Georg Bliem holt sein Handy heraus und zeigt ein Foto in die Runde: Ein Sonnenaufgang vor prächtiger Bergkulisse. „Ist das nicht schön?“, fragt der ehemalige Geschäftsführer der Planai-Hochwurzen-Bahnen. Einer seiner Maschinisten schicke ihm, dem Chef, öfter einen Morgengruß dieser Art. Es ist ein Foto von seinem Arbeitsplatz. Denn einer oder eine des Teams muss immer über Nacht auf dem Posten sein, auf 2700 Metern Höhe in der Bergstation der Dachstein Gletscherbahn.
Die Himmelsleiter auf dem Dachstein ist auf Instgram beliebt
Der Ausblick von dort oben hat es in sich. Bei perfekten Sichtverhältnissen geht der Blick auf die Hohen Tauern, bis zum Triglav in den slowenischen Alpen oder nach Tschechien. Bei weniger idealer Wetterlage ist der Weitblick eingeschränkt, Wolken und Licht schaffen dafür eine besondere Stimmung. Die Hängebrücke, bei der es 400 Meter in die Tiefe geht, die Himmelsleiter, die auf Instagram ein beliebtes Motiv ist, die Treppe-ins-Nichts, die zu einem Glaspodest führt oder der Skywalk, unter dem die 250 Meter senkrecht abfallende Felswand des Hunerkogels liegt, ermöglichen die spektakulären Aussichten. Die schroffen Felsen des Hohen Dachsteins mit seinen 2995 Metern sind zum Greifen nahe. Schneefall und Regen genießt man aber lieber im neuen Gletscherrestaurant, in dem man hinter Glas am wilden Geschehen draußen teilnehmen kann.
Für Georg Bliem ist die Dachstein Gletscherwelt „Lebenswerk“. Die Bergstation wurde im Jahr 2024 wiedereröffnet, nachdem sie komplett saniert worden war. Bliem war es wichtig, dass „kein Disneyland“ auf dem Berg entstand. Im Eispalast, der über die Hängebrücke erreichbar ist, lässt sich sechs Meter unter dem Dachssteingletscher eine fremde Welt aus Eis bestaunen. Aus Eis geschnitzte Figuren gibt es hier zu sehen. Pro Tag können 2500 Gäste auf den Dachstein, der Zugang ist limitiert und die Buchung im Sommer, wenn dort viel los ist, nur online möglich. Wer ruhigere Zeiten bevorzugt, wählt den Winter. Dann sind nur wenige Besucher vor Ort.
Wie ein Bergpionier den Dachstein fürchtete
Um die Erschließung des Dachsteins hat sich einstmals Friedrich Simony große Verdienste erworben. Er markierte die heutigen Wege und errichtete den ersten gesicherten Steig der Ostalpen. 1843 ließ er die erste einfache Schutzhütte am Dachstein errichten, nachdem ihm ein Jahr zuvor die erste Winterbesteigung gelang. Zwei Nächte, eine davon allein, verbrachte er auf dem Gipfel. „Ein fürchterlicher Schauer rieselte über meinen Körper, als ich mich jetzt plötzlich so ganz allein und verlassen auf der fürchterlichen Zinne sah“, wird er zitiert. Massentourismus gab es am Dachstein erst ab 1969, als die Dachstein-Südwandbahn eröffnet wurde.
Simony schaffte mit seinem schriftlichen Werk über das Dachsteingebiet gleichwohl eine Urkunde für die Geschichte der Veränderungen der Dachsteingletscher. Die Folgen des Klimawandels und der Rückzug der Gletscher lassen sich auf dem Dachstein am interaktiven Bildschirm und durch das digitale Fernrohr erfahren. Nachhaltigkeit spielte auch deshalb bei der Sanierung eine große Rolle, erläutert Bliem und verweist auf 80 Prozent Energieautarkie, die unter anderem durch Solarpanels erreicht werde. Der Vergangenheit gehören mittlerweile die Skilifte am Dachstein Gletscher an. Sie sind abgebaut. „Nicht mehr kalkulierbar“, begründet Bliem. Skitouren und Langlauf sind in der hochalpinen Landschaft jedoch weiter möglich.
