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Immer mehr 5-Sterne-Hotels eröffnen am Gardasee: Wird der Urlaub dort nun teurer?

Gardasee

Urlaub am Gardasee: Immer mehr neue Luxushotels, wie verändert sich die Stimmung?

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    Der Punta San Vigilio soll ein großes Luxus-Resort werden
    Der Punta San Vigilio soll ein großes Luxus-Resort werden Foto: Frank Krautschick - stock.adobe.com

    Es lag eine gewisse Kühle auf der Haut, als die ersten Gardasee-Touristen kamen: Ibsen, Kafka und Rilke, Nietzsche, D. H. Lawrence, Thomas und Heinrich Mann wurden vom milden Winter angezogen. Erst in den 1950er Jahren hielt der Sommer- in Form von Camping-, in den 1960er Jahren der Albergo-Tourismus Einzug. Mit der Mistgabel verscheuchte man die Kühe, um Platz für Zelte zu machen. Später wurde das Kinderzimmer im Sommer vermietet, um den Besuchern ein Bett anbieten zu können. Erst nach und nach entstanden kleine Hotels mit ein paar Zimmern.

    Die Liebe zum Gardasee hält seit Generationen an

    Aus einer „Casa Bottura“ für 30 Mark die Nacht ist beispielhaft ein hübsches Vier-Sterne-Hotel mit Pool geworden. Die Gäste von damals sind längst Opa und Oma und haben ihre Liebe zum Gardasee und dem sanften italienischen Flair in ihre Kinder weitergegeben. Die Tochter war vielleicht schon im Bauch ihrer Mutter mit am See und nach ihrer Geburt die folgenden 34 Jahre in den Ferien immer wieder da, ehe sie – selbst schwanger – den Lago-Kreislauf weiter ankurbelt … Der Gardasee verkörperte schließlich immer ein Stück erschwingliches Italien, das Generationen übergreifend geradezu geliebt wurde. Noch dazu war dieser Hauch von Süden immer schnell erreichbar. Fünf, sechs Stunden und man war am Ziel, außer am Brenner war mal wieder Stau.

    Der Urlaub am Gardasee wird nobler

    Wohnwagen auf einem Campingplatz am Gardasee.
    Wohnwagen auf einem Campingplatz am Gardasee. Foto: Lara Voelter

    Doch der Gardasee ist nun dabei, sich zu verändern. Das preiswerte Familienziel mit Campingplätzen, Ferienwohnungen, Albergi und Pizzerien bekommt ein Upgrade. Urlaub am Gardasee wird nobler. „Diese Entwicklung ist klar erkennbar – und sie ist mehr als ein kurzfristiger Trend. Das Fundament bleibt zwar, doch das obere Marktsegment etabliert sich“, sagt Otmar Michaeler, CEO und Miteigentümer der „Falkensteiner Hotels“, die im Sommer mit einem Fünf-Sterne-Hotel in Salò an den Start gehen. „Das ist Ausdruck eines Reifungsprozesses. Qualitätstourismus nimmt europaweit zu.“

    Das „Falkensteiner“ ist nicht die einzige Neuerung. Davor öffneten in letzter Zeit der „Stroblhof“ in Gargnano, der „Quellenhof“ in Lazise oder das „Cape of Senses“ in Torri del Benaco ihre Türen. Allesamt Fünf-Sterne-Hotels, allesamt betrieben von Südtiroler Hoteliers, die ihr Handwerk verstehen.

    Findige Südtiroler Hoteliers haben das Potenzial des Gardasees erkannt

    Und da es in Südtirol quasi ein Neubauverbot für Hotels gibt, expandiert man Richtung Süden. Mit Luxushotels, aber auch Ferienwohnungen und Villen, hochwertig und schlüsselfertig. „Der Gardasee bietet hervorragende Erreichbarkeit, ist eine starke Marke im deutschsprachigen Raum, hat gleichzeitig noch Entwicklungspotenzial im High-End-Segment. Diese Kombination ist selten“, sagt Michaeler. „Ein hybrides Modell mit volumenstarkem Publikum, ergänzt durch Premium- und Luxusangebote“. In der Realität des Gardasee bedeutet dies ein nebeneinander von einem Campingplatz für 25 Euro die Nacht neben dem Luxushotel, in der Hochsaison mit vierstelligen Preisen. In den Villen des „Eden Reserve“, oberhalb von Gardone, kann eine Nacht sogar 10.000 Euro kosten… Das Hotel des Pleitiers René Benko gehört inzwischen einem Schweizer Investor.  

