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Von Köln nach Amsterdam und Antwerpen: Kreuzfahrtschiff bringt Geschichte auf dem Rhein zum Leben

Flusskreuzfahrt

Warum bei einer Kreuzfahrt auf dem Rhein nicht gepfiffen werden sollte

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    Fährfrau Marieken, alias Hildegard Liebeton weiß die skurrilsten Geschichten vom Niederrhein.
    Fährfrau Marieken, alias Hildegard Liebeton weiß die skurrilsten Geschichten vom Niederrhein. Foto: Barbara Würmseher 

    „Guien Tach“ – Herzlich donnert die Begrüßung den Gästen entgegen. Ein kesser Start, ehe Marieken - alias Hildegard Liebeton - so richtig loslegt. Ihre Holzschuhe klappern über die Uferpromenade, ihre Stimme hat den Tonfall des Niederrheins: breit und rau. Hinter ihr rumpelt ein Leiterwägelchen, bereit, ein paar Jahrhunderte Geschichte auszuspucken.

    Was eine Schifferfamilie am Rhein zu erzählen hat

    Dann beginnt Mariekens Reise in die Vergangenheit: wie man 500 Mäuler auf wochenlangen Touren satt kriegt, warum arme Kerle prüfen mussten, ob das Eis des Rheins wirklich zugefroren war und welche Anekdoten Fischer zum Besten gaben, wenn der Fang mal wieder kleiner war, als die Prahlerei. Marieken zieht Geräte aus dem Leiterwagen, erklärt, lacht, frotzelt. So wird das Rheinufer zur Bühne, der Strom zur Kulisse.

    Spektakulär ist der Anblick von Hoorn in den Niederlanden, wo die Schiffe direkt in der Altstadt einlaufen.
    Spektakulär ist der Anblick von Hoorn in den Niederlanden, wo die Schiffe direkt in der Altstadt einlaufen. Foto: Barbara Würmseher

    Hildegard Liebeton stammt selbst aus jener Schifferfamilie. Ihr Vorfahr Casper Liebeton betrieb Ende des 18. Jahrhunderts die Emmericher Rheinfähre, die seine Frau Marieken weiterführte. Heute lebt sie in Hildegard wieder auf: burschikos und mit Geschichten satt, sodass selbst der Rhein kurz innehält.

    Aber nein, natürlich fließt er weiter, wie er es seit Menschengedenken tut. Er verbindet Länder und Städte, Lebenswelten und Epochen, Menschen und Schicksale. Er ist Lebensader zwischen Natur und Industrie, Burgen und Städten, Steinkohle und Schrott. Hier in Emmerich, am Tor zwischen Deutschland und Holland, ist unsere Reise beinahe schon wieder zu Ende. Wenn Marieken Adjeu sagt, dann liegen hinter uns Begegnungen mit Menschen und Kulturen. Begonnen hatte sie Tage zuvor am berühmten Schiffsanleger in Köln in Sichtweite zum Dom.

    Zweiter Kapitän A-Rosa-Brava, Manuel Reisch, löst Kapitän Gellert Schneemann im Steuerhaus ab.
    Zweiter Kapitän A-Rosa-Brava, Manuel Reisch, löst Kapitän Gellert Schneemann im Steuerhaus ab. Foto: Barbara Würmseher

    Halt in Willemstad - heute ein friedlicher Ort

    Dort ist alles noch übersichtlich. Dort liegt die A-Rosa Brava vor Anker und dort heißt der Rhein noch Rhein, ehe er sich in den Niederlanden aufteilt, zum Waal wird und auch als Mervede zwischen Süd-Holland und Nord-Brabant mäandert. Wir verschlafen die erste Nacht, während das Schiff mit 22 Stundenkilometern durch die Dunkelheit gleitet. 135 Meter Rheinromantik aus Stahl, elf Meter breit und gelenkt von Kapitän Gellert Schneemann – der sein Schiff für „pünktlicher als die deutsche Bahn“ hält.

