Salma hat es sich auf den großen, bestickten Kissen bequem gemacht, und noch so viele Wünsche der Touristen nach Fotoposen können sie nicht aus der Ruhe bringen. Die 61-jährige Beduinin ist ganz bei sich, hier in ihrer Hütte aus Palmblättern in der Wüste Wahiba Sands im Osten des Oman. Auf einem langen Tisch hat Salma das Kunsthandwerk ausgestellt, das sie selbst fertigt und verkauft: Körbchen aus Kamelhaut, Safranöl, Armreifen und „Schlüsselanhänger“, wie sie in fast akzentfreiem Deutsch sagt und dazu verschmitzt lacht.
In die Sanddünen in der Wüste Wahiba Sands fegt der Wind immer neue Muster
Es hat über 40 Grad im Schatten, aber Salma braucht keine Klimaanlage. In der Wohnung ihrer Familie, unweit in Biddaya hätte sie allen Komfort, aber sie ist lieber in der Natur, wie schon ihr ganzes Leben lang. Nahe bei den Tieren, die ihre Familie versorgen, umgeben von riesigen Sanddünen, die in den unterschiedlichsten Gold-Orange-Ockertönen schimmern und in die der Wind immer neue Muster fegt.
Hier ist die Frau im schwarzen Kleid und mit der Gesichtsmaske in ihrem Element. Das spürt man an der Ruhe, die sie ausstrahlt, das spürt man auch an der Bereitschaft, mit der sie von ihrem Leben erzählt. Vom einfachen Leben in der Wüste: „Wenn man Zwiebeln zum Kochen hatte, war es etwas Besonderes.“ Als junges Mädchen wanderte sie mit der Familie von Wasserstelle zu Wasserstelle, heute hat sich das Beduinenleben verändert. Nun ist man auch mit dem Geländewagen unterwegs in der Wüste. Die Dromedare, die sie im Oman Kamele nennen, obwohl sie nur einen Höcker haben, liegen vor der Hütte und sind für die Touristen ein dekoratives Fotomotiv. Es gibt Strom, und selbst in entlegenen Gebieten findet das Handy, das neben Salma auf dem Kissen liegt, noch ein Netz. „Alhamdulillah (Gott sei gelobt)“, sagt sie, „ich erlebe beides, die Tradition und den Fortschritt, ich bin zufrieden.“
Sultan Qaboos machte den Oman zur „Schweiz des Nahen Ostens“
Der Mann, der den Oman in die Moderne geführt hat, ist Sultan Qaboos. Kommt die Rede auf ihn, ist größte Ehrfurcht und Zuneigung zu spüren, und noch immer hängt in jedem Laden, in jedem Restaurant und Hotel sein Bild an der Wand, obwohl er vor bald sechs Jahren gestorben ist und sein Cousin Haitham ihm auf den Thron folgte. 1970 drängte der junge, in England ausgebildete Qaboos seinen rückständigen Vater aus dem Amt. Drei Schulen und ein Krankenhaus gab es damals im Land, mittlerweile zählt man im Oman gut 1500 Schulen und an die 500 Krankenhäuser. Die Behandlungen sind übrigens kostenfrei.
Unter der Herrschaft von Qaboos entwickelte sich der Oman dank des Geldes, das die reichen Erdöl- und Erdgasvorkommen dem Land an der Südostküste der arabischen Halbinsel einbringen, zu einem modernen und stabilen Staat. „Die Schweiz des Nahen Ostens“ ist zum geflügelten Wort geworden, wenn die Sicherheit und Sauberkeit des Landes gepriesen werden, das sich auch für den Tourismus öffnete – im Gegensatz zu den benachbarten Emiraten allerdings nicht mit Protz und gigantischen Luxusprojekten, sondern mit Rücksicht auf die jahrtausendealte Tradition, die die Omaner stolz zur Schau tragen.
Früher war der Krummdolch eine Waffe, heute ist er ein Statussymbol im Oman
So prägen das Straßenbild in der Hauptstadt Maskat die Männer in ihren langen weißen Gewändern und mit dem Turban auf dem Kopf. Im Gürtel tragen sie den Krummdolch, früher die traditionelle Waffe, heute nur noch Statussymbol; ebenso einen Stab mit gebogenem Ende, der zwar aussieht wie ein Spazierstock, den man aber keinesfalls für einen halten sollte. Früher diente er dazu, die Tiere zusammenzutreiben, heute tragen ihn die Omaner als lässiges Accessoire und als Zeichen ihrer Tradition.
Nun gut, ein wenig Prunk gönnte Sultan Qaboos seinen Landsleuten und den Besuchern, des Landes doch auch: Das 2011 erbaute Opernhaus ist mit seinen Holzbalkendecken und Schießscharten architektonisch den Festungen des Landes nachempfunden. Die Moschee in der Hauptstadt, die auch des Sultans Namen trägt, ist eine palastähnliche Anlage aus weißem Sandstein, von der man im gleißenden Sonnenlicht erst einmal geblendet ist. Fünf Minarette für die fünf Säulen des Islam säumen die große Kuppel, die sich über den Gebetsraum der Männer erhebt. In ihr schwebt ein acht Tonnen schwerer Leuchter aus Millionen funkelnder Steine der Firma Swarovski, der auch die übrige Pracht zum Strahlen bringt: die bunten Mosaike, die im Iran geknüpften Teppiche. 20.000 Gläubige finden auf dem weitläufigen Areal der Moschee Platz, bei den Freitagsgebeten und zu hohen Feiertagen wird jeder Meter genutzt.
