Es war der 12. Juli 2021, als Wladimir Putin einen Aufsatz über die „historische Einheit von Russen und Ukrainern“ veröffentlichte. Ein Datum, das Katja Gloger noch genau im Gedächtnis hat. Während der Text in Deutschland kaum Beachtung fand, erkannte die langjährige Russland-Korrespondentin sofort die Gefahr. „Ich habe das gelesen und war ganz tief erschrocken, weil sich dieser Aufsatz wie eine Kriegserklärung erschien“, berichtete Gloger bei der Veranstaltungsreihe „Augsburger Allgemeine Live“. Gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Investigativjournalisten Georg Mascolo, war sie in der Stadtbücherei Augsburg zu Gast, um eine Bilanz der verfehlten deutschen Russlandpolitik zu ziehen.
Die Links zu Spotify, Apple Podcasts und Co. finden Sie am Ende des Artikels.
Im Gespräch mit Peter Müller, dem Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen und Margit Hufnagel, der Leiterin des Politikressorts, analysierten Gloger und Mascolo, wie Deutschland über Jahre hinweg Warnzeichen ignorierte und sich in eine fatale Energieabhängigkeit begab. Ein fataler Fehler sei das Vergessen alter Sicherheitsprinzipien gewesen. Mascolo erinnerte an einen Regierungsbeschluss von 1980, wonach die Abhängigkeit von einem Energielieferanten 30 Prozent nie überschreiten dürfe – eine Regel, die Berlin zugunsten billigen russischen Gases jahrzehntelang ignorierte.
Georg Mascolo kritisiert mangelnde Reaktion auf Krim-Annexion
Auch menschlich habe Putin getäuscht. Katja Gloger, die ihn früh begleitete, erkannte hinter der demokratischen Fassade schnell den kühlen KGB-Offizier: „Es schien mir manchmal wie so ein Gefäß, das am Ende aber leer blieb, weil er ja in Wahrheit etwas ganz anderes vorhatte mit seinem Land.“ Statt Unwissenheit attestiert Mascolo der Politik daher ein Handlungsdefizit. Trotz Krim-Annexion und Mordanschlägen hielt Deutschland an Nord Stream 2 fest. „Ich habe nicht verstanden und nie verstehen können, warum wir Russland so viel haben durchgehen lassen, warum wir zugelassen haben, dass jede rote Linie überfahren wird“, kritisierte er.
Trotz der düsteren Bestandsaufnahme ließen die Experten am Ende Raum für einen Funken Optimismus. Mascolo erinnerte an das historische Treffen zwischen Ronald Reagan und Michail Gorbatschow 1985 in Genf. Damals schien die Lage zwischen den Supermächten verfahren, doch eine persönliche Ebene zwischen den beiden Anführern ermöglichte schließlich Abrüstungsschritte. Es zeige, so das Fazit des Abends, dass Geschichte nicht vorgezeichnet ist, sondern von Menschen gemacht wird – im Guten wie im Schlechten.
„Augsburger Allgemeine Live“ bei Apple Podcasts & Spotify hören
Den Podcast hören Sie sowohl hier im Artikel (indem Sie die Einbettung akzeptieren) als auch über alle gängigen Podcast-Plattformen. Nutzen Sie schon eine der gängigen Podcast-Apps wie Spotify oder Apple Podcasts, dann können Sie dort ganz einfach nach „Augsburger Allgemeine Live“ suchen. Sie können auch auf die folgenden Direktlinks klicken.
- „Augsburger Allgemeine Live“ bei Spotify hören
- „Augsburger Allgemeine Live“ bei Apple Podcasts hören
- „Augsburger Allgemeine Live“ bei YouTube hören
- „Augsburger Allgemeine Live“ bei Podimo hören
- „Augsburger Allgemeine Live“ bei Amazon Music hören
- „Augsburger Allgemeine Live“ bei Deezer hören
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren