Das Weihnachtsfest verbrachte Finn Dahmen traditionell mit der Familie zu Hause in Wiesbaden. Danach ging es für den Torhüter des FC Augsburg und seine Freundin Polly noch in einen Kurz-Urlaub in den Süden. Wohin wollte Dahmen kurz nach dem sportlichen Jahresausklang mit dem 0:0 gegen Werder Bremen nicht verraten. „Ich bin froh, dass wir ein paar Tage mit der Familie haben, um den Kopf freizubekommen und wo es nicht um Fußball geht.“
Nicht verwunderlich, dass der 26-Jährige eine mentale Auszeit vom Fußball benötigt. Denn das Jahr 2025 war zunächst ein sportlicher Höhenflug mit einem Nicht-Gegentor-Rekord, der in der Nominierung für die deutsche Nationalmannschaft seinen Zenit erreichte, ehe es Richtung Jahresende Turbulenzen gab, die an einem Flug durch eine heftige Gewitterfront erinnerten und die dann in der Entlassung von Trainer Sandro Wagner gipfelten. „Ich brauche ein paar Tage, um das alles zu realisieren, was jetzt mit mir passiert ist. Das Jahr war sehr ereignisreich. Ich glaube, für mich persönlich war es ein sehr cooles Jahr in meiner Karriere“, bilanzierte Dahmen.
365 aufregende Tage mit dem FC Augsburg
Es waren 365 Tage, die auch gut als Symbol für das Auf und Ab beim FC Augsburg stehen könnten. Denn der FCA hatte sich mit einer schweren Depression in die Winterpause 2024 verabschiedet. 1:5 war FCA-Trainer Jess Thorup mit seiner Mannschaft drei Tage vor Weihnachten bei Holstein Kiel untergegangen. Auch, weil sich Torhüter Nediljko Labrovic nicht auf der Höhe zeigte. Danach entschloss sich der Däne im Tor personell wieder zurück auf Los zu gehen. Er entzog Labrovic das Vertrauen, beförderte Finn Dahmen wieder zur Nummer eins.
Es war ein unerwartetes Comeback. Zwar war Dahmen nach seinem Wechsel 2023 vom FSV Mainz 05 erstmals in der Bundesliga zum Stammtorhüter avanciert. Doch seine erste Saison verlief eher mittelprächtig. Dann zog er sich eine Sprunggelenkverletzung zu, die eine Operation erforderte und nach der er monatelang pausieren musste. Es folgte auch noch eine Schulterblessur. Thorup baute auf den Kroaten Labrovic.
Unter Trainer Jess Thorup blieb Finn Dahmen 683 Minuten ohne Gegentor
Doch im Januar 2025 war Dahmen wieder die Nummer eins. Das erste Spiel nach der Pause verlor der FCA noch mit 0:1 in Stuttgart, doch dann folgte eine sportliche Erfolgsserie, die eng mit Dahmen verknüpft war. Thorup verordnete eine defensive Spielweise, die der Mannschaft lag. Elf Spiele blieb der FCA so ungeschlagen, Dahmen 683 Minuten ohne Gegentor. Nur drei Torhüter blieben bisher in der Bundesliga länger ungeschlagen. Rekordhalter Timo Hildebrand (VfB Stuttgart/884 Minuten im Jahr 2003) sowie die beiden Bayern-Torhüter-Ikonen Oliver Kahn und Manuel Neuer. Alle trugen das Trikot der deutschen Nationalmannschaft.
In diesen Kreisen bewegt sich plötzlich auch Dahmen. 2021 hatte er mit der deutschen U21-Nationalmannschaft den EM-Titel gewonnen. Danach schien der Sohn eines Deutschen und einer Engländerin aber kein Kandidat mehr für die Nationalmannschaft zu sein. Auch weil es ihm in seinen ersten 35 Bundesliga-Spielen für Mainz und den FCA nicht gelang, zu null zu spielen. Ein Negativrekord.
Als der FCA aber Thorup durch den Bundesliga-Novizen Sandro Wagner ersetzte, war der Draht zur Nationalmannschaft plötzlich wieder geknüpft. Kam Wagner doch als ehemaliger Co-Trainer von Bundestrainer Julian Nagelsmann direkt vom DFB zum FCA. Und plötzlich zählte Dahmen zu den vier Torhütern, die Nagelsmann für die sechs WM-Qualifikationsspiele nominierte. Jetzt gibt es Kritiker, die behaupten, dass seine Nominierung Ausdruck für das sinkende Niveau der deutschen Torhüter-Kultur sei, es gibt aber auch Beobachter, die halten die Nominierung durchaus für verdient. Nationalspieler darf sich Dahmen allerdings bisher nicht nennen, weil er bislang nicht zum Einsatz kam.
Aber das kann ja noch werden, zumal die FCA-Defensive und damit auch Dahmen nach dem Wagner-Aus und der zurückhaltender Spielweise unter Trainer Manuel Baum deutliche Stabilisierungs-Tendenzen zeigt. In den drei Spielen unter Ex-Torhüter Baum gegen Leverkusen (2:0), Frankfurt (0:1) und Bremen (0:0) musste Dahmen nur einmal hinter sich greifen.
Finn Dahmen: Es war nicht alles schlecht unter Sandro Wagner
Doch Dahmen will den Wagner-Weg, der manchmal einem Husarenritt glich, trotz der Gegentorflut nicht nur negativ bewerten. „Im Nachhinein ist es immer einfach zu sagen – da war alles schlecht. Es war nicht alles schlecht. Es ist, glaube ich, viel zusammengekommen.“ Dahmen blickte nach dem Bremen-Spiel lieber nach vorn. „Ich kann nur sagen, dass wir in den letzten drei Wochen sehr viel richtig gemacht haben. Ich glaube, dass der Manu uns sehr gut eingestellt hat.“ Da sei es gar nicht so um die Höhe des Pressings gegangen, sondern um die Kompaktheit. Dahmen: „Da sind wir, glaube ich, auf einem sehr guten Weg.“
Den der FCA mit Manuel Baum als Trainer bis zum Sommer weitergehen wird. Wohin die Rückrunde Dahmen und der FCA führen wird? „Ich hoffe, dass wir so weiter machen und deutlich mehr Punkte holen“, antwortete Dahmen auf die Frage nach seinen Wünschen für das Jahr 2026. Denn mit 14 Zählern schwebt der FCA als Tabellen-15. auch nach dem Baum-Zwischenhoch in latenter Abstiegsgefahr.
Bezüglich der Nationalmannschaft und der anstehenden WM in Nordamerika im Juni hielt sich Dahmen zurück. „Ich konzentriere mich auf den Verein. Natürlich wünsche ich mir, dass ich weiterhin dabeibleiben darf. Aber es bringe jetzt nichts, schon Ende Dezember an den Sommer zu denken.“
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