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Friedrich Merz polarisiert mit „Stadtbild“-Aussage. Was sagen Migranten in Berlin dazu

Migration

Streit um das „Stadtbild“: Wie Migranten in Neukölln auf Merz‘ Äußerung reagieren

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    Auch das gehört zum Stadtbild Berlins: Die Sehitlik-Moschee in Berlin-Neukölln.
    Auch das gehört zum Stadtbild Berlins: Die Sehitlik-Moschee in Berlin-Neukölln. Foto: Fabian Sommer, dpa

    „Wo geht es zur arabischen Straße“, will der amerikanische Tourist wissen, natürlich meint er die Sonnenallee in Neukölln. Das gerade so viel diskutierte „Stadtbild“ dieser berühmt-berüchtigten Berliner Gegend mutet maximal orientalisch an: In Falafelbuden, Barbershops und Hochzeitsmodesalons arbeiten Männer mit akkurat gestutzten schwarzen Bärten und Frauen mit Kopftuch. Deutsch gesprochen wird hier kaum, dafür spricht ganz Deutschland nach den Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz zum Zusammenhang von Migration und „Stadtbild“ mal wieder über genau solche Viertel.

    Wollte der CDU-Politiker etwa sagen, dass zu viele als Zuwanderer erkennbare Menschen in den Straßen ein Problem darstellen? Rassistisch und eine Anbiederung an die AfD, toben Grüne und Linkspartei. Das Merz-Lager bestreitet das energisch und beteuert, es gehe vielmehr darum, endlich ohne ideologische Scheuklappen über Schattenseiten der Zuwanderung zu diskutieren.

    Berliner mit Migrationshintergrund haben Debatte nicht mitbekommen

    Doch was sagen eigentlich Berliner mit Migrationshintergrund zu der Sache? Viele haben von der Debatte noch gar nichts gehört und verstehen nicht gleich. Stadtbild ohne Migranten? Aber dann wären die Straßen doch einfach leer. Beim Spaziergang durch die Hauptstadt finden sich dann sogar einige, die den Kanzler eher verteidigen. Eine Krankenschwester von den Philippinen und ein offen homosexueller indischer Pfleger nehmen kein Blatt vor den Mund: Auf dem Heimweg nach der Spätschicht in der U-Bahn fühlen sie sich vor allem durch Gruppen meist junger und überwiegend migrantischer Männer bedroht.

    Türkisch- oder arabischstämmige Gastronomen und Geschäftsleute fragen bitter und hinter dicht vorgehaltener Hand, ob denn irgendwer glaube, sie legten Wert darauf, von kriminellen Familienclans terrorisiert zu werden. Der Staat sei kaum mehr in der Lage, für Sicherheit zu sorgen, dabei sei das gerade für die Leute in den ärmeren Kiezen wichtig, die sich privaten Wachschutz oder Alarmanlagen nicht leisten können. Niemand wolle verwahrloste „Schrottimmobilien“ in seiner Straße, in denen osteuropäische Banden dem Sozialbetrug nachgehen.

    Mehr öffentliche Ordnung

    Mehr öffentliche Ordnung wünscht sich auch eine vor Jahrzehnten aus Nigeria zugewanderte Frau und verweist darauf, dass Polizistinnen und Ordnungsamtsleute mit Migrationshintergrund ebenfalls längst fest zum Stadtbild gehörten. Deutschland habe in den vergangenen Jahren sehr schnell sehr viele Leute aufgenommen, Sicherheit, Wohnungsangebot und Bildungssystem hätten dadurch massiv gelitten. Immer wieder wird deutlich: Mit einer härteren Linie gegen Menschen, gleich welcher Herkunft, die sich nicht an die Regeln halten, könnte Merz im Milieu der gut integrierten Migranten durchaus punkten. Doch wo der Kanzler Zuwanderer über einen Kamm schert, verspielt er diese Chance gleich wieder. Wie damals, als er Migrantenjungs als „kleine Paschas“ bezeichnete.

    Überhaupt sehnen sich viele Berliner mit Zuwanderungsgeschichte geradezu danach, dass die Politik auch mal über ihre Erfolge spricht: Auf den Schildern von Rechtsanwalts- und Steuerkanzleien oder Arztpraxen in Neukölln stünden schließlich auch lauter arabische Namen, der Beweis, dass viele Kinder der ersten Gastarbeitergeneration den Bildungsaufstieg geschafft haben. Anderswo auf der Welt hießen bunte Migrantenviertel etwa Chinatown oder Little Italy und würden als Sehenswürdigkeit gefeiert. Für den US-Besucher, der Berlins „arabische Straße“ sucht, ist jedenfalls klar: Er sucht die Sonnenallee nicht trotz, sondern wegen ihres ganz besonderen Stadtbilds.

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