30 Prozent der omanischen Bevölkerung, rund 1,5 Millionen Menschen, leben in der Hauptstadt, entsprechend dünn besiedelt ist der Rest des Landes. Die Menschen wohnen in Häusern mit zwei Geschossen, obendrauf der obligatorische Turm für das Wasserreservoir, drumherum eine Mauer als Schutz vor den tagsüber frei herumlaufenden Schafen und Ziegen. Kleine Dörfer und einzelne Siedlungen reihen sich so entlang der Straßen. Die sind mitnichten Rumpelwege, wie man es im Hinterland von so manchem südeuropäischen Land gewohnt ist. Ein gut ausgebautes Straßennetz mit Beschilderung auch in arabischer und lateinischer Schrift durchzieht das Land. Man fährt auf Autobahnen, die in besserem Zustand sind, als man es in Deutschland kennt. Will man nicht zur Rushhour nach Maskat hinein, sind sie meist auch ziemlich leer.
In den Wadis kann man zwischen Felsen schwimmen
Ein Erlebnis ist eine Fahrt in einen der zahlreichen Wadis, wie die wasserreichen Oasen genannt werden. Wasserfälle stürzen Felswände hinab, Mangos und Orangen, Bananen und Papayas gedeihen in diesen ausgetrockneten Flusstälern, in denen sich das Wasser oft in tiefen Bassins sammelt – Naturschwimmbäder, an denen Einheimische und Touristen ihre Freude haben in der arabischen Hitze. Natürlich mit entsprechender Badekleidung.
Sogar an behelfsmäßige Umkleidekabinen ist im Wadi Bani Khaled gedacht – so steht einem beeindruckenden Badeerlebnis nichts mehr im Weg. Durch enge Schluchten schwimmt man von Becken zu Becken, beäugt und beneidet von denen, die sich auf den ausgewaschenen Steinen niedergelassen haben und nur ihre Zehen ins Wasser stecken. So verführerisch ist das, dass mancher schnell in Leggings und T-Shirt ins Wasser hineinhüpft - auch wenn man sich danach wie ein begossener Pudel von der Sonne trocknen lassen muss.
Wasser ist im Oman ein jahrhundertealtes Thema, nicht nur, weil sich das Land über 1700 Kilometer an der südöstlichen Küste der arabischen Halbinsel erstreckt. Schon die Vorfahren der heutigen Omaner erdachten in der heißen und regenarmen Region ein ausgeklügeltes System aus Kanälen, das Aflaj-System, das auch abgelegene Dörfer in den Bergen mit Wasser versorgte. Es ist Unesco-Welterbe und vielerorts heute noch in Betrieb. Die Wasserläufe durchziehen die künstlich angelegten Terrassen im Hadschar-Gebirge rund um den Jebel Akhdar.
Dort, wo die steilen Berghänge eigentlich keinen Ackerbau zuließen, haben die Menschen Terrassen in den Fels geschlagen, um das knappe Wasser optimal zu nutzen für eine Bewirtschaftung. Ein Wanderweg führt durch die drei Dörfer Al Uqr, Al Ein und Al Shriga. Kinder bieten dort köstliche Granatäpfel an, und manchmal kann es passieren, dass der Pfad auf einmal vor einem der gefluteten Wasserkanäle endet. Dann bleibt nur eine Wahl: durchwaten oder breitbeinig darüber hochkraxeln. Wenn man es geschafft hat, ist der Ausblick grandios auf die schroffen Felswände, die sich vor dem Auge auffalten. Ein Ausblick, den übrigens auch schon Prinzessin Diana genossen hat. Sie war dort 1986 zu Gast und campierte eine Nacht in den Bergen. Das Luxushotel, das heute den „Dianas View Point“ vermarktet, gab es damals allerdings noch nicht.
Etwa zwei Stunden südlich des Hadschar-Gebirges liegt Nizwa, bis ins 18. Jahrhundert Hauptstadt des Oman und eine entspannte Variante der Metropole Maskat, das macht sich auch im Souq bemerkbar. Unbehelligt von Verkäufern schlendert man durch die Hallen, erfährt, wie die traditionelle Süßspeise Halwa hergestellt wird, streicht über weiche Kaschmir-Schals, legt Silberschmuck an, dessen Preis nach Gewicht berechnet wird, und probiert Datteln, die hier die besten sein sollen, weil es in dieser Region viel Süßwasser gibt. Ein orientalisches Kaufhaus ist dieser Souq, ein Shopping-Erlebnis für alle Sinne.
Je heller und klarer der Weihrauch, desto besser die Qualität
Am Stand von Said stapeln sich die Säckchen mit Weihrauch, dem Duft, der den Oman bis in den letzten Winkel durchzieht. „Je heller und klarer das Harz, desto besser ist der Weihrauch“, erklärt Said die Qualitätsunterschiede. Die fast weißen Weihrauchbrösel sind, aufgelöst in einem Glas Wasser, beste Medizin gegen Halsschmerz und Erkältung, verrät er auch noch. Im Oman ist das, wie so vieles, eine über Jahrhunderte gepflegte Tradition.
Die Autorin recherchierte auf Einladung von Gebeco und Oman Air.
Anreise: Oman Air fliegt derzeit fünfmal in der Woche ab München in sechseinhalb Stunden direkt nach Maskat. Weitere Direktflüge gibt es ab Frankfurt.
Einreise: Bei einem Aufenthalt bis 14 Tage benötigen Reisende kein Visum, aber folgende Unterlagen: mindestens sechs Monate gültiger Reisepass, englische Bestätigung einer Auslandskrankenversicherung, Beleg über gebuchte Rückreise und gebuchte Hotels.
Veranstalter: Gebeco etwa bietet eine zehntägige Studienreise mit u.a. Aufenthalten in Maskat, Wahiba Sands und Nizwa ab ab 2945 Euro an. www.gebeco.de
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