    Am Morgen öffnet sich der Horizont, der Strom hat längst neue Namen angenommen, wechselt Bett, Ufer, Launen. Willemstad taucht auf – einst kriegerischer Ort, heute Postkartenidylle. Unfassbar, dass dort, wo die Windmühle D’Orangemolen ihre Flügel dreht, europäische Mächte um die Vorherrschaft stritten. Napoleon war hier, Philipp II. von Spanien ebenfalls. Reste des Atlantikwalls aus dem Zweiten Weltkrieg ducken sich in die Landschaft. Doch Stadtführerin Yvonne de Winter erzählt gern auch von friedlicheren Tagen: vom Arsenal, das zum Kinderspielplatz umfunktioniert wurde, von einem Städtchen, das gelernt hat, Gelassenheit zu kultivieren.

    Antwerpen wird von vielen Touristen per Rad erkundet. Eine sicher flexible Art der Fortbewegung, doch ob der Fülle an Radlern und des Tempos gilt Vorsicht.
    Antwerpen wird von vielen Touristen per Rad erkundet. Eine sicher flexible Art der Fortbewegung, doch ob der Fülle an Radlern und des Tempos gilt Vorsicht. Foto: Barbara Würmseher

    Auch der Fluss wird hier gelassener, gleitet dahin und mit ihm die A-Rosa Brava. Dann wandelt sich die Szenerie: An den Ufern des Kanals von Terneuzen erstrecken sich große Industrielandschaften. Malerisch ist etwas anderes, „doch da müssen wir durch, um unsere Attraktionen zu erreichen“, sagt Hotelmanager Rüdiger Wartmann. Er kennt sich aus, ist seit 2002 mit der A-Rosa-Flotte unterwegs. Er weiß: Hinter all den Fabriken wartet eine pittoreske Märchenstadt.

    „Gent ist die schönste Stadt in Flandern“

    „Gent ist die schönste Stadt in Flandern“, sagt denn auch Carine van Lancker – und man glaubt ihr jedes Wort. Die Häuserzeilen an Schelde und Leie wirken wie eine überdimensionale Puppenstube. Und doch hat diese Stadt Erfahrung im Großsein. Im 12. und 13. Jahrhundert lebten hier 65.000 Menschen – mehr als in Amsterdam, London, Paris. Spinnräder und Webstühle klapperten, Wolle und Leinen waren das Gold der Zeit, die Bierindustrie florierte. Der Reichtum floss in Straßen und Fassaden.

    Unser Boot schiebt sich sacht durch die Grachten. Alte Speicher ziehen vorbei – ehrwürdige Backsteinriesen mit hohen Giebeln. Ehemalige Gildehäuser, Getreidelager, Spinnereien, Textilfabriken: Industriedenkmäler einer boomenden Hansestadt, deren Blütezeit im 16. Jahrhundert im Zuge religiöser Auseinandersetzungen endete.

    Eine entschleunigte Art zu Reisen bieten Flusskreuzfahrten. Vom Bett aus hat man den Blick aus der Kabine aufs Wasser.
    Eine entschleunigte Art zu Reisen bieten Flusskreuzfahrten. Vom Bett aus hat man den Blick aus der Kabine aufs Wasser. Foto: Barbara Würmseher 

    Heute ist Gent extrem feierfreudig. Kaum ist ein Festival vorbei, steht schon das nächste an. 270.000 Einwohner leben dort und weitere 80.000 Studenten. „Ich weiß nicht, wann die bei all den Festivals studieren“, schmunzelt Carine. Gerade erst liegen zehn Tage Ausnahmezustand liegen hinter der Stadt.

    Wir schippern weiter, unter der Enthauptungsbrücke, vorbei an Fassaden, die sich im Wasser spiegeln. Carine weist auf ein Uferhaus mit der Aufschrift Salon de Chocolat. „Eine gefährliche Ecke“, sagt sie ironisch, „gleich daneben das Bierhuis. Sie haben die Qual der Wahl!“ Wir entscheiden uns für beides: Schaumkrone und Schokolade.

