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Losverfahren? Fragebogen? Die neue Wehrpflicht könnte so einfach sein

Kommentar

Losverfahren? Fragebogen? Die neue Wehrpflicht könnte so einfach sein

Stefan Lange
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    Kommt zum Hoodie im Schrank bald die Uniform?
    Kommt zum Hoodie im Schrank bald die Uniform? Foto: Oliver Berg, dpa

    Eine Berliner Tageszeitung zitierte in der Wehrpflicht-Debatte kürzlich eine Mutter mit den Worten: „Dafür habe ich keine Kinder in die Welt gesetzt“. Gemeint war der mögliche Einsatz eines jungen Erwachsenen als Soldat oder auch als Soldatin in einem Krieg. Die Meinung gilt es zu respektieren. Sie zeigt gleichzeitig, wie schwer es ist und in Zukunft noch sein wird, eine Wehrpflicht in Deutschland zu etablieren.

    Vertreter der deutschen Geheimdienste haben gerade davor gewarnt, dass Russland bereits jetzt schon in der Lage ist, einen Nato-Staat anzugreifen. Das widerspricht der Einschätzung von Militärexperten, die die Jahreszahl 2029 für ein mögliches Angriffsszenario in die Welt gesetzt haben. Was auch immer richtig sein mag – die Bedrohungslage ist offenbar so massiv angewachsen, dass Deutschland wieder eine große Armee braucht.

    Wer schreckt Putin ab?

    Eine schlagkräftige, auf den Kreml abschreckend wirkende Truppe jedoch speist sich aus den Menschen im Land, vorzugsweise aus jungen Männern und Frauen. Das ist bitter. Aber solange Schlachten noch auf dem Feld ausgetragen werden, gibt es keine Alternative.

    Die Regierungsparteien im Bundestag tun sich schwer damit, einen gangbaren Weg zu finden. Dabei ist der schon vorgezeichnet. Die alte, 2011 ausgesetzte Wehrpflicht war eine gute Lösung: Sie übte Druck aus, ließ über die Möglichkeiten des Zivildienstes und der sogenannten Totalverweigerung aber alle von der Leine, die nicht kämpfen wollen – wobei oft vergessen wird, dass etwa im Falle einer Generalmobilmachung ohnehin alle (Männer) eingezogen werden können. Da braucht es für eine neue Wehrpflicht keine überbordende Bürokratie, keine Losverfahren und was derzeit noch so alles diskutiert wird. Auch besagte Mutter könnte sich entspannt zurücklehnen, die Verteidigung ihres Zuhauses und ihrer Familie anderen überlassen.

    Zeitenwende ohne die Menschen

    Nach Jahrzehnten des Friedens in Deutschland haben die politischen Parteien zwar eine „Zeitenwende“ beschlossen. Die besteht aber vor allem aus Material und Geld. Die moralische, wertende Betrachtung dessen, was der Schatten eines drohenden Krieges mit den Menschen macht, ist weitestgehend ausgefallen. Was vor allem damit zu tun hat, dass sich relevante gesellschaftliche Gruppen aus der Debatte heraushalten. Von den Kirchen etwa ist zu diesem wichtigen Thema nichts zu hören, das von Belang wäre. Im Bundestag wird am Donnerstag zunächst in erster Lesung über die Wehrpflicht beraten. Nach diesem Startsignal gibt es noch genügend Zeit einen Diskurs zu eröffnen, der am Ende auch die Zweiflerinnen und Zweifler überzeugt.

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