Hanna Steinmüller hat es im wahrsten Sinne geschafft, Beruf, Haushalt und Kind unter einen Hut zu bekommen. Von Beruf ist die 32-Jährige Bundestagsabgeordnete. Im Parlament ging es am Dienstag um den Haushalt. Und ihre Rede dazu hielt die Grünen-Politikerin samt Baby in der Trage auf der Brust. Damit schrieb sie Geschichte. Denn zwar hatte Herbert Grönemeyer schon in den 80ern „Kinder an die Macht!“ gesungen, aber bis dato hatte es noch nie ein Baby ans Rednerpult des Bundestags geschafft.
Die Vereinbarkeit von Job und Familie ist Steinmüller seit langem ein politisches Anliegen, schon vor der Sommerpause hatte sie ihren Nachwuchs gelegentlich mit ins Parlament gebracht. Nun setzte sie mit ihrer Rede ein weiteres Ausrufezeichen – das nicht allen gefiel.
Auf Instagram gibt es auch kritische Stimmen
Auf ihrem Instagram-Account wurde die Abgeordnete, die den Wahlkreis Berlin-Mitte vertritt, von vielen Kommentatorinnen und Kommentatoren gefeiert. Doch es gab auch zahlreiche kritische Stimmen, die sich Gedanken über das Wohl des Babys machten oder sich darüber echauffierten, dass es Frauen in anderen Berufen nicht so leicht hätten, ihre Kinder einfach mal an den Arbeitsplatz mitzubringen.
Dabei ist es genau das, was Steinmüller erreichen will: Dass mehr darüber geredet wird, wie sich das ändern lässt. Darüber, wie die Gründung einer Familie vom Arbeitgeber nicht mehr in erster Linie als Problem wahrgenommen wird. Darüber, wie Eltern unterstützt werden können und vor allem den Müttern der Druck genommen werden kann, ständig zwischen Kita-Öffnungszeiten, Karriere und Kuscheln jonglieren zu müssen.
Julia Klöckner lobt Hanna Steinmüller für die Rede mit Baby
Rückendeckung bekam sie von höchster Stelle. „Hanna Steinmüller hat das mit ihrem Kind bravourös gemeistert. Deshalb halte ich es auch für vertretbar, Säuglinge unter gewissen Umständen im Plenarsaal zuzulassen“, lobte Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) via Instagram.
Das etwa neun Monate alte Baby verhielt sich bei seiner Premiere im Plenum übrigens durchaus zivilisierter als so mancher Abgeordnete während der Debatten um den Haushalt. Zwischenrufe oder gar Geschrei seitens des Kindes wurden im Protokoll jedenfalls nicht aktenkundig. Ganz offensichtlich verschlief es die Rede zu großen Teilen in den Armen der Mutter.
Aufregend war der Tag also vor allem für Hanna Steinmüller selbst. „Wilder Tag. Wir freuen uns erstmal am Feierabend“, schrieb sie auf dem Heimweg zu einem Bild mit Kinderwagen und kündigte an, sich weiterhin mit dem Thema Vereinbarkeit zu beschäftigen. Damit es eines Tages keine Nachricht mehr wert ist, wenn ein Baby im Bundestag auftaucht.
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