Sein Name steht für die goldenen Zeiten der deutschen Biathleten. Seine Erfolge lösten auch einen Biathlon-Boom in Deutschland aus. Sowohl unter den Aktiven als auch bei den Zuschauern. Vor 20 Jahren jubelte ganz Deutschland mit einem Wintersportler aus Nesselwang. Michael Greis holte sich 2006 in Turin dreimal Gold und wurde zum Star der Spiele. „Olympia hat vieles in meinem Leben verändert. Ein Olympiasieg ist das Größte, was man sich in einem Sportlerleben vorstellen kann. Und ich bin gleich dreimal ganz oben auf dem Podium gestanden“, erinnert sich Greis an turbulente Tage im Centro Olimpico di Biathlon in San Sicario, rund zweieinhalb Autostunden von Turin entfernt.
Gleich zum Auftakt im Einzel über 20 Kilometer setzte der heute 49-Jährige ein Ausrufezeichen mit der Goldmedaille. Mit nur einem Fehler im Stehendschießen sowie der drittschnellsten Laufzeit behauptete sich der Skijäger vor Ole Einar Björndalen. Der Norweger war als großer Favorit ins Rennen gegangen. Für Greis war es erst der zweite Biathlon-Einzelsieg in seiner Karriere. „Ole hatte die schnellste Laufzeit, aber einen Fehler mehr geschossen als ich. Das hat für mich gereicht. Die drittschnellste Laufzeit ist ja auch nicht schlecht“, erinnert sich der Allgäuer an die sonnigen Tage in den italienischen Alpen. „Danach ging der Trubel richtig los. Ich bin ins Deutsche Haus zum Feiern gefahren, musste von einem Interview zum nächsten, das war richtige Fließbandarbeit, die aber großen Spaß gemacht hat“, erzählt Greis.
Staffel mit Greis holte ebenfalls Gold
Die deutsche Staffel mit Ricco Groß, Michael Rösch, Sven Fischer und Schlussläufer holte den nächsten Olympiasieg. Im erstmals olympischen Massentstart-Rennen machte der Allgäuer dann sein Triple perfekt. Favorit Björndalen musste sich mit Bronze begnügen. Damit ist Greis der erste deutsche Olympiastarter, der bei ein und denselben Winterspielen drei Goldmedaillen gewann. Nach den Rennen begann der Stress erst richtig. Mit dem Auto ging es zweieinhalb Stunden zur Medaillen-Zeremonie nach Turin. Stefan Schwarzbach, heute Geschäftsführer des Deutschen Skiverbandes (DSV), chauffierte den Sportler damals in die Hauptstadt der Region Piemont. Das Problem: Greis musste noch die geforderte Dopingprobe abgeben. Also fuhren die Dopingkontrolleure mit nach Turin, damit alles den Regularien entsprach. In Turin angekommen, konnte Greis die Urinprobe abgeben und ausgiebig den Olympia-Hattrick feiern.
Formaufbau ganz auf Olympia ausgerichtet
Die Erfolge kamen etwas überraschend. Im Verlauf der Saison war Greis noch kein Weltcupsieg gelungen. „Ich hatte meinen Formaufbau ganz auf Olympia im Februar ausgerichtet. Es bringt doch nichts, schon im Dezember in Höchstform zu sein“, erinnert sich Greis, der 2012 seine Karriere beendete und später unter anderem als Trainer arbeitete. Aktuell betreut er Philipp Nawrath als persönlicher Mentor. Beide kommen aus Nesselwang. Beide leben inzwischen in Ruhpolding. Für Nawrath reichte es beim abschließenden Massenstart am Freitag zum siebten Platz. „Beim Schießen ist es Philipp etwas vorsichtig angegangen. Mit etwas mehr Mut und Glück wäre eine Medaille für ihn drin gewesen“, sagte sein persönlicher Coach und fügte an: „Unter dem Strich ist für ihn wichtig, dass er mit einer Bronzemedaille im Mixed-Team aus den Winterspielen geht.“
Zum schwachen Abschneiden der deutschen Biathleten in Antholz sagt der dreifache Olympiasieger: „Es war enttäuschend. Aber wenn man die Ergebnisse analysiert, dann spiegeln sie das Abschneiden der gesamten Saison wider.“
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