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Trotz vieler Ärzte in Bayern sind die Wartezeiten auf einen Facharzt oft lange

Gesundheit in Bayern

In Bayern warten manche monatelang auf Arzttermine – obwohl es genug Ärzte gibt

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    Gerade wer einen Facharzt beziehungsweise eine Fachärztin in der Neurologie, Rheumatologie, Psychiatrie, HNO, Dermatologie oder Urologie braucht, muss häufig mit langen Wartezeiten auf einen Behandlungstermin rechnen.
    Gerade wer einen Facharzt beziehungsweise eine Fachärztin in der Neurologie, Rheumatologie, Psychiatrie, HNO, Dermatologie oder Urologie braucht, muss häufig mit langen Wartezeiten auf einen Behandlungstermin rechnen. Foto: Rolf Vennenbernd, dpa

    Mit der fachärztlichen Versorgung sind in Bayern viele unzufrieden. Das meldet die Technikerkrankenkasse (TK). Sie schreibt: Obwohl Bayern im Bundesvergleich gut mit Fachärztinnen und -ärzten versorgt sei, warten 48 Prozent der Patientinnen und Patienten länger als vier Wochen auf einen Behandlungstermin – 31 Prozent der Befragten sogar mehrere Monate. Dies habe eine bundesweit repräsentative Forsa-Befragung im Auftrag der TK ergeben.

    Rechnerisch liegt Bayern im bundesweiten Vergleich auf Platz zwei hinter Hessen

    „Die Terminprobleme bei den Facharztpraxen im Freistaat sollten nicht daran liegen, dass es zu wenig Ärztinnen und Ärzte im Freistaat gibt“, sagt Dr. Gabriele Gonschor, Leiterin des regionalen Versorgungsbereichs der TK in Bayern. Rechnerisch waren demnach am 31. Dezember 2024 rund 23.000 Ärztinnen und Ärzte Vollzeit tätig im niedergelassen ambulanten Bereich. Davon entfielen über 14.500 auf Facharztpraxen und knapp 8.500 auf Hausarztpraxen. Das ergebe die sogenannte „Bedarfsplanungsgewichte-Statistik“ der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), die Vollzeitadäquate ausweist. Mit rechnerisch 228,3 Vollzeitärztinnen und -ärzten auf 100.000 Einwohner liege Bayern bei den Flächenbundesländern nur knapp hinter Spitzenreiter Hessen (228,6) auf Platz zwei.

    Die Zahl der Arztbesuche hat sich in den letzten 30 Jahren fast verdoppelt

    Doch auch bei der Bayerischen Landesärztekammer heißt es auf Nachfrage unserer Redaktion, „dass das System der schnellen Terminvergabe zunehmend an seine Grenzen stößt“. Gründe dafür seien unter anderem eine deutlich gestiegene Inanspruchnahme ärztlicher Leistungen. „Heute suchen Menschen in Deutschland im Schnitt rund zehnmal pro Jahr eine Arztpraxis auf, fast doppelt so häufig wie vor dreißig Jahren.“ Außerdem nehmen chronische Erkrankungen wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu. Ebenso psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen. Doch auch demografische Entwicklungen, aber auch medizinische Fortschritte, die zu mehr Diagnostik und Behandlungen führen, spielten hier eine Rolle. Nicht zu vergessen sei der Trend zu Teilzeitarbeit und zu Anstellungen innerhalb der Ärzteschaft.

    „Was nützt die beste OP, wenn es keine Termine für anschließende Krankengymnastik, Lymphdrainage oder Manuelle Therapie gibt?“

    Carola Sraier, Unabhängige Patientenberaterin

    Die unabhängige Patientenberaterin Carola Sraier bestätigt die langen Wartezeiten: „Besonders dramatisch ist die Lage in unterversorgten Regionen Bayerns wie etwa im fränkischen Kronach.“ Auch in ländlichen Regionen Schwabens müssten viele Erkrankte oft lange auf einen Facharzttermin warten. Engpässe gebe es seit Jahren in der Neurologie, Rheumatologie, Psychiatrie, HNO, Dermatologie, Urologie und bei Psychotherapeuten und Heilmittelerbringern, wie Physio-, und Ergotherapeuten. „Was nützt die beste OP, wenn es keine Termine für anschließende Krankengymnastik, Lymphdrainage oder Manuelle Therapie gibt?“, sagt Sraier.

    Carola Sraier ist Gesundheitswissenschaftlerin und arbeitet seit 2006 als Patientenberaterin in München und Augsburg. Sie ist auch die Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft der Patientenstellen (BAGP).
    Carola Sraier ist Gesundheitswissenschaftlerin und arbeitet seit 2006 als Patientenberaterin in München und Augsburg. Sie ist auch die Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft der Patientenstellen (BAGP). Foto: wort & Bild Verlag

    „Eine Verbesserung der Situation sehen wir seit Jahren nicht, auch wenn die Terminservicestellen der KVB bei der Suche nach einer Arzt-Praxis und einem Arzt-Termin unterstützen“, erklärt Sraier. „Aus unserer Erfahrung ist das Engagement der Hausarztpraxen allerdings auch nur sehr begrenzt vorhanden und lässt die Erkrankten allein.“ Daher sieht sie das politische Ziel, eine stärkere Steuerung durch ein Primärarztsystem kritisch: „Sollte eine hausärztliche Praxis künftig als Dreh- und Angelpunkt der zielgerichteten Patientensteuerung fungieren, dann bräuchte es strukturelle Rahmungen, Versorgungsleitlinien und ausreichend qualifiziertes Praxispersonal, welche diese wichtige Lotsenfunktion übernehmen kann. Für uns ist ein Primärarzt zu wenig realistisch.“

    Dabei hätte für die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele, „eine patientenzentrierte Primärversorgung“ viele Vorteile, um Patientinnen und Patienten „durch den unübersichtlichen Dschungel unseres Gesundheitssystems“ zu begleiten. „Damit können unnötige Behandlungen reduziert und Medikationen besser aufeinander abgestimmt werden. Häufig werden Patientinnen und Patienten von Praxis zu Praxis geschickt, bis sie eine Diagnose oder Behandlung erhalten. Hier ließen sich überflüssige Ärztekontakte und damit Wartezeiten begrenzen, ohne die Versorgung der Menschen einzuschränken.“

    Verena Bentele, die Präsidentin des größten deutschen Sozialverbandes VdK, fordert eine einheitliche Krankenversicherung.
    Verena Bentele, die Präsidentin des größten deutschen Sozialverbandes VdK, fordert eine einheitliche Krankenversicherung. Foto: VdK

    Bentele weiß auch: „Wer gesetzlich krankenversichert ist, wartet wesentlich länger auf einen Facharzttermin als Privatversicherte.“ Es lohne sich deshalb, „mit Nachdruck daran zu erinnern, dass Kassenärztinnen und -ärzte gesetzlich verpflichtet sind, die medizinische Versorgung der gesetzlich Versicherten sicherzustellen“. Eine einheitliche, solidarische Krankenversicherung, in die auch bislang privat Versicherte einzahlen, wäre aus ihrer Sicht sozial gerecht und würde zu einer besseren Versorgung führen.

    „Wir brauchen nicht nur einen Krankenhausreform, sondern eine Versorgungsreform, damit alle im stationären und ambulanten Bereich künftig zusammenarbeiten.“

    Ruth Waldmann, gesundheitspolitische Sprecherin der SPD im bayerischen Landtag

    Auch bei der SPD fordert man eine Bürgerversicherung, betont Ruth Waldmann, gesundheitspolitische Sprecherin der Partei im bayerischen Landtag. Für sie zeigt die TK-Umfrage: „Dass es nichts nützt, auf Statistiken zu verweisen, wonach die medizinische Versorgung in Bayern doch gut ist, weil dies mit der Realität der Patienten nichts zu tun hat.“ Das Hauptproblem liegt für sie darin, dass im Gesundheitswesen jede Sparte für sich kämpfe: „Daher brauchen wir nicht nur eine Krankenhausreform, sondern eine Versorgungsreform, damit alle im stationären und ambulanten Bereich künftig zusammenarbeiten.“

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