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Interview
07.01.2022

"Ich bin eine moderne Hexe": Ursula Karven über die Kraft von Ritualen

„Je mehr man seine Intuition schult, umso öfter findet man diese Momente, in denen man Glück fühlt“, sagt Schauspielerin Ursula Karven.
Foto: dpa (Archivbild)

Ursula Karven wurde als Schauspielerin bekannt. Sie widmet sich aber immer mehr dem Yoga und Heiltechniken. Ein Gespräch über Rituale und die Suche nach dem Glück.

Frau Karven, Sie haben gerade eine Operation an den Augen hinter sich. Alles gut überstanden?

Ursula Karven: Ich denke schon. Ich hatte an beiden Augen sogenannte Flügelfelle, die wurden operativ entfernt und durch anderes Hautgewebe ersetzt. Das ist eine Abnutzungserscheinung bei Menschen, die viel in der Sonne gelebt und helle Augen haben. Flügelfelle sind wie eine zweite Haut, die sich durch den ständigen Wimpernschlag bildet und leider auch in die Iris reinwächst. Ich dachte zunächst, das ist kein ernstes Problem. Aber auch so etwas muss man erst einmal wegstecken. Denn am Auge operiert zu werden, ist schon etwas Seltsames. Aber alles ist gut gegangen, es heilt.

Mit dem Thema Heilen kennen Sie sich aus. Und weil Sie es in Ihrem neuen Buch „Göttinnen, Hexenzauber und weiße Magie“ direkt ansprechen, einfach mal ganz offen die Frage: Frau Karven, sind Sie eine moderne Hexe?

Ursula Karven: Ich würde sagen, ja. Nach der Recherche für mein Buch noch mehr als vorher.

Was verstehen Sie unter einer Hexe?

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Ursula Karven: Ich meine nicht irgendwelche okkulten Geschichten, sondern mir geht es um Frauen, die Heiltechniken kennen. Denn Hexen waren ja seit jeher nichts anderes als Heilerinnen. Im Mittelalter waren es Frauen, die sich mit Kräutern auskannten, oder Hebammen. Oder es handelte sich um Frauen, die Dingen wussten, die der Kirche suspekt waren, weil sie den Betreffenden Macht gaben, die die Männer damals nicht dulden wollten. Darum landeten viele von ihnen auf dem Scheiterhaufen. So ging vieles von ihrem Wissen verloren, vieles wurde aber auch weitergetragen, auch an Ritualen, die seit dem Mittelalter praktiziert werden. Da sind wirklich schöne Rituale dabei, die ich recherchiert habe und die wir auch für unser heutiges Leben nutzen können.

Was passiert bei diesen Ritualen?

Ursula Karven: Durch den bewussten Umgang mit gewissen Dingen im Leben entsteht beispielsweise sogenannte weiße Energie. Die hat etwas Magisches in sich. Und es werden sich die Dinge im Leben ändern, wenn man sich darauf einlässt. Bei mir hat sich mein Leben, seit ich die konkrete Zielsetzung praktiziere, um 180 Grad zum Positiven gewendet.

Was wäre so ein Ritual?

Ursula Karven: Jetzt, zum neuen Jahr, passt beispielsweise das „Ritual der guten Vorsätze“, das zu 100 Prozent funktioniert. Dabei notierte ich mir vier kurzfristige Ziele und vier langfristige Ziele. Dabei gilt es, sich jedes Mal in die Gefühlswelt zu versetzen, die man beim Erreichen des Ziels zu spüren glaubt. Dann faltet man den Zettel und schaut drei Monate später wieder nach. Die kurzfristigen Ziele sind da in der Regel schon erreicht. Bei den langfristigen Zielen kann man sich noch mal überprüfen und gegebenenfalls nachjustieren.

Wie sind Sie darauf gestoßen?

Ursula Karven: Vorletztes Silvester saß ich daheim in Berlin, niemand war auf der Straße, vereinzelt ein Böllerknall. Da dachte ich mir: Fehlt mir eigentlich irgendetwas? Das Anstoßen mit Champagner, die Umarmungen? Und ich stellte mir weitere Fragen: Wie viel davon ist nur Gewohnheit? Was macht mich als Mensch menschlicher? Und: Welche Rituale habe ich sonst noch in meinem Leben, die ich aus Gewohnheit feiere oder die mir wirklich etwas bedeuten?

Und was ist Ihnen eingefallen?

