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FC Augsburg ärgert sich wegen strittigem Elfmeter – Schiedsrichter und VAR im Fokus

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FCA ärgert sich über strittigen Strafstoß

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    Reichlich Redebedarf: Schiedsrichter Tobias Reichel (links) verhängte gegen den FC Augsburg und dessen Kapitän Jeffrey Gouweleeuw einen Strafstoß. Sogar der DFB spricht von einer Fehlentscheidung.
    Reichlich Redebedarf: Schiedsrichter Tobias Reichel (links) verhängte gegen den FC Augsburg und dessen Kapitän Jeffrey Gouweleeuw einen Strafstoß. Sogar der DFB spricht von einer Fehlentscheidung. Foto: Thomas Voelker, Jan Huebner

    Kapitän Jeffrey Gouweleeuw hatte Redebedarf. Trainer Jess Thorup hatte Redebedarf. Und auch Sportdirektor Marinko Jurendic hatte Redebedarf. Alle arbeiteten sie sich an dieser einen Szene ab. Einer Szene, die im Bauch der Hoffenheimer Arena nachwirkte und dafür gesorgt hatte, dass die Serie ohne Gegentor beim FC Augsburg nach 683 Minuten ein jähes Ende genommen hatte.

    70 Minuten lang war wieder mal alles nach Thorups Plan gelaufen. Wie in den Wochen zuvor zelebrierte seine Mannschaft Minimalistenfußball. Verteidigte konsequent ihr eigenes Tor, traf selbst mit der ersten richtigen Chance. Stürmer Samuel Essende hatte 15 Sekunden nach seiner Einwechslung das 1:0 erzielt und damit einen Bundesligarekord aufgestellt. Essende wäre wohl – wie jüngst Phillip Tietz gegen den VfL Wolfsburg – zum Matchwinner geworden, weil er den Siegtreffer erzielt hätte. Dies verhinderte beim 1:1 (0:0) aber eben jene, aus Augsburger Sicht so vermaledeite Szene.

    Augsburgs Abwehrspieler Chrislain Matsima hatte einen Torschuss von Hoffenheims Dennis Geiger geblockt und Gouweleeuw aus kurzer Distanz an den Innenarm geschossen. Schiedsrichter Tobias Reichel zögerte, deutete dann auf den Punkt. Für Gouweleeuw „unverständlich“. Beschweren konnte er sich nicht. „Heutzutage kann man nichts mehr sagen zum Schiedsrichter. Sonst bin ich ganz schnell wieder bei neun gelben Karten und muss wegen einer Sperre aufpassen“, so der Niederländer. Mit Schiedsrichter Deniz Aytekin könne man noch diskutieren, merkte der Spieler an. „Beim Rest habe ich das Gefühl, dass man sofort die Gelbe Karte bekommt.“

    FCA-Kapitän Gouweleeuw: „Schiedsrichter wissen selbst nicht, wann es ein Elfmeter ist“

    Der Austausch mit dem Unparteiischen war das eine, der Auslöser das andere. Gouweleeuw beschrieb die Szene. Seine Armhaltung sei natürlich gewesen, er sei angeschossen worden. „Der Ball geht weg vom Tor, ich bin in der Bewegung. Was soll ich da machen?“ Augsburgs Kapitän resümierte: „Die Schiedsrichter wissen selbst nicht, wann ist es ein Elfmeter und wann nicht.“ Gouweleeuw machte Reichel nach Schlusspfiff auf dem Platz ein Angebot. Er solle sich die Szene anschauen und könne dann nochmals zu ihm kommen.

    Ob Reichel das Angebot annahm, ist nicht bekannt. Schließlich bekam er selbst Besuch. Und zwar von Jurendic. In der vergangenen Woche hatte in Frankfurt die Deutsche-Fußball-Liga (DFL) getagt. Unter anderem war der Video Assistant Referee (VAR) ein Thema gewesen. Entscheidungen sollten sich nicht über Minuten hinauszögern, die Netto-Spielzeit erhöht werden. Nun kam Jurendic erneut nicht umhin, sich mit dem VAR auseinanderzusetzen. Aus Sicht des FCA-Sportchefs befand sich die Strafstoßentscheidung in einem „Graubereich“, also weder schwarz noch weiß. Der47-Jährige ließ durchklingen, dass er sich eine längere Entscheidungsfindung gewünscht hätte. „Für uns geht es um sehr viel“, betonte Jurendic. Dem müsse man Rechnung tragen. Entsprechend hätte der Schiedsrichter die Szene selbst am Bildschirm studieren sollen. Komme dieser dann zu keinem anderen Ergebnis, sei das ein „geschlossener Kreis“. „Ich erwarte in solchen Härtefällen, dass man das Spiel unterbricht, er rausgeht und man sich die nötige Zeit nimmt.“

    Sich nicht zum Schiedsrichter äußern wollte sich Trainer Thorup auf der Pressekonferenz. „Für mich war das kein Elfmeter“, sagte er später. Für Thorup, Jurendic und Gouweleeuw ist es wohl ein schwacher Trost, aber noch am Samstagabend räumte der DFB ein, dass der Strafstoß eine Fehlentscheidung gewesen sei. „Es wäre richtig gewesen, weiterspielen zu lassen. Eine Intervention des Video-Assistenten wäre angebracht gewesen“, erklärte Alex Feuerherdt, Leiter Kommunikation und Medienarbeit der DFB Schiri GmbH, und fügte hinzu: „Der Ball kam aus kurzer Distanz von einem Mitspieler und war für Gouweleeuw nicht zu erwarten. Zumal er nach dem Blocken deutlich die Richtung änderte.“

    Trainer Thorup ist sauer und wird in der Kabine laut

    Der Ärger der Augsburger begründete sich nicht nur in der Strafstoßszene. Zugleich ärgerten sie sich über sich selbst. In der ersten Hälfte verbuchten die seit Mitte November zu Hause sieglosen Hoffenheimer Chancen und einen Pfostentreffer. Statt den Gegner unter Druck zu setzen, prägte Passivität das Spiel. Thorup war sauer, wurde in der Halbzeit laut. Schon am Abend zuvor, bei der Teambesprechung, hatte er seinen Spielern ins Gewissen geredet. Niemand dürfe denken, nach zehn Spielen komme alles von allein, so der Däne. „Warum die Mannschaft das nicht verstanden hat, weiß ich nicht.“

    Der FCA kletterte in der Tabelle zwar einen Platz nach oben, ist jetzt mit 39 Punkten Achter, doch die Enttäuschung überwog. Redebedarf gab es nicht nur wegen einer Szene.

    Augsburg Dahmen - Matsima, Gouweleeuw, Zesiger - Wolf (72. Koudossou), Onyeka (72. Jakic), Rexhbecaj, Giannoulis - Jensen (80. Maier), Claude-Maurice (89. Pedersen) - Tietz

    Tore 0:1 Essende (46.), 1:1 Kramaric (71./HE) Schiedsrichter Reichel (Sindelfingen) Zuschauer 21.427

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