, in einem fünf Jahre zurückliegenden Fall zu ermitteln, als bei einem Hochhausbrand 13 Menschen starben, darunter ihre Mutter. Almila will Gerechtigkeit, und dafür bleibt kaum Zeit. In wenigen Tagen soll ein Untersuchungsausschuss seinen Abschlussbericht vorlegen. Dabei geht es vor allem um die Frage, ob beim Bau des Gebäudes ein vorschriftswidriger Dämmstoff verwendet wurde – mit Wissen des schmierigen Firmenchefs Steffen Böttcher (Stephan Luca). Kurz nach dem Unglück nahm sich der damalige Materialprüfer das Leben – befand jedenfalls die Kripo. Doch war es in Wirklichkeit Mord?
Je tiefer Azadi und Kulina nach der Wahrheit bohren, umso gefährlicher werden die Ermittlungen für die Polizisten. Sie findet eine Patrone in ihrem Briefkasten, bei seiner Mutter wird ein Päckchen abgegeben, in dem eine Löschdecke liegt. Als die zwei vor dem Durchbruch stehen und nur noch einen Haftbefehl benötigen, wird plötzlich die zuständige Staatsanwältin versetzt. Was den aufgewühlten Kulina folgern lässt, dass „das hier alles eine riesengroße korrupte Scheiße ist“ – die schließlich auf ein verstörendes Ende zusteuert.
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