Am Anfang hat es vielen Deutschen schon gereicht, dass Friedrich Merz nicht Olaf Scholz ist. Ein zupackender Kanzler, der nicht herumeiert, sondern in Schröderscher Basta-Manier den Karren aus dem Dreck zieht. Das war die Erwartung. Eine Erwartung, die Merz selbst geschürt hat und die wie ein Soufflé in sich zusammenfällt, seit der CDU-Chef zum Rendezvous mit der Realität am Kabinettstisch sitzt. Ganz ohne Kerzenschein. Ein halbes Jahr nach Amtsantritt sind die Menschen frustriert wie nie vom Kanzler.
Nur noch 25 Prozent finden die Arbeit des Kanzlers gut
In einer Umfrage der Meinungsforscher von Insa gaben fast zwei Drittel der gut 1000 Teilnehmer an, dass sie unzufrieden sind mit der Arbeit von Friedrich Merz. Gerade einmal 25 Prozent finden ihn immer noch gut. Zum Vergleich: Von seinem viel geschmähten Vorgänger Scholz waren ein halbes Jahr nach dessen Wahl zum Bundeskanzler noch rund 60 Prozent der Deutschen überzeugt. Wie also konnte die Stimmung derart schnell kippen? Eine Antwort liegt kurioserweise darin, dass Merz eine Erwartung, die man in ihn gesetzt hatte, immer wieder aufs Neue erfüllt.
Was Merz anders macht als Scholz und Merkel
Er hat gerne damit kokettiert, dass die Zeit des sprachlichen Herumlavierens zu Ende gehe, sobald er sein Büro im Kanzleramt bezieht. Wo Olaf Scholz und Angela Merkel stets darauf bedacht waren, niemandem auf die Füße zu treten, trägt es ihren Nachfolger mit unüberlegten Wortbeiträgen alle paar Tage aus der Kurve. Da ist beispielsweise die Debatte um das Stadtbild, die ihn noch immer einholt. Als der Kanzler vergangene Woche in Berlin bei einer Preisverleihung der „Deutschlandstiftung Integration“ redet, verlassen zig Stipendiaten aus Protest den Saal. „Wir sind das Stadtbild“, steht auf Stickern, die sie sich angeheftet haben.
Da ist die eigene Parteijugend, die Merz im Streit um das Rentenpaket brüskiert. Seinen Auftritt beim Treffen der Jungen Union empfinden viele Nachwuchspolitiker aus CDU und CSU als onkelhaft und ignorant. Dass er im Vorbeigehen auch noch halb Brasilien gegen sich aufbringt, weil er nach seiner Abreise vom Klimagipfel darüber plaudert, wie froh er selbst und die deutschen Journalisten gewesen seien, von diesem tristen Ort wieder wegzukommen, passt ins Merzbild.
Die Deutschen sind genervt vom Streit in der Koalition
Offenbar hat der Kanzler eine andere Vorstellung von klarer Kante als jene, die auf ihn gebaut hatten. Doch auch die Zufriedenheit mit der Koalition insgesamt ist auf einem Tiefpunkt. Nur noch 22 Prozent attestieren ihr eine gute Arbeit. Die Wirtschaft kommt nicht in Schwung und das Gezänk zwischen Union und SPD erinnert immer mehr Deutsche an alte Ampel-Zeiten. Dabei hatten sie Friedrich Merz doch gewählt, weil er nicht Olaf Scholz ist.
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