Ursula Karven: Ostern etwa oder Thanksgiving, das ich in Amerika immer gefeiert habe. Letztendlich stellte ich fest, dass ich durchaus schon einige Rituale habe, die mich im Leben immer wieder halten und kräftigen oder mich beschützen, wie zum Beispiel das Räumeausräuchern. Das hat eine große Macht. Selbst wenn das Ausräuchern nur ein Vehikel dazu ist, aber es trägt dazu bei, dass man Dinge loslassen kann, falls man es wirklich ernst meint.

Sie schwören auch auf die Kraft von Hufeisen.

Ursula Karven: Mich haben Hufeisen schon immer fasziniert. Denn niemand wirft ein Hufeisen achtlos weg.

Warum nicht?

Ursula Karven: Von denen geht ein Zauber aus. Ein Hufeisen hat tausende von Bedeutungen. Und man sollte es, wenn man eines findet, nicht achtlos wegwerfen, sondern mitnehmen und mit der Öffnung nach unten aufhängen. Dann bringt es Glück. Wenn man es nicht mitnehmen will, muss man dreimal drauftreten. Mich hat einfach dieser Mythos um die Hufeisen interessiert. Oder das Thema Frühjahrsputz. Woher kommt dieses Gefühl, plötzlich alles säubern zu wollen? Oder: Warum verjagt man an Silvester mit Böllern böse Geister? All diese Rituale lassen sich begründen.

Man muss aber auch sagen, dass all die esoterischen Bräuche und Rituale wissenschaftlich gesehen zumindest umstritten sind oder nicht belegt. Wie halten Sie es denn mit dem Impfen?

Ursula Karven: Ich selbst bin geimpft, ich kann aber auch Leute verstehen, die andere Informationsquellen haben. Ich bin der Meinung, der Staat muss noch besser aufklären, gerade die Menschen, die einfach Angst haben. Man geht immer davon aus, dass alle den Wissensstand von Bildungsbürgern haben. Aber das ist nicht so. Die Menschen haben oft unbegründet Angst. In meinem Bekanntenkreis sind auch Menschen, die sich nicht impfen lassen, aber trotzdem kluge Menschen sind. Mit denen klammere ich das Thema Impfen aus.

Sie haben auch schon Yoga und Meditieren propagiert, als das noch nicht so gehyped wurde. Macht Yoga glücklich?

Ursula Karven: Auf jeden Fall. Man muss sich natürlich darauf einlassen, es gehört eine gewisse Disziplin dazu. Yoga ist die Auseinandersetzung mit uns selbst. Das ist schwierig. Aber im Grunde brauchen wir dazu nur eine Yogamatte und uns selbst. Aber der innere Schweinehund, täglich auf die Matte zu gehen, ist groß. Wer den überwindet, kann Yoga bis ins hohe Alter betreiben, weil man beweglich bleibt. Und Beweglichkeit ist ein Schlüssel zum Glück.

Sie sagen, es ist wichtig, mit sich und dem Universum im Einklang zu sein. Wie funktioniert das?

Ursula Karven: Das ist ein großer Satz, nicht wahr? Es ist das, was wir fühlen, wenn wir glücklich sind. Bei manchen Menschen kann das in einem wunderbaren klassischen Konzert passieren, wo man plötzlich merkt, dass man kurz abhebt, weil es so schön ist. Es kann aber auch beim Spaziergang in der Natur, beim Handarbeiten, beim Malen und Musik machen passieren. Es gibt diese Momente, in denen man kurz fliegt. Dann ist man mit sich und dem Universum im Einklang. Je mehr man seine Intuition schult, umso öfter findet man diese Momente, in denen man Glück fühlt. Im Grunde tragen wir das aber alle in uns. Und Rituale können dabei helfen, uns zu öffnen.

Der Gesellschaft täten glücklichere Menschen sicher gut. Wie ist es bei Ihnen? Sie haben 2021 ein zweites Mal geheiratet. Sind Sie glücklich?

Ursula Karven: Ich bin superglücklich. Und das sollte auch Frauen in meinem Alter Hoffnung geben, noch einmal einen neuen Partner zu finden. Ich habe wirklich nicht gesucht. Aber es ist wirklich so: Wenn man einigermaßen bei sich ist, dann gehen alle Tore auf.

Zur Person: Ursula Karven, 1964 in Ulm geboren, wurde durch zahlreiche Fernsehrollen bekannt. Heute lebt sie in Berlin. Ihr neues Buch „Hexenzauber, Göttinnen und weiße Magie“ erscheint im Verlag Gräfe und Unzer und kostet 22 Euro.

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