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Vorletzter Fall von Eisner und Fellner: Der Tatort „Gegen die Zeit“ aus Wien hat große Schwächen

„Tatort“-Kolumne

Vorletzter Fall mit Eisner und Fellner: Der Wiener Tatort „Gegen die Zeit“ hat große Schwächen

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    Daniel Wirsching ist einer von fünf „Tatort“-Kritikerinnen und -Kritikern unserer Redaktion.
    Daniel Wirsching ist einer von fünf „Tatort“-Kritikerinnen und -Kritikern unserer Redaktion. Foto: Augsburger Allgemeine (Illustration)

    „Sonnenhof“ ist eines dieser beschönigenden Wörter. In diesem Fall für ein heruntergekommenes Haus, in das sich Sonnenstrahlen und im übertragenen Sinne Glück kaum je verirren. Der Sonnenhof ist eine Wohngemeinschaft für Jugendliche, die in ihrem Leben viel Mist gesehen und gebaut haben. Betreut von Sozialpädagogen ist er ihre letzte Chance vor dem endgültigen Absturz. Oder, wie es der sehr engagierte und sehr angefasst wirkende Betreuer Simon Rechnik (Augustin Groz) sagt: „Wenn wir sie verlieren, dann landen sie auf der Straße.“

    „Gegen die Zeit“: Vorletzter Auftritt der Wiener Ermittler Moritz Eisner und Bibi Fellner

    Sie, das sind die fünf „Klienten“, um die er sich mit zwei weiteren Betreuern und dem Leiter der Jugendwohngruppe, David Walcher (Roland Silbernagl), kümmert. Die dort herrschende angespannte Stimmung, die beständig in Gewalt zu kippen droht und die Tristan Witzel in seiner Darstellung des aggressiv-unsicheren Leon besonders eindrucksvoll vorführt, entlädt sich eines Nachts: Walcher wird auf einer Straße in der Nähe erschlagen aufgefunden.

    Wie sich die Wiener Ermittler Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) in der „Tatort“-Folge „Gegen die Zeit“ wieder anschauen, ist eine Schau.
    Wie sich die Wiener Ermittler Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) in der „Tatort“-Folge „Gegen die Zeit“ wieder anschauen, ist eine Schau. Foto: ORF/Petro Domenigg

    Damit: Vorletzter Auftritt der Wiener „Tatort“-Ermittler Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser). Sie müssen in der Folge „Gegen die Zeit“ (Sonntag, 20.15 Uhr, ARD) in einer Kette von Einzelgesprächen herausfinden, wer der Täter war – und dafür kommt jeder infrage. Vor allem der 17-jährige Cihan Özbek (Alperen Köse), der abgehauen ist. Zudem ein Nachbar, der sich (welch unnötige Karikatur!) schwer bewaffnet und mit Schäferhund auf seinem Grundstück verschanzt.

    „Gegen die Zeit“ macht es einem nicht leicht. Denn was sich als moderne Interpretation eines klassischen Krimis, der mit ausgiebigen Befragungen und Videoauswertungen bis zum Schluss die Spannung hochhält, loben lässt – das kann genauso als letztlich allzu schwacher Film (Regie: Katharina Mückstein) bewertet werden. Nein: Es muss. Und zwar, weil Handlung, Tatmotiv und Auflösung ärgerlich wenig Substanz haben. Worüber die Machart dieses „Tatort“ zunächst hinwegtäuscht.

    Der Leiter der Jugendwohngruppe „Sonnenhof“ wurde erschlagen – und jeder, die jugendlichen „Klienten“ wie ihre drei Betreuer, sind verdächtig.
    Der Leiter der Jugendwohngruppe „Sonnenhof“ wurde erschlagen – und jeder, die jugendlichen „Klienten“ wie ihre drei Betreuer, sind verdächtig. Foto: ORF/Petro Domenigg

    Auf den ersten Blick ist es nämlich schon schick, wie Eisner und Fellner in bereits vergangenes Geschehen eingebettet werden und es nicht nur miterleben, sondern in den Szenen auch noch aktiv werden. Ein filmischer Zaubertrick, der seit einiger Zeit in Mode ist. Wie, seit Längerem, das Durchbrechen der „vierten Wand“, indem Schauspieler direkt in die Kamera, also zum Publikum sprechen (wie es durch „House of Cards“ vor mehr als zehn Jahren überaus populär wurde).

    So geht es mit dem „Tatort“ aus Wien weiter

    Auf den zweiten Blick: Beide Techniken sind hier in dieser Form eigentlich verzichtbar, sie sind bloßer Effekt wie der Splitscreen kürzlich in der Kölner „Tatort“-Folge „Showtime“ oder in „Kammerflimmern“ aus Zürich. Befremdlich wird es, als sich Fellner zu dem eben attackierten, röchelnden Walcher beugt und dem Sterbenden ein „Ganz ruhig, es ist gleich vorbei“ zuflüstert.

    Immerhin: Wie sich Eisner und Fellner anschauen, ist eine Schau. Im Laufe der gemeinsamen Jahre ist da eine Vertrautheit gewachsen, die authentisch und daher intensiv wirkt. Wie es einmal enden wird mit ihnen, lässt sich – im Gegensatz zu manchen Münchner Folgen mit Batic und Leitmayr und ihren Andeutungen – nicht recht absehen. Dafür weiß man, dass ihr letzter Einsatz dieses Jahr gezeigt wird und der Titel „Dann sind wir Helden“ Spekulationen provozieren wird.

    Laurence Rupp und Miriam Fussenegger lösen Eisner und Fellner ab – als neues Wiener Ermittlerduo Alex Maleky und Charlotte „Charlie“ Hahn.
    Laurence Rupp und Miriam Fussenegger lösen Eisner und Fellner ab – als neues Wiener Ermittlerduo Alex Maleky und Charlotte „Charlie“ Hahn. Foto: ORF/Hubert Mican

    Man weiß auch, wie es in Wien weitergeht. Mit den Schauspielern Miriam Fussenegger und Laurence Rupp, für die Anfang April als Charlotte „Charlie“ Hahn und Alex Maleky der erste „Tatort“-Dreh begann. Zum Einstand bekommen sie es in „Krähen im Hof“ (Arbeitstitel) mit einem Mann zu tun, der aus dem Fenster eines Gemeindebaus zu Tode gestürzt ist.

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