Im Pferdenschlitten die Abendruhe am Dachstein genießen
Atemberaubende Blicke auf eine Winterlandschaft und Ruhe eröffnen sich auch unterhalb des Dachsteinmassivs in der Ramsau. Mit Blick auf die Gipfel finden sich 125 Kilometer Loipe für den klassischen Langläufer und 95 Kilometer für Skater. Man kann es aber viel gemütlicher angehen lassen und in einen Pferdeschlitten steigen. Kein Geräusch ist in der Abendlandschaft zu hören, nur der gleichmäßige Tritt der Pferde untermalt die Fahrt. Ab und zu zieht man eingepackt in warme Decken an einem Langläufer vorbei. Oder ein einsamer Wanderer zeichnet sich vor der untergehenden Sonne ab, als würde man ein Gemälde von Caspar David Friedrich betrachten.
Viel weniger rau als der Dachstein und für jeden zugänglich ist der Skisport in den Skigebieten rund um Schladming. Hier warten 77 Liftanlagen mit 230 Kilometern präparierten Pisten und sechs Funslopes und Snowparks auf Skifahrer und Skifahrerinnen. Für die Kleinsten gibt es eigene Bereiche mit Förderbändern. Legendär ist die 4,6 Kilometer lange FIS-Abfahrt vom Gipfel bis zum berühmten Planai-Zielhang. Die Schladminger Vier-Berge-Skischaukel verbindet die vier größten Skiberge der Region – Hauser Kaibling, Planai, Hochwurzen und Reiteralm – zu einem Skigebiet. Sie gehört zu Ski Amadé mit 760 Pistenkilometern in 25 Skigebieten.
Genießen auf der Berghütte mit Zutaten aus der Haubenküche
Neu auf der Hochwurzen ist die 10er-Kabinenbahn „Rohrmoos 1“, die Schladming mit Rohrmoos verbindet und die alte Zweier-Sesselbahn ersetzt – das „Nadelöhr“ an dieser Stelle gehört damit der Vergangenheit an. Außerdem steht Wintersportlern und Wintersportlerinnen jetzt am Hauser Kaibling, dem höchsten Berg der Skischaukel Schladming, eine neue Sesselbahn zur Verfügung mit einer Förderleistung von 3600 Personen pro Stunde – das ganze mit Haube, Sitzheizung und Einstieghilfe für Kinder, die kleiner als 1,25 Meter sind.
Doch was wäre Skifahren ohne Hütte? In der Region gibt es 100 davon – von der Partyhütte bis zur Skihütte mit 100-jähriger Tradition. Vier-Hauben-Koch Richard Rauch entwickelte Gerichte mit einigen der Hüttenwirte. Damit gibt es auf speziellen Hütten ein ganz besonderes Almgericht, das regionale Zutaten mit der Haubenküche verbindet. Faschierte Lammbällchen stehen beispielsweise auf der Wieslechalm auf der Speisekarte, auf der Kaibling Alm ist es die gebackene Topfentorte. Alm-Klassiker wie Kaspressknödel oder Kaiserschmarrn gibt es natürlich auch.
Und wer dann abends noch nicht zu müde und zu satt ist, geht zum Nachtrodeln auf die Hochwurzen. Hoch geht es mit dem Lift und hinunter auf einer beleuchteten Rodelbahn, die mit einer Länge von sieben Kilometern zu den längsten in Österreich gehört. Auf der gut präparierten Piste lässt sich – ohne Gegenverkehr von Fußgängern - der Blick auf die Winterlandschaft und das Lichtermeer im Ennstal genießen.
Die Autorin recherchierte auf Einladung von Ski Amadé und dem Tourismusverband Schladming-Dachstein.
Reisetipps für Schladming und die Dachsteinhütte
Übernachten: Das Hotel Winterer in Rohrmoos bei Schladming mit Blick auf das Dachsteinmassiv ist direkt an der Piste der Hochwurzen gelegen.
Regional einkaufen: Im liebevoll gestalteten Heimatgold in Schladming werden regionale Lebensmittel von bäuerlichen Betrieben verkauft.
Schlittenfahren: In der Ramsau gibt es 25 Anbieter für Pferdeschlittenfahrten - einer davon ist der Vorberghof.
Für Yoga-Begeisterte: Ski-Yoga vor Bergkulisse bietet das BiYou Ecoquartier an.
Anreise: Mit der Bahn (EC) gibt es eine Direktverbindung über München nach Schladming. Mit dem Auto über die A8 und die A10. Weiter geht es über die B320 nach Schladming.
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