„Die härteste Tür Berlins hat seit dem 20. Januar 2022 nicht mehr das Berghain. Die neue Location, zu der nur wenige auserwählte Menschen Zugang haben, heißt allerdings auch wie ein Techno Club aus den 90er Jahren: der Bunker.“ Mit einer besonderen Überraschung startet das AZ Live am Dienstagabend in der Stadtbücherei Augsburg: Statt der gewohnten Einstiegsfrage erwartet die Gäste eine Lesung. Top-Journalist Robin Alexander – stellvertretender Chefredakteur der Zeitung Welt, Autor, Podcast-Host und Polit-Talkshow-Gast – der an diesem Abend auf der Bühne steht, liest zu Beginn das Kapitel „Bunkerrunde“ aus seinem neuesten Buch „Letzte Chance“ vor.
Zu Beginn las Robin Alexander an seinem neuen Buch „Letzte Chance“
Mit viel Witz und exklusiven Einblicken zeichnet er nach, wie es einem geheimen Komitee der Bundesregierung – der sogenannten „Bunkerrunde“ – gelang, die Gasspeicher trotz des russischen Angriffskriegs zu füllen. In der Krise, so sein Fazit, habe die Bundesregierung zwar holprig, aber letztlich wirkungsvoll gearbeitet – ein fast schon optimistisches Resümee. Damit legt er die Basis für eine Fragerunde, die ebenso konstruktiv, faktenbasiert und humorvoll ist und in der es an klaren Meinungen nicht fehlt.
Gemeinsam mit Chefreporterin Stephanie Sartor und Chefredakteur Peter Müller ordnete Robin Alexander – passend zum zentralen Thema „Merz und die Große Koalition“ – die politische Lage ein. Ausgangspunkt war die Frage, warum der Start von Friedrich Merz als Kanzler so ambivalent wirkt. Der Unterschied zu seinen Vorgängern Olaf Scholz und Angela Merkel, so Alexander, liege darin, dass Merz im Gegensatz zu ihnen Erwartungen wecke – während Scholz und Merkel meist aktiv versucht hätten, genau das zu vermeiden. Diese Erwartungen könnten dann, so seine Analyse, angesichts der allgemeinen politischen Lage nie vollständig erfüllt werden.
Die Veranstaltung in Augsburg mit Robin Alexander war ausverkauft
Im Anschluss ging es um Fragen aus der Bundes-, Welt- und Gesellschaftspolitik – von der AfD über Migration bis hin zur Situation in den USA oder Frankreich. Aber auch seine Arbeit als Journalist, Autor und Podcast-Host wurde immer wieder aufgegriffen. Das scheinbar Allwissende des Politik-Erklärers fasziniert offenbar viele – wie die ausverkauften Plätze, das bunt gemischte Publikum und die zahlreichen Fragen zeigen, die bereits im Voraus an die Redaktion geschickt und nun vorgelesen wurden.
Die Fragen der Zuschauer und Zuschauerinnen waren sehr divers
Die zweite Hälfte des Abends konzentrierte sich ganz auf die Zuschauerinnen- und Zuschauerfragen, die auf Bierdeckel geschrieben und dann an das Moderationspaar weitergegeben wurden. Auffallend war die Diversität der gestellten Fragen: Globalpolitische Themen wie die Taurus-Lieferungen oder die schrumpfende politische Mitte weltweit wurden ebenso angesprochen wie bundespolitische Fragen. Etwa, ob sich die SPD auf die Union zubewegen müsse, um das AfD-Wachstum einzudämmen, oder welche Relevanz FDP und BSW künftig noch haben werden.
Gesellschaftspolitische Themen kamen zur Sprache, etwa die Einordnung des Begriffs „konservativ“ oder das Gendern. Und die Klimakrise wurde thematisiert. Auch der Humor kam nicht zu kurz: „Wenn Merz scheitert, wird dann Söder Kanzler?“, lautete eine Frage mit Augenzwinkern. „Das würde er sich auf jeden Fall wünschen“, konterte Alexander lachend. Zwischen Applaus und Gelächter fand der Abend seinen Ausklang – für viele mit einem frisch signierten Buch als Erinnerung.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren