Die Veranstaltung mit ultrarechten Influencern im Weißen Haus lief schon seit einer Stunde, und Donald Trump kämpfte erkennbar mit der Müdigkeit, als ihm sein Außenminister Marco Rubio unvermittelt eine handgeschriebene Notiz reichte. Der Präsident nickte beim Lesen und ergriff mitten in der Debatte das Wort: „Ich habe gerade eine Nachricht vom Außenminister erhalten, dass wir kurz vor einer Einigung über den Nahen Osten stehen und sie mich ziemlich schnell brauchen“, sagte er plötzlich hellwach. Kurz darauf entschwand er.
Was genau auf dem Zettel stand, konnte ein Fotograf der bei Trump in Ungnade gefallenen Nachrichtenagentur AP mit einem starken Teleobjektiv festhalten: „Sie müssen bald einen Truth-Social-Beitrag freigeben, damit Sie den Deal als Erster bekanntgeben können“. Das tat der Präsident dann um 18.51 Uhr amerikanischer Zeit: „Ich bin sehr stolz darauf bekanntzugeben, dass sowohl Israel als auch die Hamas die erste Phase unseres Friedensplans unterzeichnet haben“, erklärte er. Der Schlusssatz („Gesegnet seien die Friedensstifter“) dürfte die eigene Person eingeschlossen haben.
Trump fordert beharrlich den Friedensnobelpreis für sich
Wenn der vereinbarte Waffenstillstand hält, wäre dies tatsächlich ein politischer Triumph. Seit seinem Amtsantritt fordert Trump den Friedensnobelpreis für sich. Er brüstet sich damit, in sieben Monaten sieben Kriege beendet zu haben. An diesem Freitag wird der diesjährige Preisträger bekanntgegeben. Der US-Präsident dürfte es wohl nicht sein. Aber kaum ein Beobachter in Washington möchte derzeit dagegen wetten, dass er 2026 ernste Chancen hätte.
Einstweilen feiert Trump einen historischen Durchbruch. „Das ist eine unglaubliche Sache“, schwärmte er am Mittwoch auf seinem Haussender Fox News. Auffällig war freilich, dass der Präsident das Eigenlob dosierter einsetzte als sonst. Zur Vermittlung des Deals gehöre „eine Menge Talent“, erklärte er: „Aber da ist auch ein gewisses Maß an Glück dabei.“
Auch der US-Präsident weiß: Auch andere Nationen haben ihren Anteil an dem Deal
Die ungewohnte Bescheidenheit dürfte dem Wissen entsprungen sein, dass andere Nationen einen erheblichen Anteil an dem Deal hatten. Mehrfach betonte Trump: „Die ganze Welt ist zusammengekommen“. Damit spielte er auf die Rolle der arabischen und muslimischen Staaten an, die sich als Vermittler betätigten.
Trump hat beim Nahost-Thema durchaus eine Lernkurve hingelegt. Noch im Februar hatte er im Beisein von Netanjahu in Washington über die Umsiedlung der Palästinenser aus dem Gazastreifen und die Errichtung einer „Riviera des Nahen Ostens“ im US-Besitz fabuliert. Lange ließ er dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu freie Hand bei dessen immer aggressiverem Vorgehen gegen die palästinensische Zivilbevölkerung.
Der Nahe Osten war für Trump immer mit eigenen Geschäftsinteressen verbunden
Für Trump war der Frieden im Nahen Osten immer mit eigenen Geschäftsinteressen verknüpft. Nicht zufällig führten der mit ihm befreundete Immobilieninvestor Steve Witkoff und sein Schwiegersohn Jared Kushner, der in der Region Milliarden investiert hat, die Verhandlungen. Der israelische Luftangriff auf ein angebliches Hamas-Versteck in Katars Hauptstadt Doha Anfang September, der Trumps arabische Geschäftspartner empörte, scheint deshalb eine Wende im nachgiebigen Verhältnis zu Netanjahu herbeigeführt haben.
Drei Wochen später besprach Trump am Rande der UN-Vollversammlung in New York einen 20-Punkte-Friedensplan mit arabischen und muslimischen Staatenlenkern. Kurz darauf empfing er Netanjahu zwar demonstrativ freundlich im Weißen Haus. Er verlangte von dem Israeli aber eine Entschuldigung bei Katar. Anschließend präsentierten beide Politiker den Friedensplan. Am Wochenende will Trump nach Israel fliegen. An großen Worten wird es ihm dann bestimmt nicht fehlen.
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