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Kanada bietet Europa Allianz gegen aggressive Hegemonialmächte an

Wirtschaftsgipfel

Kanadas Premier Carney reißt Europäer aus ihrer Lethargie

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    Der kanadische Premierminister Mark Carney trifft sich mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos.
    Der kanadische Premierminister Mark Carney trifft sich mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Foto: Sean Kilpatrick, The Canadian Press via AP/dpa

    Emmanuel Macron spielt die Rolle, die er liebt: Mit markigen Worten beschwört der französische Präsident auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos Europa, sich gegen Donald Trumps „imperiale Ambitionen“ zur Wehr zu setzen. Die verspiegelte Sonnenbrille, die er wegen einer Augenerkrankung tragen muss, gibt seinen Worten eine spezielle, fast US-amerikanische Anmutung. Doch es ist der auf Macron folgende Redner, der Akzente setzt, die im Gedächtnis bleiben dürften: der kanadische Premier Mark Carney.

    Grundsätzlich, klar und ungeschönt rechnet der liberale Politiker mit der Politik Donald Trumps und seinen Übernahmefantasien und seine erpresserische Zollpolitik ab, ohne den Präsidenten explizit zu nennen. Carney betont zudem, dass Kanada im Streit mit den USA um Grönland fest an der Seite Dänemarks stehe.

    Carney: „Regelbasierte Ordnung“ in großen Teilen illusorisch

    Bemerkenswert ist, wie schonungslos Carney die Folgen der wachsenden Macht von Populisten und Autokraten für die internationale Ordnung schildert und wie eindringlich er die liberalen Demokratien davor warnt, zu hoffen, dass es schon nicht so schlimm kommen werde. Die Erzählung von der „regelbasierten Ordnung“ von fairem „globalen Handel“ sei schon lange eine Hilfskonstruktion gewesen, die sich jetzt zu großen Teilen als illusorisch erweise. Eine Kritik, die insbesondere an Europa, aber auch an die eigene Adresse geht. „Wenn wir nicht am Tisch sitzen, dann stehen wir auf der Speisekarte“, sagt der frühere Chef der Bank of England zu den Vertretern aus Politik und Wirtschaft im Saal. „Wenn aber die Regeln, die uns einst beschützt haben, uns jetzt nicht mehr schützen, müssen wir dafür sorgen, dass wir uns selbst verteidigen können“, fügt der 60-Jährige hinzu. Denn die alte Ordnung werde nicht mehr zurückkehren und es sei falsch, „ihr nachzutrauern“, da „Nostalgie keine Strategie“ sei. Harte Sätze, die aber unter den Europäern in Davos viel Lob finden.

    Gut möglich ist, dass ein Beitrag, mit dem Donald Trump in dieser Woche seinen Anspruch auf eine Übernahme Kanadas unverhohlen auf seiner Online-Plattform Truth Social bekräftigte, die Tonlage der Ansprache Carneys beeinflusst hat: Grundlage für die mit KI erzeugte Fotomontage ist ein authentischer Schnappschuss, der Trump im mit allerhand Zierrat verkitschten Oval Office gestikulierend an seinem Schreibtisch zeigt, während europäische Staats- und Regierungschefs ihm konzentriert lauschen. Im Hintergrund jedoch lauert eine fingierte Landkarte, auf der die Vereinigten Staaten sowie Venezuela, Grönland in den Farben der US-Flagge eingezeichnet sind, sondern auch – das ist die neue Provokation – Kanada.

    Trump sprach schon 2025 von Kanada als 51. US-Bundesstaat

    Mit derartigen Gedankenspielen hatte Trump bereits 2025 für Unruhe gesorgt. Das Nachbarland solle als „51. Bundesstaat“ Teil der USA werden, schrieb er. Carney hatte Trumps territorialen Ansprüche bereits im Mai des vergangenen Jahres eine klare Absage erteilt.

    Carney ist davon überzeugt, dass internationale Organisationen, wie die Welthandelsorganisation (WTO), nicht mehr in der Lage sein werden, Schutz zu bieten, wenn Wirtschaftspolitik „als Waffe“ eingesetzt wird. Sein Rezept: Strategische Bündnisse von Staaten, die allein nicht über die militärische Potenz und ökonomische Macht verfügen, sich angesichts der von Akteuren wie China und den USA immer aggressiver betriebenen internationalen Energie- oder Finanzpolitik zu behaupten.

    Wenn es um diese Allianzen geht, sieht Mark Carney das Gros der EU-Mitglieder als potenzielle Partner für sein Land. In Davos wurde dies als offensives Angebot an Europa und an alle liberalen Demokratien auf der Welt verstanden, die Zusammenarbeit schnell und effektiv zu intensivieren.

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