    Eine Fähre verlässt Limone am Gardasee in Italien.
    Eine Fähre verlässt Limone am Gardasee in Italien. Foto: isaac74 - stock.adobe.com

    Der Comer See ist die Promi-Region von Oberitalien

    „Wir haben inzwischen Gäste, die vom Comer See kommen“, sagt „Stroblhof“-Direktor Gerhard Stecher. Seit jeher ist der Lago di Como die Promi-Region der Oberitalienischen Seen – und noch mehr seit George Clooney dort die Villa Oleandra in Laglio besitzt. Der Comer See ist auf das internationale Hochpreissegment ausgerichtet. 2027 möchte nun aber mit „Hilton“ sogar die erste global tätige Hotelkette den Gardasee erobern. Grundlegend renoviert wird deshalb das ehrwürdige „Grand Hotel Gardone“, das seit 2024 geschlossen ist. „Eine großartige Gelegenheit, um auf dem internationalen Markt bekannt zu werden“, sagt sogar Olliver Mayr, dessen „Grand Hotel Fasano“ dann quasi der Nachbar zum „Hilton“ sein wird.

    Das alles hat Auswirkungen auf die Breite. Drei-Sterne-Albergi verwandeln sich in Vier-Sterne-plus-Boutiquehotels und die Immobilienpreise steigen stark an, besonders für selten gewordene lukrative Lagen. Doch die Südtiroler Hoteliers haben ein Näschen. Baugenehmigungen sind zwar noch seltener als lukrative Lagen, doch den Gemeinden sind die Hände gebunden, wenn die Baugenehmigungen für Sozialgenossenschaften für Wohnbedarf nach geraumer Zeit mit allen Genehmigungen verkauft werden, weil sie das Projekt nicht finanziell stemmen konnten. Nach einer weiteren Weile werden dann touristische Anlagen gebaut. Ein Schelm, der denkt, dass sei so gar nicht geplant gewesen …

    Die Saison am Gardasee wird länger werden

    „Man wird nicht hofiert“, schränkt Sara Keller-Pircher, Mitbesitzerin vom „Stroblhof“ ein, der auf einem Grundstück steht, auf dem eigentlich ein Altenheim geplant war. „Wir haben dreimal umgezeichnet. Die zuständigen Kommissionen arbeiten ohne Leitlinien. Irgendwann war es uns egal, ob eckig oder rund, wir wollten eigentlich nur noch bauen.“ Die Genehmigungsphase dauerte in diesem Fall dreieinhalb Jahre. „Und da waren wir bei den Schnellen …“, sagt Keller-Pircher.

    Malcesine am Gardasee
    Malcesine am Gardasee Foto: saiko3p - stock.adobe.com

    „In den nächsten Jahren wird sich die Saison generell verlängern“, meint der Alteingesessene Olliver Mayr, Mitbesitzer des „Grand Hotel Fasano“ in Gardone, das seit 1959 im Familienbesitz und mit 1-A-Lage direkt am See, ohne Straße oder Promenade zwischen Hotel und Wasser, der neuen Konkurrenz deutlich voraus ist. Mayr wird kommenden Winter erstmals in der Geschichte des Luxushauses bis in den Januar hinein geöffnet haben.

    „Die Ganzjahresöffnung ist der eigentliche Paradigmenwechsel“, stimmt „Falkensteiner“-Chef Michaeler zu. Anders als zu Zeiten von Ibsen, Kafka und Thomas Mann „erhöht die Ganzjahresöffnung die lokale Wertschöpfung signifikant, weil Arbeitsplätze durch kontinuierliche Beschäftigung gesichert, Lieferketten verlängert und Infrastrukturen besser ausgelastet werden“, sagt Michaeler. Frühjahr und Herbst werden so zu eigenständigen Reisezeiten.

    Inzwischen gibt es am See rund ein Dutzend Fünf-Sterne-Hotels, die internationalen Maßstäben Stand halten. Neben „Falkensteiner“ und „Hilton“ ist zudem ein Großprojekt von Südtiroler Investoren in Peschiera in Planung und Tortellini-Fabrikant Giovanni Rana möchte aus der romantischen Landzunge Punta San Vigilio ein Luxusprojekt mit Hotel, Restaurants und Beach Clubs machen, was schon in der Planungsphase – anders als bei den anderen Vorhaben – auf heftige Kritik stößt, gilt die Punta doch als der schönste Fleck am ganzen See.

    Wird der Gardasee auf absehbare Zeit also unerschwinglich? Bleibt zu hoffen, dass zwischen Campingplatz und Conciergedesk genug Platz für beide Welten bleibt.

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