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Die Linke tauscht ihren Vorsitzenden: Wer ist Luigi Pantisano?

Die Linke

Er kaufte Schwarzfahrer aus dem Gefängnis frei, jetzt will er Parteichef werden

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    Im Frühjahr 2025 zog Luigi Pantisano zum ersten Mal als Abgeordneter in den Bundestag ein und wurde direkt zum Vize-Fraktionschef der Linken.
    Im Frühjahr 2025 zog Luigi Pantisano zum ersten Mal als Abgeordneter in den Bundestag ein und wurde direkt zum Vize-Fraktionschef der Linken. Foto: Helena Dolderer, dpa

    An einem grauen Samstagmorgen steht Luigi Pantisano vor dem Eingang des Gefängnisses Schwäbisch Gmünd. Aus seinem Portemonnaie holt er ein Bündel Geldscheine. Er legt 1800 Euro in die Wechsellade an der Pforte. Kurze Zeit später tritt eine Frau aus den Gefängnismauern hervor. Pantisano hat sie soeben freigekauft. Das war im November.

    „Danke Luigi“: Schwarzfahren entkriminalisieren ist eines seiner Herzensthemen

    Die Aktion hat der 46-Jährige gefilmt und in den sozialen Netzwerken hochgeladen. In den Kommentaren erhält er Zuspruch. „Danke Luigi“, „Brutal Luigi“, „Freie Fahrt für freie Bürger“. Es gibt wenige Themen, die den Abgeordneten aus Stuttgart so sehr in Rage versetzen, wie Paragraf 265a. Erschleichen von Leistungen. Darunter: Schwarzfahren in Bus und Bahn, das mit einer Haftstrafe von bis zu einem Jahr geahndet werden kann.

    Fragt sich, wie viel Zeit der 46-Jährige künftig für derartige Aktionen haben wird: Schwarzfahrer aus dem Gefängnis holen, vor den Werkstoren der Firma Bosch in Waiblingen gegen Personalabbau protestieren, mit der Antifa gegen die AfD demonstrieren. Denn Luigi Pantisano will Vorsitzender der Linken werden. Nachdem Jan van Aken am Donnerstagabend angekündigt hatte, auf dem Parteitag im Juni aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr als Vorsitzender anzutreten, meldete sich Pantisano als erster Bewerber um das frei werdende Amt.

    Luigi Pantisano wäre der erste Parteivorsitzende der Linken mit Migrationsgeschichte

    Er kandidiert mit „Demut“, schreibt er auf seiner Homepage. Gemeinsam mit Ines Schwerdtner will er eine „starke Linke aufbauen“. Sollte er auf dem Parteitag zum Co-Vorsitzenden gewählt werden, wäre er der erste Parteichef der Linken mit Migrationsgeschichte.

    Nun mögen sich viele fragen: Kennt man den überhaupt? Bisher ist er im Berliner Betrieb ein Mann der zweiten Reihe gewesen. Im Frühjahr 2025 zog der Sohn italienischer Einwanderer erstmals als Abgeordneter in das Parlament ein und wurde direkt zum stellvertretenden Vorsitzenden der Linksfraktion im Bundestag. Bislang schien er hinter Fraktionschefin Heidi Reichinnek im Hintergrund zu bleiben. Dabei machte er sich im politischen Betrieb in Berlin bereits 2023 einen Namen: Als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim damaligen Linken-Vorsitzenden Bernd Riexinger forderte Pantisano immer wieder den Austritt Sahra Wagenknechts.

    Pantisano setzt sich gegen Wohnungsnot in Stuttgart ein

    Besser kennt man ihn in seiner Heimat Baden-Württemberg. 2020 wäre Pantisano fast Oberbürgermeister in Konstanz geworden. Hier arbeitete der studierte Architekt einst als Quartiersmanager. Im ersten Wahlgang holte er die meisten Stimmen. Sein Erfolgsrezept: Im Wahlkampf erwähnte er seine eigene Partei so wenig wie möglich. Im zweiten Wahlgang musste er sich dem Amtsinhaber der CDU geschlagen geben. Seitdem schart er am Bodensee eine große Fangemeinde um sich.

    In seiner Wahlheimat Stuttgart setzt er sich seit vielen Jahren gegen Wohnungsnot ein. Vor sechs Jahren wurde er, damals noch als Stuttgarter Gemeinderat, zu einer Geldstrafe wegen Hausfriedensbruchs verurteilt, weil er sich in einem besetzten Haus aufgehalten hatte. Seiner Beliebtheit in seiner Partei tat das keinen Abbruch.

    Großteil seines Abgeordnetengehalts gibt er für soziale Zwecke

    In Stuttgart bietet er Sozialsprechstunden an – nach eigenen Angaben finanziert von seiner Abgeordnetendiät. Von den insgesamt 17.700 Euro im Monat, so sagt er, zahle er sich selbst ein Nettogehalt von 2850 Euro aus. „Ich bin stolz darauf, als Kind aus einem Arbeiterhaushalt mit einer Einwanderungsgeschichte studiert zu haben.“

    Pantisano gilt als Wunschkandidat vom scheidenden van Aken. Und auch die Rückendeckung von Fraktionschefin Reichinnek hat er sicher. Als Parteivorsitzender will er sich dem Kampf gegen die AfD widmen, das Neun-Euro-Ticket zurückholen, das Leben für die Arbeiterinnen und Arbeiter bezahlbar machen. Und natürlich das Schwarzfahren entkriminalisieren.

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