Startseite
Icon Pfeil nach unten
Politik
Icon Pfeil nach unten

Kommentar: Grüne müssen sich hinter Habeck versammeln

Kommentar

Nach Baerbock-Verzicht: Die Grünen müssen sich jetzt hinter Habeck versammeln

Christian Grimm
  • |
  • |
  • |
  • |
    Robert Habeck ist Vize-Kanzler und dürfte für seine Partei bei der nächsten Bundestagswahl im Herbst 2025 den Anlauf nehmen, den Wortteil „Vize“ zu streichen.
    Robert Habeck ist Vize-Kanzler und dürfte für seine Partei bei der nächsten Bundestagswahl im Herbst 2025 den Anlauf nehmen, den Wortteil „Vize“ zu streichen. Foto: Bernd von Jutrczenka, dpa

    Nun ist Robert Habeck am Zug, so er denn will. Zweifel? Nein. Habeck ist bereit, die Grünen in die nächste Bundestagswahl zu führen. Ihm und Außenministerin Annalena Baerbock ist es gelungen, einen unschönen Ausscheidungswettkampf zu vermeiden. Baerbock zieht zurück, obwohl sie erst vor drei Wochen ihren Anspruch auf die Kanzlerkandidatur bekräftigt hatte. Die 43-Jährige tut sich damit auch selbst einen Gefallen.

    In Teilen der Wählerschaft wird sie verachtet, ist sogar regelrecht verhasst. Ihre ungewollt komischen Versprecher und Aussetzer dienen diesen Wählern als Beleg, dass sie es nicht kann. Normalerweise gehören die Außenminister zu den Politikern mit der höchsten Popularität. Nicht so Baerbock. Ihr schlechtes Image im Wahlkampf zu korrigieren, wäre wohl kaum gelungen.

    Bundeswirtschaftsminister Habeck gilt als guter Kommunikator

    Habecks Beliebtheit hat indes durch das vermurkste Heizungsgesetz ebenfalls schwer gelitten. Ab und an gelingt es ihm aber, sich mit seinen Videobotschaften die Anerkennung breiterer Wählerschichten zu sichern, wie zum Beispiel mit seiner Einschätzung zum deutsch-israelischen Verhältnis nach dem Terror der Hamas am 7. Oktober 2023. Der Bundeswirtschaftsminister ist neben Finanzminister Christian Lindner und Verteidigungsminister Boris Pistorius der beste Kommunikator der Regierung.

    Die Grünen liegen in Umfragen nur noch knapp über 10 Prozent

    Seine Ausgangslage ist allerdings deutlich schwächer als die von Baerbock vor der zurückliegenden Bundestagswahl. Die Grünen haben bei der Europawahl eine herben Dämpfer eingesteckt, in den Umfragen liegen sie nur noch knapp über der Marke von 10 Prozent. Klimaschutz ist in Zeiten des Krieges den Menschen weniger wichtig als Sicherheit. Während aber Baerbock selbst auf dem Hoch der Grünen-Begeisterung nur das Kernklientel zu mobilisieren vermochte, hat Habeck die Gabe, auch Wechselwähler für sich und seine Partei gewinnen zu können. Den Traum einer neuen Volkspartei müssen die Grünen aber hintanstellen.

    Habeck Auftrieb verleihen könnte, dass die Wirtschaft ausweislich der Prognosen der Ökonomen nächstes Jahr stärker wachsen wird. Für den zuständigen Minister ist das beinahe eine Erfolgsbedingung. Seiner Partei wird er die Bedingung abverlangen, sich hinter ihm zu sammeln. Das gilt auch für die Mitglieder, die aus Gründen der Geschlechtergerechtigkeit prinzipiell eine Frau auf Rang 1 sehen wollen. Eine Doppelspitze wird mit ihm nicht zu machen sein. Seine Partei täte gut daran, dem bisherigen Vize-Kanzler zu folgen. Einen aussichtsreicheren Kandidaten hat sie nicht.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren