Günther Jauch ist einer der beliebtesten Deutschen, nur bei den Apothekern ist sein Stern gesunken. Der Grund: Der Moderator macht Werbung für das E-Rezept und den bequemen Weg, sich Medikamente per Post von der Shop-Apotheke senden zu lassen.
Die Shop-Apotheke sitzt in den Niederlanden und der Versandriese macht den Apotheken vor Ort mächtig Konkurrenz. Jedes Rezept, das dort einfach über das Handy eingelöst wird, bedeutet weniger Einnahmen für die Angestammten. Die Lage vieler Apotheken ist ohnehin schlecht.
Auch bei Medikamenten: Der Trend geht zum Online-Einkauf
Die Faustregel lautet: Wer eine Apotheke neben einem Ärztehaus betreibt, der kann wie früher gutes Geld verdienen. Hat hingegen der Arzt um die Ecke zugemacht oder es findet sich kein Nachfolger, dann sinken die Umsätze deutlich.
Nun wird sich weder der Trend zum Online-Einkauf umdrehen noch werden alle fehlenden Arztpraxen zeitnah einen Nachfolger finden. Die Chance für die Apotheker liegt darin, ihr Angebot zu erweitern und mehr von ärztlichen Aufgaben zu übernehmen. Seit der Covid-Pandemie dürfen Apotheker, die eine entsprechende Fortbildung absolviert haben, gegen das Corona-Virus und Grippe impfen. Warum dieses Angebot nicht auf andere Krankheiten ausweiten?
Entsprechende Überlegungen hat es gegeben. Das könnte die Hausärzte entlasten und den Apothekern neue Aufgaben und Einnahmen verschaffen. Die Fokussierung des deutschen Gesundheitssystems auf den Arzt wird sich angesichts des Mangels an Medizinern nicht aufrechterhalten lassen. Wenn Schwestern und Pfleger mehr Kompetenzen bekommen, wie es in anderen Ländern längst der Fall ist, warum soll das nicht für Pharmazeuten möglich sein?
Apotheker könnten ärztliche Aufgaben übernehmen
Für die Apotheker gilt, was für viele Branchen gilt. Die gute alte Zeit wird nicht zurückkommen. Die Politik sollte überlegen, ob sie den Apotheken unter einer gewissen Umsatzschwelle nicht einen Zuschuss für die ersten zehntausend verkauften Medikamenten zahlt, um die Versorgung im Dorf und in der Kleinstadt zu gewährleisten.
Geben allerdings immer mehr auf, wird der Bundesregierung gar nichts anderes übrigbleiben, als andere Kanäle zu suchen. Das wären Versandapotheken oder der Verkauf bestimmter Arzneimittel in Super- und Drogeriemärkten. In den Niederlanden oder England kaufen die Menschen Schmerzmittel ganz selbstverständlich im Supermarkt. Die Packung kostet viel weniger als in Deutschland. Eine persönliche Beratung gibt es dort jedoch nicht. Wegen des Spardrucks im Gesundheitswesen könnte dieses Argument aber an Kraft verlieren. Die Apotheke vor Ort muss dann Leistungen bieten, die andere nicht im Angebot haben.
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