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Nach der Entlassung von Richard Lutz: Bahnjahre der Unruhe – Ein neuer Chef mit besonderen Qualitäten gesucht

Deutsche Bahn

Bahnchef dringend gesucht (m/w/d)

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    Entlassen: Bahnchef Richard Lutz hat das Vertrauen von Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) verloren.
    Entlassen: Bahnchef Richard Lutz hat das Vertrauen von Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) verloren. Foto: Fabian Sommer/dpa

    Gerade zwei Wochen ist es her, dass Richard Lutz von seinem guten Verhältnis zu Verkehrsminister Patrick Schnieder gesprochen hat. „Wir haben uns kennengelernt. Das war persönlich ausgesprochen angenehm“, sagte Lutz bei der Präsentation der Halbjahresergebnisse der Bahn. „Wir spielen in derselben Mannschaft und haben dasselbe Trikot an.“ Nun spielt der Manager nicht mehr mit, Schnieder hat ihn ausgewechselt, um in der Sprache des Fußballs zu bleiben. „Die Lage bei der Bahn ist dramatisch“, begründete der CDU-Politiker den Rauswurf.

    Schnieders Verkehrsstaatssekretär Ulrich Lange hat klare Vorstellungen, was der neue Bahnchef mitbringen muss. „Wir brauchen als Vorstandsvorsitzenden einen Macher mit echten Managerqualitäten, der den komplexen Herausforderungen bei der DB gewachsen ist“, sagte der CSU-Mann unserer Redaktion. „Er oder sie muss den grundlegenden Neuanfang mit Elan, Mut und Ausdauer anpacken wollen“.

    Rote Karte für Bahnchef Lutz nach der EM

    Lange hatte Lutz schon im Sommer vergangenen Jahres wegen des Schienenchaos während der Fußball-Europameisterschaft die Rote Karte gezeigt und dessen Rücktritt gefordert. Reporter aus der ganzen Welt berichteten seinerzeit über schwer verspätete Züge und wartende Fans. Vergessen sie alles, was sie über Deutschland zu wissen glaubten, lautete der spottende Tenor der Berichte.

    Ulrich Lange ist Staatssekretär im Verkehrsministerium und für die Deutsche Bahn zuständig.
    Ulrich Lange ist Staatssekretär im Verkehrsministerium und für die Deutsche Bahn zuständig. Foto: Lange

    Die Ablösung dürfte für Richard Lutz dennoch nicht überraschend kommen. Im Koalitionsvertrag haben sich CDU/CSU und SPD auf eine grundlegende Bahnreform verständigt. „Hierzu sind sowohl personelle, rechtliche als auch organisatorische Maßnahmen zu ergreifen“, heißt es abstrakt. Für Lutz wurde der Passus nun konkret. Aus Sicht der Union ist er nicht der richtige Mann für den Umbau des Staatsunternehmens. Jahr um Jahr riss er die Ziele bei Pünktlichkeit und Wirtschaftlichkeit. Die Lage wurde trotz vieler Milliarden-Geldspritzen einfach nicht besser. Dass der 61-Jährige eine Neuaufstellung hinbekommen würde, trauten ihm die Verkehrsexperten von CDU und CSU nicht zu.

    Bitter für Lutz: Sein Sanierungskonzept S3 trägt erste Früchte. Im ersten Halbjahr konnte der Verlust halbiert werden. Statt 1,6 Milliarden betrug der Fehlbetrag nur noch 760 Millionen Euro. Die Bahn hat 3.000 Vollzeitstellen sozialverträglich abgebaut und durch Kostendisziplin 100 Millionen Euro gespart. Für das Gesamtjahr strebt der Vorstand eine schwarze Null im operativen Geschäft an. Das heißt, das Unternehmen würde vor Zinsen und Steuern kein Geld mehr verbrennen. Der Sparkurs soll noch zweieinhalb Jahre laufen und bis dahin 10.000 Vollzeitstellen ohne Kündigungen eingespart werden. „Bis Ende 2027 werden wir Wirtschaftlichkeit, Infrastruktur und Betrieb im DB -Konzern grundlegend sanieren“, erklärte Lutz bei der Vorlage der Zahlen.

    Die Schwachstelle der Deutschen Bahn: Hohe Unpünktlichkeit

    Die neue Führungsriege im Verkehrsministerium hat das nicht überzeugt. Staatssekretär Lange: „Das Sanierungskonzept von Richard Lutz ist eine eigene interne Strategie des Unternehmens und nicht der Bundesregierung. Mit dem Zustand der Bahn sind die Bevölkerung und wir gleichermaßen unzufrieden“.

    Lutz Schwachstelle ist die mangelnde Zuverlässigkeit im Fernverkehr. Im ersten Halbjahr rollten nur 63 Prozent der ICE und IC pünktlich in die Bahnhöfe ein, mehr als jede dritte Verbindung war unpünktlich. Das war nur minimal besser als in den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres. Die vom Vorstand versprochene Verbesserung konnte nicht erfüllt werden. Schwachpunkt 2: Die Gütersparte der Bahn kommt trotz jahrelanger Anstrengungen nicht aus den roten Zahlen. DB Cargo ist eine Dauerbaustelle wie der Bahnhof Stuttgart 21, dessen Inbetriebnahme jüngst ein weiteres Mal verschoben werden musste.

    Verkehrsminister Schnieder will am 22. September seinen Plan für die Bahnreform vorstellen und hofft, bis dahin einen Nachfolger für den Spitzenposten gefunden zu haben. Erwartet wird, dass noch weitere Manager aus dem Vorstand scheiden müssen. Alle Sparten, die Verluste einfahren, könnten neue Teil-Chefs bekommen. Bis es so weit ist, wird Richard Lutz das Unternehmen führen. Wenn sein Vertrag dann vorläufig aufgelöst wird, kann er sich auf eine millionenschwere Abfindung freuen.

    CDU und CSU hätten sich sogar eine Zerschlagung des kriselnden Staatsunternehmens vorstellen können. Die Gleise wären auf den Bund übergegangen, die Bahn wäre nur noch für die rollenden Abteilungen zuständig. Es ist die Sorge der Union, dass die vielen Milliarden aus dem Sondervermögen Infrastruktur in den Tiefen des Konzerns versickern. Gegen die Aufspaltung hat sich die SPD in Verbund mit der Eisenbahnergewerkschaft EVG gestellt. Die geplante Reform soll den Konzern dennoch entflechten, wenngleich alles unter einem Dach bleibt.

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