Wenn am kommenden Sonntag in München abgestimmt wird, fiebert Sideris Tasiadis mit. Der Augsburger Kanute ist Teil einer Werbekampagne der bayerischen Staatsregierung für die Olympiabewerbung. Ein Bürgerbegehren soll den nötigen Rückenwind geben, so sich die Mehrheit dafür ausspricht. Zahlreiche Prominente aus der Welt des Sports haben sich im Vorfeld des Bürgerentscheids für München als Gastgeber der Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 ausgesprochen. FC-Bayern-Urgestein Uli Hoeneß ist ebenso dabei wie der ehemalige Skirennläufer Felix Neureuther, aber eben auch Tasiadis. „Was gibt es Schöneres, als Olympische Spiele daheim zu haben?“, fragt er.
Es sei nicht schwer gewesen, ihn zum Mitmachen zu bewegen. „Da hat es nur einen Anruf gebraucht, um mich komplett anzuzünden“, sagt der 35-Jährige und lacht. Hilfreich sei diesbezüglich, dass er gerade eine Ellbogenverletzung auskurieren muss, „ich habe also Zeit. Ich bin zwar viel unterwegs, aber das lässt sich alles sehr gut mit meiner Reha vereinen.“
Vier Olympische Sommerspiele, zwei Medaillen
An vier Olympischen Spielen hat Tasiadis teilgenommen und dabei einmal Silber und einmal Bronze gewonnen. Jetzt geht es ihm darum, diese Olympia-Begeisterung zu den Menschen zu tragen. „Ich habe ein gutes Gefühl, was den Bürgerentscheid betrifft – auch wenn ich glaube, dass es eine knappe Geschichte wird.“
Knapp war es auch 2013. Damals wurden die Bürgerinnen und Bürger in München und drei oberbayerischen Partnergemeinden zum ersten Mal in der deutschen Geschichte vor einer Olympiabewerbung um ihre Meinung befragt. In München lagen die Gegner mit 52,1 Prozent gegenüber 47,9 Prozent vorn. Der bayerische Olympia-Traum war geplatzt. Viele hätten damals gedacht, dass der Bürgerentscheid ein Selbstläufer werde, sagt Tasiadis. Deswegen sei nur wenig Werbung gemacht worden. „Das war der Fehler damals. Dieses Mal haben die Staatsregierung und die Stadt München gesagt, dass sie das ein bisschen offensiver angehen.“
IOC hat sich einen schlechten Ruf erarbeitet
Die Ablehnung aus dem Jahr 2013 hatte vor allem mit der Sorge vor explodierenden Kosten und dem schlechten Image des Internationalen Olympischen Komitees zu tun. Das IOC hat sich in den vergangenen Jahrzehnten den Ruf erarbeitet, dem Gigantismus zu frönen. Tasiadis kennt diese Sorgen. „Natürlich kommen erst einmal viele Kosten auf die Stadt und den Freistaat zu“, sagt er. „Aber das rechnet sich ja trotzdem. Olympische Spiele sind ein Booster für die gesamte Infrastruktur. Sportstätten werden wieder hergerichtet. Die Sportstadt München wird auf jeden Fall profitieren und wir in Augsburg auch.“
Bestes Beispiel sei der Eiskanal, der für die Sommerspiele 1972 gebaut wurde und bis heute genutzt wird. Tasiadis: „Das IOC ist mittlerweile darauf getrimmt, dass die Spiele nachhaltig sind. Nachhaltigkeit ist ein großes Thema. In München könntest du viel der vorhandenen Infrastruktur wieder nutzen.“ Das olympische Dorf müsste zwar neu gebaut werden. Das wiederum würde im Nachgang aber neuen Wohnraum bringen, der in München dringend gebraucht wird.
München hat in Deutschland drei Konkurrenten
Sollte der Bürgerentscheid am Sonntag im Sinne der Befürworter einer Bewerbung ausfallen, würde die Arbeit aber erst beginnen, sagt Tasiadis. „Dann haben wir ein Jahr Zeit, auch den DOSB davon zu überzeugen, dass München auf jeden Fall der beste Standort wäre, um die Olympischen Spiele nach Deutschland zu holen.“ Nationale Konkurrenten sind Berlin, Hamburg und die Metropolregion Rhein-Ruhr. Im Gegensatz zu den anderen Städten spräche für München, „dass 90 Prozent der Sportstätten schon stehen. Die müssen zwar modernisiert, aber eben nicht neu gebaut werden.“ Das Olympiastadion werde zudem ohnehin schon renoviert, unabhängig von Olympia. Auch am Eiskanal müsste noch einiges gemacht werden. „Bei Olympischen Spielen ist das Drumherum mit den Zuschauern, Sportlern, Betreuern und Medien viel größer als bei einer WM oder einem Weltcup. Auch die Technik muss dann auf dem neuesten Stand sein.“
Auf lange Sicht sei Paris das Vorbild. Dort fanden die Sommerspiele im vergangenen Jahr statt und weckten große Euphorie im gesamten Land. „Die ganze Stadt, ganz Frankreich, alle waren elektrisiert. Diese Euphorie, dieses Flair, das war magisch. So eine Begeisterung zu wecken, wäre natürlich auch das Ziel für München.“
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