Die jüngsten Bilder von einem Känguru, die im südlichen Landkreis gemacht wurden, werfen viele Fragen auf: Handelt es sich beim fotografierten Känguru um das Tier, das schon vor Jahren in den Westlichen Wäldern gesehen wurde? Kann ein Känguru überhaupt jahrelang alleine überleben? Oder gibt es in den Stauden vielleicht einen Familienclan, der noch gänzlich unentdeckt ist?
Die Direktorin des Augsburger Zoos, Barbara Jantschke, hält es durchaus für möglich, dass es sich um das Tier handelt, das schon vor vier Jahren in den Stauden gesehen wurde. „Bennett-Kängurus sind auch kalte Temperaturen gewöhnt, und es gab die letzten Jahre nicht viel Schnee oder tiefe Temperaturen“, begründet sie ihre Annahme. Auch die Experten des Opel-Zoos in Kronberg im hessischen Taunus halten es für möglich, dass ein Tier über Jahre in den Wäldern überlebt. Im Opel-Zoo sind Rote Riesenkängurus zu sehen. Sie sind die größte Känguru-Art - und unglaublich: Die größten Beuteltiere der Welt machen riesige Sätze: Sie können etwa neun Meter weit und drei Meter hoch springen. Beim im Landkreis aufgetauchten Tier sind sich die Experten einig: Es handelt sich um ein Bennett-Känguru.
Zoo-Chefin: „Dem Känguru geht es nicht gut“
Zum Zustand des Tiers auf dem aktuellen Foto, das Jürgen Herzing bei Höfen gemacht und von Hans Rudolf übermittelt wurde, sagt die Augsburger Zoo-Chefin: „Es geht dem Känguru nicht gut.“ Das schätzungsweise 80 Zentimeter große Tier mit dem langen Schwanz wirkt etwas desorientiert. Sein Fell ist durchnässt. Ob es genügend Nahrung hat?
Futter findet das Tier auch in der kalten Jahreszeit. „Es ernährt sich von allen pflanzlichen Bestandteilen“, erklärt Barbara Jantschke. Dazu gehören Gras, Blätter und Sämereien. Die Experten vom Opel-Zoo zählen auch Obst auf, das Kängurus gelegentlich gerne knabbern. Alles ist im waldreichen Westen des Landkreises vorhanden. Gibt es dort vielleicht noch mehr Kängurus?
Woher kommt das Tier?
Lebt in den Stauden sogar eine Känguru-Familie, die seit Jahren unentdeckt geblieben ist? Das hält die Augsburger Zoo-Chefin für unwahrscheinlich. „Dazu müssten zeit- und ortsgleich zwei Kängurus unterschiedlichen Geschlechtes ausgebüxt sein. Oder es müsste sich - falls es sich um ein Weibchen handelt - ein Jungtier im Beutel befunden haben, das sich dann als Männchen entpuppt. Die Existenz einer ganzen Känguru-Familie nicht ganz ausschließen, möchten die Experten vom Opel-Zoo im Taunus. Allerdings: Um eine Familie zu gründen, müssten mindestens zwei Kängurus aus einer Haltung entkommen sein. Das wissen auch die Experten vom Tiergarten der Stadt Nürnberg. Sie teilen auf Nachfrage mit: Es müssten mehrere Tiere entkommen oder ausgewildert worden sein. „Ob das hier der Fall ist, wissen wir nicht.“ Unmöglich ist es aber nicht: „In anderen Gegenden Europas sind schon größere Gruppen Bennett-Wallabys ausgewildert worden, und pflanzten sich erfolgreich fort.“
Kängurus im Augsburger Land
Dass Tiere vom Kaindlhof in Erkhausen ausgebüxt sind, steht außer Frage. Denn Anja und Thomas Kaindl sind nach Hessen umgezogen. Ihnen war vor Jahren tatsächlich einmal ein Känguru abhandengekommen. „Knicksy“ hieß das Tier wegen eines Knicks im Schwanz. Das Wallaby lebte zusammen mit anderen Kängurus sowie Lamas und Eseln auf dem Hof. Im April 2019 kam es aus und sorgte für Verwunderung. Ein Autofahrer traute seinen Augen nicht, als er das Tier vor sich sah. Er hielt an und schaute ebenso verwundert wie „Knicksy“. Nach einigen Minuten hüpfte das Tier wieder in den Wald.
Gibt es einen ganzen Clan in den Wäldern?
Dass dort eine ganze Familie in den Westlichen Wäldern heranwächst und unentdeckt bleibt, hält Gerhard Wurm von der Jagd- und Naturschule Wertachtal eher für unwahrscheinlich. Die Stauden seien ein Naherholungsgebiet. Entsprechend seien dort viele Spaziergänger und Radfahrer unterwegs. Die Kängurus müssten auffallen, weil sie nicht im Dickicht lebten, sondern öfters Lichtungen aufsuchen würden. Was ebenfalls gegen die Theorie vom unbemerkten Familienclan spreche: Sie würden von Wildkameras aufgenommen.
Dass Kängurus die Nähe von Artgenossen suchen, ist übrigens unbestritten. „Sie fühlen sich sicher wohler mit Artgenossen“, sagt die Augsburger Zoo-Chefin. Die Opel-Zoo-Experten wissen: „Die Benett-Kängurus treten in kleinen Gruppen auf, werden aber auch regelmäßig alleine in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet angetroffen.“ Die Kollegen vom Nürnberger Zoo wissen: „Es gibt sozial lebende und eher einzelgängerische Arten, Bennett-Wallabys leben eher solitär und schließen sich bei großem Nahrungsangebot zu Gruppen zusammen.“
Dieser Artikel zählt zu unseren Favoriten aus dem Jahr 2025. Er stammt aus dem Archiv, aber wir wollten Ihnen die Lektüre noch einmal ans Herz legen. Zuerst wurde er am 17. November veröffentlicht.
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