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Kommentar: Hohe Spritpreise sind eine Chance für die Deutsche Bahn

Kommentar

Hohe Spritpreise sind eine Chance für die Deutsche Bahn

Christian Grimm
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    Mit dem Deutschlandticket können Passagiere alle Nah- und Regionalzüge in Deutschland zum Preis von 63 Euro nutzen. Das entspricht weniger als einer Tankfüllung.
    Mit dem Deutschlandticket können Passagiere alle Nah- und Regionalzüge in Deutschland zum Preis von 63 Euro nutzen. Das entspricht weniger als einer Tankfüllung. Foto: Felix Kästle, dpa

    Des einen Leid ist des anderen Freud. Die Deutsche Bahn könnte der Gewinner des Kostenschocks an den Zapfsäulen sein. Mit 63 Euro pro Monat ist das Deutschlandticket eine günstige Alternative für Pendler. Das ist weniger als ein Mal volltanken. Die Autofahrer könnten den Umstieg wagen und künftig mit dem Zug zur Arbeit fahren, wenn das Preisniveau für Benzin und Diesel anhaltend hoch bleibt. Für die Deutsche Bahn kommt es jetzt darauf an, verlässlich zu sein und mögliche Neukunden nicht durch das dem Konzern eigene Chaos gleich wieder zu verprellen. 

    Auch wenn der fliehende Winter hier und da Schneeschauer über das Land jagt, sind Strom und Bäche vom Eis befreit. Jetzt gibt es keine Ausreden mehr, dass Züge nicht pünktlich fahren. Im Nah- und Regionalverkehr gelingt es der Bahn, verlässlich zu sein. Neun von zehn Zügen liegen im Bundesschnitt in der Zeit. An überlasteten Knoten, wie in München, Köln, Hamburg oder Frankfurt, erleben die Passagiere hingegen eine andere Bahn. Der heillos verspätete Fernverkehr bringt den gesamten Betrieb durcheinander. 

    Bahnchefin sollte Empfehlungen der Expertengruppe rasch umsetzen

    Vor einer Woche erst hat eine Expertengruppe Vorschläge auf den Tisch gelegt, um die Knoten zu weiten. Die gesamte Branche hat sie erarbeitet und hält sie für umsetzbar. Der Vorstand muss jetzt dafür sorgen, dass die Beschlüsse in der Praxis Realität werden und nicht wie so häufig beim Schienenkonzern als Foliensatz in Schubladen Staub ansetzen. Der Staatskonzern hat sich in den vergangenen zehn Jahren genug Ziele aufgestellt, um sie ohne Konsequenzen zu verfehlen. Die neue Bahnchefin Evelyn Palla hat versprochen, dass genau das nicht mehr passiert. 

    Die Sanierung der maroden Gleise, Brücken und Bahnhöfe wird noch zehn Jahre dauern, weshalb die Pünktlichkeit im Fernverkehr und damit die Fahrplangängigkeit insgesamt nur schrittweise steigt. Palla tut gut daran, Sauberkeit und Service schnell zu verbessern. Siff und Unrat in Zügen und an Bahnhöfen sind mancherorts haarsträubend. Das liegt nicht nur an der Bahn. Ein Teil der Fahrgäste schert sich buchstäblich einen Dreck um basale Regeln des Miteinanders. Dem Staatsunternehmen nützt das wenig, weil der Frust dennoch bei ihm abgeladen wird. 

    Neben der Vergrößerung der Putzkolonne ist auch in puncto Sauberkeit mehr Pünktlichkeit ein Schlüssel zum Erfolg. Nur wenn die Züge im Fahrplan fahren, besteht die Möglichkeit für eine oberflächliche Reinigung zwischendurch. Eine besondere Kraftanstrengung in den kommenden Wochen könnte sich für das Unternehmen als lohnend erweisen, indem dadurch dauerhaft neue Fahrgäste gewonnen werden.

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