Im südlichen Landkreis soll schon in wenigen Jahren der größte Windpark in der Region entstehen. Geplant sind zehn Windkrafträder. Bislang war nur die Rede von bis zu zehn Anlagen. Bei der Informationsveranstaltung der Stadt Bobingen und dem Haus Fugger wurde eine Karte mit den Standorten der Anlagen gezeigt. Sie befinden sich auf einem Korridor, der sich westlich von Burgwalden über mehrere Kilometer in Nord-Süd-Richtung erstreckt. Windenergieanlage (WEA) Nummer eins soll im Norden auf Höhe des Engelhofs gebaut werden. Die Anlagen neun und zehn befinden sich im südlichen Korridor in einem Abstand von über einem Kilometer zu Reinhartshausen.
Geplante Windräder bei Burgwalden: Höhe von 260 Metern
Errichtet werden sollen Anlagen vom Typ Enercon E-175. Sie haben eine Gesamthöhe von 262,5 Metern. Diese setzt sich zusammen aus dem Turm mit einer Nabe. Die Höhe beträgt 175 Meter, ebenso wie der Rotor-Durchmesser. Die Anlagen haben jeweils eine Nennleistung von sieben Megawatt. Der geschätzte Jahresertrag beträgt rund 13 Millionen Kilowattstunden. Nach Berechnung des Ingenieur- und Planungsbüros Beermann aus München, das das Projekt begleitet, kann eine Anlage rund 3500 Haushalte pro Jahr versorgen. Beermann hat in den vergangenen 30 Jahren zahlreiche Windkraftanlagen in Bayern und Baden-Württemberg auf den Weg gebracht. Auch das Windrad Langenreichen im Landkreis Augsburg mit einer Nabenhöhe von 139 Metern wurde von dem Büro geplant. Geschäftsführer Peter Beermann erläuterte detailreich die Pläne für den Windpark im Westen von Bobingen.
Die mittlere Windgeschwindigkeit betrage im Gelände in 180 Metern Höhe 6,23 Meter pro Sekunde. „Das ist eine Zahl, mit der sich arbeiten lässt“, sagte Beermann. Durch die moderne Technik ließen sich auch auf dem Land Windkraftanlagen wirtschaftlich betreiben. Die Wegerschließung zum Bau der Anlagen bezeichnete Beermann als sehr gut. Es soll auf vorhandene Wege zurückgegriffen und damit die Eingriffe in den Wald minimiert werden. Der Geschäftsführer skizzierte den Flächenbedarf: Für jede Anlage müsse in der Bauphase rund ein Hektar Wald fallen, etwa 2,7 Hektar würden versiegelt. Aber jeder Baum werde ersetzt. „Im Naturpark muss 1:1 aufgeforstet werden“, so Beermann. Sollte der Windpark nach einer Betriebsdauer von 30 Jahren wieder abgebaut werden, dann müssten alle Flächen wieder bepflanzt werden. Damit wachse der Naturpark insgesamt.
Scharfe Kritik an der Visualisierung
Beermann zeigte auch eine Visualisierung des Windparks. Ein externes Büro hatte 150-Grad-Montagen angefertigt, um zu zeigen, wie die Anlagen in Zukunft in der Landschaft aussehen. Vom kleinen Höhenzug aus, der zwischen Oberschönenfeld und Margertshausen liegt, waren die Anlagen deutlich zu erkennen. Ebenso aus Blickrichtung Burgwalden. Für Kritik sorgte, dass sich in der Bildmontage dichte Wolkenfelder befanden. Das brachte Lorenz Schreiber aus Burgwalden, der Mitglied der Initiative Gegenwind ist, in Rage. „So etwas sollte man nicht zeigen“, sagte er. Eine Darstellung zeigte den Blick vom Lechfeld aus: Die Anlagen waren auf der Projektion in der Bobinger Singoldhalle kaum zu sehen. Schreiber kochte innerlich: „Der Augsburger Hotelturm ist 150 Meter hoch und man sieht ihn deutlich von Bobingen aus. Die Windkraftanlagen sind 100 Meter höher. Und Sie wollen uns zeigen, dass man sie nicht sieht.“
Bundeswehr gibt grünes Licht
Beermann erklärte anschaulich das Genehmigungsverfahren, in dem viele Aspekte unter die Lupe genommen werden müssen. Dazu gehören beispielsweise der Schall, der Arten- und Landschaftsschutz wie auch die Zufahrt und die Luftfahrt. Apropos: Die Bundeswehr habe grünes Licht für die zehn Anlagen gegeben. Die Standorte seien genehmigungsfähig, sagte Beermann. Ein hochkomplexes Thema: Denn um den Nato-Flugplatz Lechfeld herum gilt ein Schutzbereich, dem weitere Sektoren folgen, in denen unterschiedliche Flughöhen gelten. Beermann erklärte: Das sogenannte Anflugverfahren sei nicht gestört. Zu diesem Ergebnis sei die Bundeswehr nach einer zweiten Prüfung gekommen.
In drei Jahren sollen sich bei Bobingen die Windräder drehen
Nach dem Zeitplan der Windpark Bobingen GmbH und Co. KG sollen sich die Windräder ab 2027 drehen. Im nächsten März soll der Genehmigungsprozess starten und im Jahr darauf der Bau. Vorher geht es um die Finanzen: Beermann nannte grob die Kosten für das Projekt, rund zehn Millionen Euro pro Anlage. Insgesamt wird der Windpark einen dreistelligen Millionenbetrag kosten. Die Stadt Bobingen könne sich als Kommanditist, als nur beschränkt haftender Gesellschafter, beteiligen. Angeboten werden soll auch eine direkte Beteiligung regionaler Bürgerenergiegenossenschaften. Wer aus der direkten Umgebung des Windparks stammt, kann ebenfalls investieren: Ab 5000 Euro als verzinstes Nachrangdarlehen.
Auch die Kommunen verdienen mit
Profitieren sollen vom 100-Millionen-Projekt auch die Kommunen: Die angrenzenden Gemeinden erhalten 0,2 Cent pro Kilowattstunde von der Einspeisevergütung. Insgesamt wird mit rund 25.000 Euro pro Jahr und Anlage gerechnet. Die Stadt Bobingen, die sich seit einigen Monaten den Beinamen Energiestadt gegeben hat, darf sich zusätzlich über Gewerbesteuereinnahmen freuen. Die neue Windpark-GmbH hat ihren Sitz in Bobingen. Auf die Verwurzelung in der Region kam auch Georg Vill als Vertreter des Hauses Fugger zu sprechen: Es sei wichtig, das Projekt mit einem Partner umzusetzen, „der so langfristig denkt wie wir“. Gemeint ist damit die Stadt Bobingen. Alexander Erbgraf von Fugger-Babenhausen, seit 2008 Chef des immensen Forst-Landwirtschafts- und Immobilien-Besitzes der Kaufmanns-Dynastie, hatte nicht an der Informationsveranstaltung teilgenommen. Dafür appellierte Bobingens Bürgermeister Klaus Förster an die Fairness von Befürwortern und Gegner und versprach, dass das Projekt auf Herz und Nieren geprüft werde. Die Nachhaltigkeitsbeauftragte der Stadt, Franziska Kolek, gab außerdem einen energetischen Überblick. Allgemeine Fakten zur Windkraft stellte Sebastian Obermeier vom Energie- und Umweltzentrum Allgäu vor.
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