Als alles vorbei und der letzte Ton gespielt war, wurde es nochmal bewegend. In Sao Paolo, wo Oasis das letzte Konzert ihrer 41 Konzerte der Reunion-Tour gegeben hatten, platzten gerade die Feuerwerkskörper über dem Morumbi-Stadion, als Liam Gallagher seinem Bruder Noel sein Tamburin samt der Maracas-Rasseln schenkte. Normalerweise werden diese Insignien der Oasis-Regentschaft ins Publikum geworfen, wo sich die Fans dann darum streiten. An diesem Abend überreichte sie Liam an Noel. Jener Liam Gallagher, der 16 Jahre lang seinen Bruder als „schlecht gelaunten Zwerg“ bezeichnet hatte und dieser Noel Gallagher, der über Liam gewettert hatte, der sei „ein wütender Mann mit einer Gabel in einer Welt, die aus Suppe besteht“.
Es waren Streitigkeiten, die es unmöglich erschienen ließen, dass die Band wieder zusammenfinden könnte. Als im vergangenen Jahr die Nachricht die Runde machte, dass Oasis wieder auftreten werden, schien das unglaublich zu sein. Dass die Brüder die Tour, die sich über fünf Monate hinziehen sollte, aber tatsächlich zu Ende bringen würden, wirkte für manchen sogar ausgeschlossen. Die Buchmacher in Großbritannien boten Wetten darauf an, ob, wann und wie dieses fragile Gebilde Oasis mal wieder implodieren würde.
Liam Gallagher: Die Oasis-Reunion hat mein Leben gerettet
Nichts davon ist eingetreten, im Gegenteil. Für Gallagher-Verhältnisse war es geradezu ekstatisch, was auf der Bühne zu sehen war: Liam, der Noels Hand hochhebt, als sie in Cardiff zum ersten Konzert die Bühne betraten. Die Brüder, die sich umarmen, sich während des Auftritts sogar anlächeln. Angeblich soll sich der Kontakt abseits der Bühne zwar immer noch in Grenzen gehalten haben. Dass beide aber während der Welttour bemerkten, wie wichtig ihnen die Band ist, darf als gesichert gelten – einerseits wegen der geschätzten 50 Millionen Pfund, die jeder von ihnen mit der Reunion verdiente. Noel Gallagher ließ aber schon zu Beginn der Tour anklingen, dass ihn die Zeit reue, die er mit dem Streit verschwendet habe: „Ich habe gemerkt, wie wichtig mir das ist.“ Liam ging wie gewohnt noch eine Stufe weiter: Die Reunion habe nichts weniger als sein „Leben gerettet“.
Vier Millionen Menschen sahen sich weltweit die ausverkauften Konzerte an. Der Hype war gigantisch. Die Streaming-Zahlen von Hits wie „Don`t look back in anger“, „Supersonic“ oder „Wonderwall“ explodierten, Supermärkte benannten sich zu Ehren der Gallaghers um, stiernackige Türsteher weinten auf den Konzerten vor Freude wie Schlosshunde. Oasis waren wirklich zurück – und „die Liebe, die Freude, die Tränen und die Euphorie werden unvergessen bleiben“, wie die Band selbst verlauten ließ.
Neue Musik von Oasis soll es laut Liam Gallagher nicht geben
Und jetzt? Wie es weitergeht, ließen die Brüder offen. Man wolle sich Zeit nehmen für eine gezielte Reflexion, heißt es in dem wie stets knappen Statement. Bei Liam scheint diese Phase der Reflexion aber bereits abgeschlossen zu sein, wie er kürzlich auf auf dem Social-Network X verlauten ließ. Neue Musik werde es weiterhin nicht geben: „Die wäre nicht so gut wie das alte Zeug.“ Es gebe ohnehin so viele Hits aus alten Zeiten, die nicht gespielt wurden.
Auf die Nachfrage eines Fans, was er sich zu Weihnachten wünsche, antwortete Liam: „Eine Tour durch Europa.“ Die Konzerte des Jahres 2025 führten die Band nach Wales, England, Schottland und Irland – nun also „der Kontinent“, wie man auf der Insel sagt? Und auf die Gegenfrage eines Fans, ob er das denn sagen dürfe, schrieb Liam: „Ich darf träumen, so wie du.“ Er liebe „Europe“, es sei sein „Lieblingsland“. Ach ja.
Tatsächlich halten sich seit geraumer Zeit Gerüchte über Konzerte in Rom, Paris, Madrid. In Deutschland soll angeblich Frankfurt das Ziel sein, am 12. Juni. Ob das stimmt? Wer weiß das schon. Offiziell wird nichts bestätigt oder dementiert, warum auch. Mit diesem Konzept ließ sich auch 16 Jahre lang der Hype um eine Reunion am Leben erhalten – damit würden sich notfalls auch einige Monate des Wartens auf eine neue Tour überbrücken lassen.
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