Startseite
Icon Pfeil nach unten
Politik
Icon Pfeil nach unten

Proteste im Iran: Regime lässt Protestierende töten

Iran

Machtkampf in Iran eskaliert – Kronprinz und Regime kämpfen um Kontrolle

  • |
  • |
  • |
  • |
    Reza Pahlavi, der Sohn des gestürzten iranischen Schahs, sieht sich als Anführer der Opposition.
    Reza Pahlavi, der Sohn des gestürzten iranischen Schahs, sieht sich als Anführer der Opposition. Foto: Thomas Padilla, AP/dpa

    „Ich werde heimkehren“, sind die Worte von Reza Pahlavi. Der Sohn des letzten Schahs macht den Iranern von seinem Exil in den USA aus Hoffnung, die Herrschaft des schiitischen Klerus bald abschütteln zu können. Das war im Jahr 1986, und damals wurde nichts aus dem Umsturz. Jetzt meldet sich der inzwischen 65-jährige Kronprinz wieder zu Wort und präsentiert sich als Anführer der Opposition. Erneut verspricht er, bald zurückzukehren. Aber in seiner Heimat ist er umstritten. Manche Iraner sehen ihn als Retter der Nation, andere als Marionette der USA und Israels.

    Das Regime zeigte nach dem Ausbruch der Proteste vor zwei Wochen zunächst Verständnis für die Demonstrationen gegen steigende Preise und sinkende Lebensstandards. Doch die Kundgebungen, bei denen auch der Sturz der Regierung gefordert wird, ließen sich nicht eindämmen. Inzwischen drohen die Machthaber den Demonstranten mit der Todesstrafe.

    Die Zahl der Toten steigt

    Trotzdem gingen die Iraner in der Nacht zum Sonntag wieder auf die Straßen, so wie seit zwei Wochen täglich. Exil-Menschenrechtler berichten, 116 Menschen seien bei Auseinandersetzungen mit staatlichen Einsatzkräften getötet worden. Möglicherweise gibt es viel mehr Opfer: Die britische BBC meldete unter Berufung auf Ärzte, allein am Freitag seien 70 Leichen in eine Klinik in der nordiranischen Stadt Rascht gebracht worden. Eine Bestätigung gab es nicht, seit Donnerstag sind die Internet- und viele Telefonverbindungen im Iran unterbrochen.

    Pahlavi erklärte auf der Plattform X, er wisse von „vielen“ Deserteuren bei der Polizei. Er rief für Sonntagabend zu neuen Protesten auf. Westliche Experten sehen Anzeichen dafür, dass iranische Einsatzkräfte mancherorts gegen die Demonstranten den Kürzeren ziehen. In einigen Städten hätten sich die Truppen zurückziehen müssen, weil sie keine Verstärkung erhielten, teilte die US-Denkfabrik Institut für Kriegsstudien mit.

    Der Oberste Führer Ali Khamenei hatte am Freitag erklärt, der Staat werde nicht zurückweichen. Das deutet darauf hin, dass er sich vor allem auf die Elitetruppe des Regimes, die Revolutionsgarde, stützen will. Sie hat bereits mehrere Aufstände niedergeschlagen. US-Präsident Donald Trump droht mit einer Militärintervention und hat sich laut New York Times von seinen Generälen verschiedene Optionen vorlegen lassen. Pahlavi lobte Trumps Bereitschaft, den Demonstranten zu helfen.

    Donald Trump will Pahlavi bisher nicht treffen

    Der Kronprinz hatte den Iran im Jahr 1978 verlassen, um sich in den USA zum Kampfpiloten ausbilden zu lassen. Ein Jahr später musste sein Vater Mohammad Reza Pahlavi den Pfauenthron aufgeben und ins Exil gehen, wo er ein Jahr später starb. Nach fast 50 Jahren im Exil sieht Kronprinz Pahlavi jetzt die Chance auf Heimkehr. Bei den Protesten ist mehrmals der Ruf nach Wiedererrichtung der Monarchie zu hören gewesen. Pahlavi feuert die Demonstranten über die sozialen Medien an. Die Iraner sollten ganze Innenstädte „erobern und halten“, sagte er am Wochenende. Später ruderte er wohl angesichts der Gefährdung der Demonstrierenden zurück.

    Wie viel Unterstützung Pahlavi im Iran genießt, ist ungewiss. Sein Vater wurde von den USA, Großbritannien und Israel unterstützt und ließ in den fast vier Jahrzehnten seiner Herrschaft viele Menschen foltern und töten. Die Revolution von 1979 wurde nicht nur vom schiitischen Klerus getragen, der später die Macht eroberte, sondern von vielen Gruppen der Gesellschaft. Gegen Pahlavi spricht auch, dass er wegen seines langen Exils den Iran von heute kaum kennt. Die Mehrheit der Bevölkerung wurde nach der Revolution geboren. Bislang hat er es nicht geschafft, die Opposition zu einen. Die Zweifel an ihm sind so groß, dass auch Trump ein Treffen mit Pahlavi ablehnt.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 1 Kommentar
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren