Vielleicht hatte Friedrich Merz ganz einfach nur Glück, dass Donald Trumps Wut an diesem Tag auf einen ganz anderen Mann gerichtet war – Elon Musk. Der Tesla-Gründer, einstige Trump-Unterstützer und zeitweilige Bürokratiebekämpfer der US-Regierung, hatte Donald Trumps Steuerpolitik kurz vor dem Merz-Besuch in harschen Worten kritisiert („Kill the bill“ – „beerdigt das Gesetz“). Daher interessierte die Journalisten im Oval Office nur eines – Trumps Reaktion auf Musk. Der Kanzler wurde zur Staffage.
Unüblich ist das nicht. Schon viele Staatsgäste von Rang und Namen mussten bei gemeinsamen Pressebegegnungen mit US-Präsidenten erleben, dass amerikanische Journalisten den Termin nur dafür nutzten, mit ihrem Präsidenten innenpolitische Fragen zu klären. Merz kann es gelassen nehmen. Der heikle Termin im Oval Office ist überstanden, offener Streit wie bei Trumps Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj blieb aus.
Der Bundeskanzler war gut vorbereitet und konnte seine Punkte in dem Trump-Monolog dann irgendwie doch einschieben. Schon die Geburtsurkunde des Trump-Großvaters aus Rheinland-Pfalz als Geschenk war gut gewählt. Ein Icebreaker in Sütterlin-Schrift. Auch, dass Merz die Landung der Alliierten in der Normandie am Freitag vor 81 Jahren parat hatte, um die historische Verbundenheit mit den Amerikanern zu unterstreichen, war ein kluger Schachzug.
Merz bleibt bei seiner Position zum Krieg in der Ukraine
In der Sache freilich ändert der ausgebliebene Fauxpas wenig. Trump laviert zwischen der Ukraine und Putin, beim Treff mit Merz vergleicht er den Krieg Putins gegen die Ukraine mit einer Schulhofschlägerei, bei der man nicht so genau weiß, welches Kind angefangen hat. Merz antwortet klug und benennt den Aggressor Russland eindeutig. „Meine Position ist klar“, sagt Merz. „Wir stehen an der Seite der Ukraine.“
Viel ändern an der Weltsicht des Amerikaners wird das nicht, im Gegenteil – es wäre schon viel gewonnen, wenn Merz nach diesem Besuch einen einigermaßen belastbaren Draht zu Trump aufbauen kann. Denn, man muss es so hart sagen: Amerikaner und Deutsche sind sich fremd geworden, daran ändert auch ein einigermaßen reibungsloser Besuch im Weißen Haus nichts. Alle Schlussfolgerungen, die vor dem Merz-Besuch angesichts dieser neuen Weltlage richtig waren, bleiben richtig. Europa und Deutschland müssen mehr für ihre Sicherheit tun. Europa und Deutschland müssen sich enger mit anderen Handelspartnern auf der Welt vernetzen, etwa in Asien. Europa und Deutschland müssen sich weiter für eine internationale Ordnung einsetzen, die Recht und Gesetz beruht. Allerdings, auch das ist wahr, werden sie das weiterhin ohne das Amerika des Donald Trump tun müssen.
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