Als die Spieler des FC Augsburg am späten Sonntagnachmittag mit dem Auswärtsspiel bei Werder Bremen in die Bundesliga-Rückrunde starteten, war klar, dass sich die untere Hälfte der Tabelle an diesem Wochenende verdichtet hatte. Union Berlin hatte Mainz mit 2:1 bezwungen und war mit 20 Punkten erst einmal vorbeigezogen. St. Pauli und Hoffenheim waren mit Siegen und jeweils 17 Punkten näher gerückt. Also war klar, sollte der erste Auswärtssieg der Saison nicht gleich wieder in der Tabelle verpuffen, musste nachgelegt werden. Und dem FCA gelang dies mit einem 2:0 (2:0)-Erfolg, dem zweiten Sieg in der Fremde innerhalb von fünf Tagen. Damit hat der FCA sein Punktekonto auf 22 Zähler ausgebaut.
FCA-Trainer Jess Thorup zeigte sich nach dem Befreiungsschlag entsprechend zufrieden: „Wir haben aus meiner Sicht verdient gewonnen, auch wenn wir in der zweiten Hälfte viel verteidigen mussten. Wir haben wieder die Basics auf dem Platz gebracht und viel Effizienz gezeigt.“
Wie schon im Berliner Osten ging der FCA auch im Bremer Weserstadion früh in Führung. Samuel Essende schloss den ersten ernsthaften Ausflug des FCA in die Werder-Hälfte mit dem 1:0 (5.) ab. Kristijan Jakic hatte den Ball erobert, Arne Maier an Essende weitergeleitet und der genauso cool wie die Außentemperaturen eingeschoben.
Samuel Essende trifft wieder gegen seinen Lieblingsgegner Bremen
Damit hatte sich die personelle Besetzung der Startelf durch Jess Thorup schon bezahlt gemacht. Er hatte nämlich Maier als Ersatz für den gelbgesperrten Frank Onyeka nominiert und auch weiter an Samuel Essende gegenüber Phillip Tietz festgehalten. „Samuel gibt uns die Schnelligkeit und Tiefe nach vorne, deshalb spielt er“, hatte Thorup vor dem Spiel bei DAZN erklärt. Und der Stürmer bezahlte das Vertrauen in harter Währung zurück. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte köpfte er eine feine Flanke von Dimitrios Giannoulis zum 2:0 (45.+1) ein. Was für eine Effektivität. Zum zweiten Mal formte Essende ein W (sein Spitzname ist Wolf) beim Torjubel. Es war das dritte W gegen Bremen, denn schon beim 2:2 beim Saisonauftakt hatte Essende getroffen.
Zwischen den beiden FCA-Toren lagen aber aufregende 40 Minuten, indem die 400 mitgereisten FCA-Fans mehrmals den Atem anhielten. Denn zwei Werder-Tore wurden wegen Abseitsstellung berechtigterweise von Schiedsrichter Benjamin Brand aus dem fränkischen Schwebheim nicht gegeben.
VAR greift bei vermeintlicher Notbremse von Jakic ein
Zudem sind seit Sonntag sicherlich einige Augsburger Anhänger zu glühenden Anhängern des VAR konvertiert. In der 39. Minute nahm Brand die Rote Karte gegen Kristijan Jakic nach Intervention des Video-Schiedsrichters Tobias Welz und Selbststudium zurück. Marvin Ducksch war bei einem Konter im Duell mit Jakic gefallen. Wie sich in der Nahaufnahme zeigte, war es eine Schwalbe des Bremers. Auch bei einem vermeintlichen Handspiel von Elvis Rexhbecaj (45.+5) im FCA-Strafraum entschied Welz für die Augsburger.
Die Bremer antworteten nach dem Wechsel mit wütenden Angriffen auf die aus ihrer Sicht natürlich falschen Schiedsrichter-Entscheidungen. Werder drückte, sorgte für Aufregung im Strafraum des FCA, aber auch der setzte Nadelstiche. Einmal rettete der Innenpfosten für den FCA (55.), einmal die Querlatte für Bremen (59.). Danach beruhigte sich das Geschehen in beiden Strafräumen, ohne dass das Spiel langweilig wurde. Doch der FCA verteidigte geschickt den zweiten Sieg in Serie, was bisher in dieser Saison auch nicht gelungen war.
FC Augsburg beschäftigt sich mit Rückkehr von Mergim Berisha
Aber auch abseits des Rasens sorgte der FCA für Gesprächsstoff. So wird Jacob Friis seinen Co-Trainer-Posten zeitnah verlassen und Nationalcoach von Finnland werden. Die Finnen haben für Montag angekündigt, ihren neuen Cheftrainer zu präsentieren. Friis hat noch bis Sommer einen Vertrag beim FCA, der finnische Verband wird entsprechend eine Ablösesumme zahlen müssen. Die bisherigen Aufgaben von Friis im Trainerteam von Jess Thorup werden vorerst auf die restlichen Co-Trainer Lars Knudsen und Imre Szabics verteilt. Im kommenden Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr) wird Friis den Augsburgern ein letztes Mal zur Verfügung stehen.
Zudem bestätigen sich nach Informationen unserer Redaktion die Spekulationen um eine Rückkehr von Mergim Berisha. Der FCA beschäftigt sich ernsthaft damit. Berisha hatte im Sommer 2023 den FCA in Richtung Hoffenheim verlassen, ist dort aber nie wirklich zurechtgekommen. Berishas Vorteil: Er kennt sowohl den Verein als auch die Liga und bräuchte somit keine Eingewöhnungszeit. Allerdings stellt sich die Frage, ob sich die Augsburger die Ablösesumme leisten können und wollen. Auch eine Leihe mit späterer Kaufoption soll ein Thema sein. Berisha hat noch einen Vertrag bei Hoffenheim bis Sommer 2027. Interesse an dem Stürmer sollen allerdings auch Werder Bremen und AC Monza aus Italien haben. Gegenüber Bremen hat der FCA am Sonntag aber auf jeden Fall das bessere Bewerbungsschreiben abgegeben.
FC Augsburg: Dahmen – Matsima, Gouweleeuw (65. Banks), Zesiger – Koudossou (86. Wolf), Rexhbecaj, Jakic, Maier (65. Kömür), Giannoulis – Claude-Maurice (77. Jensen), Essende (65. Tietz)
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