    Die A-Rosa Brava hat bei Emmerich auf dem Rhein angelegt.
    Die A-Rosa Brava hat bei Emmerich auf dem Rhein angelegt. Foto: Barbara Würmseher 

    Kulinarische Versuchung gibt es auf dieser Reise ohnehin zuhauf. An Bord verwöhnen Menüs und Büffets den Gaumen. Ein Wunder, wie es das zwölfköpfige Küchenteam auf engstem Platz im Unterdeck schafft, all die kulinarischen Themen zu kreieren. Während gerade ein Mangojutney vor sich hinköchelt, der Patissier Brotlaibe in den Ofen schiebt, wuselt das Team emsig hin und her. Abends gibt es Tartar von Pfifferlingen und glasierte Wachtelbrust, Milchkalbsrücken und Trüffeljus, Erdbeer-Rhabarbersalat.

    Ein Rundgang bringt uns nicht nur mit den Geheimnissen hinter den Kulissen in Berührung, mit Informationen zur Kläranlage an Bord, zum Maschinenraum und Evakuierungsplänen, sondern auch mit Aberglauben. „Es darf an Bord nicht gepfiffen werden“, erfahren wir, „und es gibt keine Kabine mit der Nummer 13“. So etwas bringe Unglück.

    Spazieren durch die beschaulichen Orte Hoorn und Edam

    Wer die kleinen beschaulichen Flecken liebt, kann sich bei den Landgängen kaum sattsehen in Edam und Hoorn in Nordholland. Es ist ein entspanntes Schlendern über Kopfsteinpflaster, vorbei an üppig blühenden Hortensien-Gärten und verträumten Straßenzügen. In Hoorn laufen wir direkt in den Hafen ein, mit einem spektakulären Blick auf Marina und Altstadt.

    Die Grachten von Amsterdam sind ein beliebtes Ziel in der niederländischen Hauptstadt. Fahrräder gehören hier fest zum Stadtbild.
    Die Grachten von Amsterdam sind ein beliebtes Ziel in der niederländischen Hauptstadt. Fahrräder gehören hier fest zum Stadtbild. Foto: Barbara Würmseher

    Das pulsierende Leben hingegen findet in den Metropolen statt. Amsterdam und Antwerpen geben uns Kostproben von jener Mischung aus Historie und Hektik. In Antwerpen etwa radeln wir durch das Getümmel. Von idyllischer Fortbewegung kann nicht die Rede sein. Die Schlagzahl ist hoch, unglaublich viele E-Biker rasen an uns vorbei. Der monumentale Hauptbahnhof gilt als einer der schönsten Europas – beinahe eine Kathedrale aus Stein und Stahl. Nur wenige Schritte weiter beginnt das Diamantviertel, wo seit Jahrhunderten Edelsteine geschliffen und gehandelt werden. Ein besonderes Kleinod technischer Geschichte: die älteste Rolltreppe Europas - im Tunnel unter der Schelde - mit Holzstufen und Messinggeländern. Antwerpen balanciert zwischen historischem Glanz und moderner Urbanität.

    Als die A-Rosa Brava wieder in Köln anlegt, blicken wir zurück auf stille Stunden an Deck und erlebnisreiche Tage an Land - auf eine Verbindung von Bewegung und Ruhe. Daneben bleibt die bange Frage, wie lange es Flusskreuzfahrten auf dem Rhein noch geben kann. Der Klimawandel macht sich auch hier bemerkbar. Niedrigwasserperioden schränken die Befahrbarkeit ein. „Wenn eine Zeit lang kein Regen fällt, wird‘s problematisch“, so Hotelmanager Wortmann...

    Die Kreuzfahrt in Kürze

    Anreise Am besten mit dem Zug. Die Anreise ist nicht im Reisepreis inkludiert.

    Das Schiff An Bord sind maximal 202 Passagiere in 99 Außenkabinen (je 14,5 Quadratmeter) unterwegs. Das Boot hat ein Sonnendeck mit Bar, Außenrestaurant und Liegestühle, Buffet mit Live-Cooking an Bord, es gibt einen Fitness- und Spa-Bereich. Die siebentägige Reise kostet je nach Saison und Deck ab 1279 Euro. www.a-rosa.de.

    Die Autorin recherchierte auf Einladung von A-Rosa.

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