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Politisches Erdbeben: Grünen-Politikerin wird Keir Starmer gefährlich

Großbritannien

Politisches Erdbeben in England: Grünen-Politikerin wird Starmer bei Nachwahl gefährlich

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    Großbritanniens Premierminister Keir Starmer beim Krisentreffen in der region Manchester.
    Großbritanniens Premierminister Keir Starmer beim Krisentreffen in der region Manchester. Foto: Stefan Rousseau/PA Wire, dpa

    Als Hannah Spencer am Freitag in den frühen Morgenstunden vor die Kameras tritt, wirkt sie überwältigt von ihrem Sieg. In den vergangenen Wochen wurde sie als „Hannah, die Klempnerin“ bekannt, nun ist sie Abgeordnete der Grünen für den Wahlkreis „Gorton and Denton“. Ihr Manchester-Akzent ist unüberhörbar. Es ist ein Klang, wie man ihn aus den Songs von Oasis kennt und im Londoner Politikbetrieb selten hört. Inhaltlich setzt sie in ihrer kurzen Antrittsrede auf klassische Sozialpolitik. Die Menschen füllten mit ihrer Arbeit „die Taschen von Milliardären“.  Es sei keine extreme Position, wenn man erwarte, dass harte Arbeit zu einem guten Leben führe. Der Saal jubelt. 

    Rechtspopulisten von Reform UK und Grüne nehmen Labour-Partei in die Zange

    Für die sozialdemokratische Regierungspartei ist das Ergebnis in der einstigen Hochburg ein politischer Schock. Die Grünen kamen bei dieser Nachwahl auf rund 40 Prozent der Stimmen und liegen damit klar vor der rechtspopulistischen Partei „Reform UK“ unter dem einstigen Brexit-Aktivisten Nigel Farage.

    Labour hingegen fällt auf den dritten Platz zurück. Es ist das erste Mal seit nahezu hundert Jahren, dass das Gebiet um den Stadtteil Gorton in der Metropole im Nordwesten Englands nicht von den Sozialdemokraten im Unterhaus vertreten wird. Der Wahlforscher John Curtice spricht von einer „bemerkenswerten Leistung“ der Grünen. Für Premierminister Keir Starmer werde dieses Ergebnis das politische Leben jedoch „noch schwieriger“ machen. 

    Innerparteilicher Druck auf Starmer wächst

    Für den Regierungschef kommt die Niederlage zur Unzeit. Erst zu Monatsbeginn hatte er einen parteiinternen Putschversuch nur knapp überstanden. Nun melden sich Kritiker erneut zu Wort. Der schottische Labour-Abgeordnete Brian Leishman erklärte, es gebe „überhaupt keinen Zweifel“, dass die Wähler den Kurs der Parteiführung zurückgewiesen hätten. Starmer selbst räumte „ein sehr enttäuschendes Ergebnis“ ein. Auf die Frage, ob er einen Rücktritt erwäge, entgegnete er, er wolle für die Menschen „weiterkämpfen, solange ich noch einen Atemzug im Körper habe“. Noch stellt sich seine Fraktion hinter ihn – auch, weil derzeit kein klarer Nachfolger in Sicht ist.

    Auch für das britische Parteiensystem ist das Ergebnis von Bedeutung. Der Journalist Ben Riley-Smith sieht das traditionelle Zwei-Parteien-System, in dem sich Konservative und Labour seit Jahrzehnten in der Regierung abwechseln, unter „extremem Druck“. Reform UK gewinne rechts an Boden, die Grünen links, die Parteienlandschaft zersplittere. Für das Vereinigte Königreich, das klare Sieger und Verlierer gewohnt ist und nur begrenzte Erfahrung mit Koalitionsregierungen hat, wäre das eine neue politische Realität.

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